Tag des Bruchs zwischen Mannschaft und Fans

Von: Klaus Schmidt
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Irritationen, ins Gesicht geschrieben: Alemannias Interimscoach Sven Schaffrath (Mitte) und Mannschaft nach dem Jahresausklang. Foto: Wolfgang Birkenstock

Aachen. Nach zwei Minuten markierte Jannik Löhden sein Revier, der Innenverteidiger holte Ihab Darwiche herzhaft von den Beinen. Es blieb nicht die einzige Irritation, dass sich der Zwei-Meter-Mann für seine Aktion von drei, vier, fünf Kollegen feiern ließ, als hätte er in der Nachspielzeit auf der Linie den Ausgleich des Gegners verhindert.

Die Szenerie sollte sich in der zweiten Halbzeit wiederholen, Löhden, Freddy Löhe und Peter Hackenberg übten den demonstrativen Schulterschluss.

Kein „Befreiungsschlag“

Später, die Arbeit war erledigt, kam Hackenberg in die Mixed Zone und stellte gleich mal klar, dass er sich „nur zu den 94 Spielminuten“ äußern werde. Der Kapitän von Alemannia Aachen sprach dann von einer „guten Kampfleistung“, man hätte „sachlich gespielt“, aber natürlich sei dieser 1:0-Sieg gegen RW Ahlen zum Jahresabschluss der Fußball-Regionalliga nicht der vielleicht erwartete „Befreiungsschlag“ nach der Trennung von Chefcoach Christian Benbennek gewesen. Nichts sagen mochte Hackenberg indes – wie auch die Mannschaftskollegen – zum Thema des Tages.

Die Partie hatte mit Pfiffen gegen das eigene Team begonnen, als Freddy Löhe zum Anstoß in seinen Kasten vor der Stehplatztribüne ging. Reflex der Profis nach dem Spiel, nach Kreisbildung und ein paar Worten von Löhe und Hackenberg: Sie gingen auf direktem Weg in die Kabine und in die Winterpause, ohne die obligatorische Verabschiedung von den Fans. Und kehrten erst auf Geheiß des Sport-Geschäftsführers Alexander Klitzpera zurück – als die meisten der 6700 Zuschauer den Tivoli schon verlassen hatten.

Sven Schaffrath, der die Schwarz-Gelben mit dem verletzten Aimen Demai vorbereitet und betreut hatte, versuchte sich in Diplomatie am Tag, an dem sich Mannschaft und Anhänger voneinander entfremdeten und es zum offenen Bruch kam. „Es war ja vorher klar, dass das Verhältnis angespannt ist“, sagte der Interimscoach, „eine schwierige Situation.“ Der letztjährige Vizemeister reicherte sein Bild einer kritikwürdigen Außendarstellung um eine weitere bislang nicht vorstellbare Facette an – dabei war das Spiel gegen den Aufsteiger und Abstiegskandidaten schon fürchterlich genug.

Der erste verwandelte Elfmeter in dieser Saison durch Dennis Dowidat (28. nach Foul von Wolff an Timo Staffeldt) war noch das Beste. Ahlens Trainer Marco Antwerpen durfte ohne Gefahr eines berechtigten Widerspruchs feststellen: „Erste Halbzeit ausgeglichen, zweite Halbzeit so dominant von uns, wie Aachen sich das als Heimmannschaft vorgestellt hatte.“ Zwei Minuten vor Alemannias Führungstor war Yilmaz mit einem Volleyschuss nur knapp gescheitert, nach dem Seitenwechsel und der besten Aachener Chance durch Taku Ito, der den Ball nicht richtig traf und über den Kasten setzte (61.), drückten die Rot-Weißen ihren Gegner in dessen Hälfte.

Hackenberg & Co. waren während der gesamten Partie ohne Tempo, ohne Präzision und ohne Ideen unterwegs. Der Kapitän brachte seinen Torhüter mit einem zu kurzen Rückpass in Schwierigkeiten, Bechtold scheiterte dann noch ebenso per Kopf wie Wolff, schließlich stand Alemannia das Glück bei, als Schiedsrichter Niklas Dardenne ein Handspiel von Jannik Löhden im Strafraum ungeahndet ließ. Die verletzungsbedingten Auswechslungen des benommenen Staffeldt (Ball an den Hinterkopf) und von Bastian Müller (Pressschlag auf den Fuß) waren nur Randnotizen.

„Ob das schön und ansehnlich war, spielt unter dem Strich keine Rolle“, sagte Sven Schaffrath. Von den Spielern äußerte sich dann noch Dennis Dowidat; man hätte „nicht erwarten können, dass wir jetzt Fußball vom anderen Stern spielen“. Und was solle er „großartig dazu sagen“ zum eigentlichen Thema an einem weiteren denkwürdigen Tag in der Klubgeschichte?

Der Siegtorschütze sagte nichts. Es waren schon genug Scherben entstanden, beim letzten Spiel des Jahres.

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