Aachen - Streit zwischen Rambau und Alemannia beigelegt

Streit zwischen Rambau und Alemannia beigelegt

Von: Christoph Pauli
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Rambau
Alemannia zieht die Abberufung zurück, der alte und neue Aufsichtsrat Horst Rambau verzichtet sofort auf das Mandat, die Kosten werden geteilt. Foto: Michael Jaspers
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Alemannia zieht die Abberufung zurück, der alte und neue Aufsichtsrat Horst Rambau verzichtet sofort auf das Mandat, die Kosten werden geteilt. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Eine gewisse Pointe hatte dieses Verfahren denn doch. Alemannias geschasster Aufsichtsrat Horst Rambau musste sich auf den Stuhl im Gerichtssaal setzen, den zuweilen der ehemalige Geschäftsführer Frithjof Kraemer belegt. Die Kammer für Handelssachen wird ein bisschen zur Kammer für Alemannia-Sachen. Dort wird seit geraumer Zeit die Feststellungsklage Kraemers verhandelt, der gegen seine fristlose Kündigung vorgeht.

Am Montag befasste sich Richter Wolfgang Bender mit der Anfechtungsklage Rambaus (Streitwert 50.000 Euro). Der erklärte Kraemer-Kritiker war im letzten Juli achtkantig aus „wichtigen Gründen“ aus dem Aufsichtsrat geflogen, die übrigen Mitstreiter hatten ihn – so steht es in einem Gutachten – als „unkollegial und unversöhnlich“ geschildert. Der 40-Jährige dagegen hatte eine andere Lesart des Rauswurfes: Da sollte ein Kritiker mundtot gemacht werden.

Noch vor der Beweisaufnahme einigten sich am Montag die Parteien. Alemannia zog die „Abberufung aus wichtigem Grund“ zurück, im Gegenzug legte Rambau flugs sein zurückerhaltenes Mandat wieder nieder. Der Kostenvergleich steht noch unter dem Vorbehalt des Insolvenzverwalters, der am Montag nicht erreichbar war. Der Kläger übernimmt die Gerichtskosten, darüber hinaus werden die Kosten gegeneinander aufgehoben.

Rambau hatte in dem Verfahren über seinen Anwalt Peter Nickel vorgetragen, dass er kaltgestellt wurde, weil er ein erklärter Gegner einer Kraemerschen Vertragsverlängerung gewesen sei. Über einen Übach-Palenberger Geschäftsmann und Klubsponsor habe Kraemer Druck auf den ehemaligen Aufsichtsratsvorsitzenden Meino Heyen ausgeübt. Rambau sollte ausgeschlossen worden.

Der satzungsgemäße Weg über den Verwaltungsrat scheiterte, die Runde wollte noch weitere Unterlagen sehen. So habe Heyen einen alternativen Weg gesucht, um den Binnennörgler loszuwerden, vermutete Rambau. Ein juristisches Gutachten, das fast 10.000 Euro kostete, wies eine neue Möglichkeit: Schließlich berief das Präsidium geschlossen Horst Rambau ab. Für Rambau-Anwalt Nickel war das eine „Kompetenzüberschreitung“ und ein rechtswidriger Akt, für Alemannia-Anwalt Dr. Edgar Stein dagegen gehörte die Abberufung durch die Gesellschafterversammlung zur „Kernkompetenz. Formal ist der Beschluss völlig korrekt.“

Auch andere Vorwürfe wies der Steuerberater aus Eschweiler energisch zurück. Keineswegs habe es eine Kollision mit seiner beruflichen Tätigkeit gegeben, er habe keine Spieler des Klubs steuerlich beraten. Die Argumentation sei eher scheinheilig, vielmehr sah er ausreichend Anlass, dass die verbliebenen Aufsichtsratsmitglieder mal über eigene Interessenkonflikte nachdenken sollten. So nehme ein Aufsichtsrat ohne Genehmigung des Verwaltungsrats entgeltliche Beurkundungen vor (gemeint ist Christoph Terbrack), ein anderer habe entgeltliche Mietverträge abgeschlossen (Helmut Kutsch), der nächste unterhalte entgeltliche Lieferantenverträge (Michael Nobis), und der ehemalige Vorsitzende (Meino Heyen) habe entgeltliche Darlehensverträge und über seinen Sohn entgeltliche Mietverträge abgeschlossen. So steht es in den Prozessakten.

Trotz solcher Vorwürfe hatte es bis zuletzt immer noch Versuche gegeben, Rambau zurück in ein Gremium zu holen, das im Zuge der Insolvenz keine Bedeutung mehr besitzt. Noch am 27. Mai habe ihm Vize-Präsident Helmut Kutsch die Rückkehr versprochen. Der Steuerberater betonte auch am Montag, dass es ihm nur um seine Rehabilitation gehe. An einem öffentlichen Verfahren habe er wenig Interesse.

„Verhältnis war zerrüttet“

Alemannias Anwalt Stein baute die Brücke, über die dann später alle Verfahrensbeteiligten gingen. Die Zusammenarbeit in dem Kontrollgremium sei damals nicht mehr möglich gewesen. „Man konnte nicht mehr miteinander, das Verhältnis war zerrüttet – unabhängig vom Verschulden.“ Die Vorwürfe sind aus der Welt. Und so einigten sich die Parteien vor der Beweisaufnahme auf den Vergleich. Rambau ist wieder da und gleich wieder weg. Sein Kommentar: „Das ist das angestrebte Ergebnis.“

Der Vergleich hat indes keine Auswirkung auf das Strafverfahren, das bei der Staatsanwaltschaft seit Monaten anhängig ist. Rambau hatte Heyen angezeigt wegen „Beleidigung, übler Nachrede und Verleumdung“. Und auch Schadenersatzansprüche behält er sich unverändert vor. Nickel: „Es geht uns nicht um materielle Werte, gegen eine großzügige Spende von Herrn Heyen für eine caritative Einrichtung unserer Wahl würden wir von diesem Schritt absehen.“

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