Aachen - Steinborn wehrt sich gegen Attacke aus DFB-Zentrale

Steinborn wehrt sich gegen Attacke aus DFB-Zentrale

Von: Christoph Pauli
Letzte Aktualisierung:
13171917.jpg
Nach der Kritik vom DFB-Vizepräsidenten Rainer Koch meldet sich nun der ehemalige Aufsichtsratvorsitzende der Alemannia, Christian Steinborn, zu Wort. Foto: Wolfgang Birkenstock

Aachen. Der Ton wird dann schärfer, immer mehr Regionalligisten wehren sich gegen die Aufstiegsregelung und die geringe Planungssicherheit. Zuständig für den Amateurbereich ist beim größten Verband der Welt Rainer Koch. Der hatte bereits in der letzten Woche klargestellt, dass aus seiner Sicht die Insolvenzen und Überschuldungen am Miss-Management der Vereine und nicht an der Struktur der Ligen liegen würde.

„Wenn ein Verein finanzielle Probleme hat, liegt es unabhängig von der Liga vorrangig fast immer daran, dass er planmäßig mehr Geld ausgibt als er einnimmt“, sagte der erste Vizepräsident des Deutschen Fußball-Bundes. Nicht die Vereine mit dem geringsten, sondern die mit dem höchsten Etat hätten die Probleme. „Es liegt nicht am System.“

Und Alemannia hatte er gleich vorgehalten, dass zwei Insolvenzen in fünf Jahren „völlig inakzeptabel“ seien. „Wenn ich mit mehr als 6500 Zuschauern pro Spiel nicht auskomme, kann es nicht an der Regionalliga als solcher liegen, wenn andererseits viele Vereine mit 1000 Zuschauern im Schnitt auskommen können.“ Aus Kochs Sicht sei die vierte Liga allenfalls eine Halbprofi-Liga. „Und wer sich dort Vollprofitum leistet, kann nicht erwarten, dass ihm das andere finanzieren.“

Die Einlassungen von Rainer Koch hatten schon Essens Präsident Michael Welling zu öffentlichem Widerspruch animiert, der dem DFB-Mann vorhielt, „Unsinn“ zu verbreiten. „Die tatsächlichen finanziellen Probleme haben natürlich nur diejenigen Vereine, die eben den Spielbetrieb operativ finanzieren und realisieren müssen – nicht Klubs von Mäzenaten oder U-Mannschaften der Bundesliga-Vereine.“

Nun wehrt sich auch Alemannias ehemaliger Aufsichtsratsvorsitzender Christian Steinborn gegen die Attacke aus der DFB-Zentrale. Koch hatte Alemannias nächste Insolvenz als „Negativwerbung für den Fußball“ eingestuft. Steinborn hält in einem mehrseitigen Brief (liegt der Redaktion vor) an Koch dagegen, und rät ihm, sich besser zu informieren. „Haben Sie auch nur die geringste Ahnung über die Hintergründe der Insolvenz? Ohne die unattraktive, durch Sie weiterhin für gut befundene Struktur der höchsten deutschen Amateurspielklasse wäre es für uns wie auch andere ambitionierte Vereine wesentlich leichter, Mittel einzuwerben, die für eine Entlastung der arg strapazierten Budgets sorgen würden.“

Gerne könne sich Koch mal bei potentiellen Sponsoren kundig machen, dass deren Zurückhaltung auch mit der merkwürdigen Aufstiegsregelung zu tun habe. Steinborn beschreibt die Regionalliga als heterogenes Sammelbecken, in denen Traditionsklubs sich ebenso tummeln wie Ausbildungsvereine von Bundesligisten, Mäzenaten-Vereine und Klubs, für die die 4. Liga die höchste denkbare Spielklasse ist.  Auch der Aachener spricht von einer „Strafliga“, die sich immer weiter entferne von den „fetten Fernsehtöpfen“.

Steinborn  solidarisiert sich mit den Klubboss von RW Essen ausdrücklich. „Trennt uns zwar sportliche Rivalität, so eint uns die Wahrnehmung der tristen und oft mit seriöser Planung fast ausweglos erscheinenden Regionalligarealität.“ Auch der Aachener bittet den Verband eindringlich darum, die Gegebenheiten zu überdenken und nicht nur schönzureden. „Denn die jetzige Struktur birgt das Risiko – zumindest in der vierthöchsten deutschen Spielklasse – vieles kaputt zu machen, was eigentlich Werbung für den Fußball machen sollte.“
 

Leserkommentare

Leserkommentare (7)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert