Staatsanwaltschaft ermittelt: Frithjof Kraemer droht Anklagebank

Von: Christoph Pauli
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Bald auf der Anklagebank? Nach dem Willen der Staatsanwaltschaft soll sich Frithjof Kraemer für seine Zeit als Geschäftsführer bei Alemannia Aachen verantworten. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Am Anfang stand die Strafanzeige der Stadt Aachen. Die Kommune, die der Alemannia noch im Sommer 2012 bei der Umfinanzierung der horrenden Stadionkredite geholfen hatte, vermutete einen Vermögensnachteil. Sie stellte eine Betrugsanzeige gegen Alemannias ehemaligen Geschäftsführer „Frithjof Kraemer und andere“.

Das Verfahren unter dem Aktenzeichen AZ 115 JS 191/12 wurde von der Aachener an die Kölner Staatsanwaltschaft übergeben. Es zog sich über Jahre hin. Etwa 15.000 Aktenseiten mussten von der eher unterbesetzten Behörde durchforstet werden, dutzende Zeugen wurden zum Gespräch geladen. Und immer ging es auch um die Frage, ob Alemannia nicht schon damals, als die Finanzen neu geordnet wurden, insolvent war. Das waren später die Erkenntnisse des Insolvenzverwalters, der vorübergehend die Geschäfte am Tivoli führte.

Lange Zeit sah es so aus, als würden die Ermittlungen versanden, seit ein paar Stunden steht aber fest, dass die Staatsanwaltschaft Anklage erheben will gegen Alemannias ehemaligen Geschäftsführer Frithjof Kraemer und den ehemaligen „Bereichsleiter Finanzen und Controlling“.

Die Anklageschrift wurde den Beschuldigten zugestellt. Besonders Kraemer hat viel zu lesen. Die Ermittler listen eine Insolvenzverschleppung in drei Fällen und Untreue in 40 Fällen auf. Vier Mal geht die Behörde dabei von einem besonders schweren Fall aus, tateinheitlich soll es sich dabei in 39 Fällen auch um Bankrott handeln. So teilt es Behördensprecher Dr. Daniel Vollmert mit. Kraemer droht eine Gefängnisstrafe – in besonders schweren Fällen sieht der Gesetzgeber einen Strafrahmen von sechs Monaten bis zehn Jahren vor. Bei Kraemer liegen nach Ansicht der Staatsanwälte gleich mehrere „schwere Fälle“ vor.

Sein ehemaliger Kollege wird nach dem Willen der Behörde wegen „Beihilfe zur Insolvenzverschleppung“ in zwei Fällen angeklagt. Beide Männer wollten sich am Dienstag nicht äußern. Kraemer arbeitet längst bei einer Bank, die Fußballvereinen mit Krediten weiterhilft. Sein ehemaliger Controller war ein paar Monate bis Mitte des Jahres der Leiter „Finanzen“ beim Zweitligisten 1860 München, ehe er bei einem Unternehmensberater in Düsseldorf anheuerte.

Kein Verfahren gegen Meijer

Eingestellt nach Paragraf 153 (Geringfügigkeit) wurde das Verfahren gegen die ehemaligen Geschäftsführer Uwe Scheer und Erik Meijer, gegen die von Amtswegen ermittelt wurde. Auch die Ermittlungen gegen Ex-Präsident Meino Heyen und andere Funktionäre brachten keine relevanten Ergebnisse, sagt Vollmert. Nach den Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft kommt es nur in zwei Fällen zur Anklage.

Die Wirtschaftskammer des Landgerichts Aachen muss in den nächsten Monaten entscheiden, ob sie wie beantragt das Verfahren gegen Kraemer und den ehemaligen Finanzchef eröffnet. Das könnte dann in der zweiten Jahreshälfte 2016 stattfinden – etwa vier Jahre nach Kraemers fristloser Kündigung am Tivoli. Gegen diesen Schritt war Kraemer beim Landgericht Aachen vorgegangen. Er verlangte ausstehende Lohn- und Prämienzahlungen in Höhe von 250.000 Euro. Alemannia wiederum forderte im Gegenzug einen Schadenersatz in Millionenhöhe. Das Verfahren endete vor ein paar Wochen mit einem Vergleich. Die Haftpflichtversicherung des ehemaligen Geschäftsführers zahlte an die Gläubiger der insolvent gegangenen Gesellschaft vermutlich eine siebenstellige Summe.

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