Aachen - Simon Rolfes bietet Alemannia Hilfe an

Simon Rolfes bietet Alemannia Hilfe an

Von: Christoph Pauli
Letzte Aktualisierung:
Alemannia
Gegenwart und Vergangenheit: Simon Rolfes hat das Trikot ausgezogen und berät jetzt Profis in finanziellen Dingen. In Eschweiler hat sich der ehemalige Alemanne selbstständig gemacht. Foto: Christoph Pauli
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Wenn es nach ihm geht, kehrt er langfristig wieder an den Tivoli zurück: Ex-Nationalspieler Simon Rolfes bietet Alemannia Aachen seine Hilfe an. Foto: imago/Eibner

Aachen. Ein paar Mal ist Simon Rolfes noch zum Tivoli zurückgekehrt. Er war dann Spieler von Bayer Leverkusen. Ab und zu weilte er mit seiner Mannschaft noch in Aachen, wenn ein Freundschaftsspiel anstand. Rolfes war dann wieder in der alten Heimat, wo seine Karriere richtig Fahrt aufnahm.

Am Tivoli schaffte er in der Saison 2004/05 innerhalb einer Spielzeit den Durchbruch. Danach wechselte er nach Leverkusen und beendete dort im letzten Sommer eine imponierende Karriere als Ehrenspielführer. Er hat die Region nie verlassen, wohnt mit seiner Familie in Eschweiler.

Wenn es nach Rolfes geht, kehrt er nach vielen Jahren wieder zum Tivoli zurück – langfristig. Der Ex-Nationalspieler bietet seine Hilfe an. Er glaubt immer noch daran, dass der tief gesunkene Verein über großes Potenzial verfügt. Rolfes würde sich engagieren, sofern das Angebot angenommen wird.

Eigene Firma aufgebaut

Der Jungunternehmer, der seit ein paar Monaten mit einem Kompagnon eine Karriereberatungsfirma für Profis aufgebaut hat, hat ziemlich konkrete Vorstellungen, wie ein Verein zukunftsfähig gemacht werden kann.

Simon Rolfes will seine Ideen zunächst intern erläutern, sagt er. Er setzt auf Nachhaltigkeit, auf unternehmerische Strukturen. Der Ex-Nationalspieler will Alemannia professionalisieren. Rolfes wäre kein externer Ratgeber, er würde sich in die Arbeit einbinden lassen – „wenn es gewünscht ist.“

 

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Posted by Simon Rolfes on Friday, March 11, 2016

 

Es ist ein Angebot, vielleicht kommt es zur passenden Zeit. „Mir geht es darum, diesem Verein, der wirtschaftlich und sportlich am Boden liegt, wieder eine Perspektive zu geben.“ Der 34-Jährige kann sich vorstellen, die Zügel in die Hand zu nehmen, sagt er. Dort, wo seine Karriere vor knapp zwölf Jahren begann. 

Vor zwölf Jahren besuchte Simon Rolfes einmal eine Grundschulklasse in Richterich. Eine Stunde lang berichtete Alemannias Profi den staunenden Kindern von seinem Profileben. Dann war Pause, und alle Klassen umringten den Fußballer auf dem Schulhof. Dann war die Pause zu Ende, und die Schüler dachten nicht daran, in den Unterricht zurückzukehren, obwohl die Rektorin energisch immer wieder den Schulgong betätigte. Damals war viel Euphorie in der Stadt unterwegs, und Rolfes war einer der Hauptdarsteller einer Mannschaft, die für Furore sorgte. Wie sich die Dinge entwickelt haben, ist bekannt.

Alemannia ist tief gesunken, Simon Rolfes zog weiter nach Leverkusen, wurde 26-facher Nationalspieler, ehe er vor ein paar Monaten die Karriere dort nach zehn Jahren beendete. Den Bezug zu Aachen hat er nie verloren. Am Tivoli hat er seine Frau Jenny kennengelernt, mit der er drei Töchter hat. Die junge Familie wohnt immer noch in Eschweiler. „Es war ein unvergessliches, fantastisches Jahr in Aachen“, sagt er. Und so leidet er sehr mit, „wenn man sieht, wie sich der Verein entwickelt hat“.

Glaube an die Fankultur

Bei der Feststellung bleibt es nicht. Rolfes will ein Signal setzen. Er glaubt daran, dass der Verein unverändert über ein großes Potential verfügt. „Der Verein hat eine unglaubliche Fankultur, aber die Fans haben in den letzten Jahren nur noch gelitten.“ Jungunternehmer Rolfes will eine neue Kultur etablieren. „Das alte Modell vieler Vereine ist es, mit immer neuem Geld Löcher zu stopfen.“ Der Ex-Nationalspieler strebt eine unternehmerische Lösung an. Kosteneffizientes Management, schnelle Entscheidungswege, Ausbau der Fankultur, Entwicklung von jungen Spielern, ein attraktives Nachwuchsleistungszentrum, Nachhaltigkeit, Substanz aufbauen. Er könne sich vorstellen, die Zügel in die Hand zu nehmen, sagt er.

Keiner, der nur gute Ratschläge aus der Ferne gibt, sondern jemand, der die Dinge entwickeln will. Konkreter will er noch nicht werden. Bislang hat er sich nur mit dem Aufsichtsrat Oliver Laven ausgetauscht. „Mir geht es darum, diesem Verein, der wirtschaftlich und sportlich am Boden liegt, wieder eine Perspektive zu geben.“ Das ist keine Aufgabe, die sich im Handumdrehen erledigen lässt. Es ist ein Langfristprojekt. Aber vielleicht ist das gerade ein guter Zeitpunkt, dass der Ex-Spieler und der Verein zusammenfinden, um gemeinsam an der Zukunft zu basteln.

Begehrt in Leverkusen

Rolfes könnte auch andere Aufgaben übernehmen. Bei Bayer Leverkusen stehen dem Ehrenspielführer immer noch alle Türen offen, manch einer sieht in ihm schon den Nachfolger von Rudi Völler. Den 34-Jährigen aber reizt die Aufgabe am Tivoli. „Viele Chancen bekommt der Verein vielleicht nicht mehr“, vermutet er. „Wenn es so weitergeht, muss man schwarzsehen.“ Rolfes kann gestalten. „Ich stehe für ein Modell, das für Qualität, Kompetenz und Nachhaltigkeit steht.“

Im Sommer hat er seine Karriere beendet. Im Gegensatz zu vielen anderen Profis hatte er konkrete Ideen vom „Leben danach“. Mit seinem Geschäftspartner Dr. Markus Elsässer, einem anerkannten Finanzfachmann, hat er in Eschweiler die Karriereberatungsagentur „Rolfes & Elsässer“ gegründet. Rolfes studiert Sportmanagement an der Fernuni Koblenz, parallel qualifiziert er sich mit 24 ehemaligen Nationalspielern aus ganz Europa zum „Executive Master for International Players“.

Mit Hilfe der Uefa und diversen europäischen Universitäten werden Ex-Profis auf künftige Management-Aufgaben vorbereitet. Im nächsten Jahr schließt er beides ab. Vielleicht ist Rolfes bis dahin schon in die Praxis zu seinem Ex-Klub zurückgekehrt. Er hat einen Traum. Er will irgendwann wieder die alte prickelnde Tivoli-Atmosphäre erleben und seinen Töchtern sagen: „So war das schon früher, als der Papa noch in Aachen gespielt hat.“

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