Sidney Sam zieht Alemannia den Zahn

Von: Klaus Schmidt
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Alemannia Aachen - 1. FC Kaiserslautern
Die Stimmung bei Alemannia Aachen könnte besser sein: Torwart Thorsten Stuckmann drückt nach Spielende sein Handtuch ins Gesicht. Foto: dpa

Aachen. Solch ein Spiel war dann auch mal fällig im siebten Monat seit Eröffnung des neuen Tivoli. Chaos auf den Anfahrtswegen, Räumarbeiten rund ums Stadion und auf dem Platz, doch einer war immer noch nicht zufrieden mit dem Ergebnis des Gewaltakts, der nötig war, um die Partie zwischen Alemannia Aachen und dem 1. FC Kaiserslautern anpfeifen zu können.

Gerry Ehrmann, der polarisierende Torwarttrainer der Pfälzer, wollte noch den 16-Meter-Raum komplett freigeschaufelt haben fürs Aufwärmprogramm von Keeper Tobias Sippel. Da streikte das Personal mit dem Hinweis: Die Bühne ist freigegeben durch Schiedsrichter Lutz Wagner.

Ehrmanns Sorge war übertrieben: Mit einem 3:0 übernahm der FCK wieder die Tabellenführung, Alemannia bleibt im grauen Mittelmaß stecken. Die Erkenntnis von Trainer Michael Krüger nach der zweiten Niederlage in Folge gegen ein „Top-Team der Liga”: „Wenn unsere Defensive nicht absolut steht, wird es für uns sehr schwer, Spiele zu gewinnen. Weil uns vorne die Durchschlagskraft fehlt.”

Die große Überraschung gabs schon, als der Kopierer die Mannschaftsaufstellungen ausspuckte: Kapitän Cristian Fiel, obwohl fit, saß nur auf der Bank, Thorsten Burkhardt blieb in der Startelf. Erklärung von Alemannias Sport-Geschäftsführer Erik Meijer: „Wir haben uns für mehr Aggressivität entschieden.” Wir - das klang nicht gerade nach einer weiteren Krügerschen Bauch-Einzelentscheidung. Die Aggressivität auf den Boden zu bringen, war eine anspruchsvolle Aufgabe; nicht jeder Zweikampf klar zu definieren als gesunde Härte oder doch Resultat der äußeren Umstände.

Torraumszenen entsprangen entweder Distanzschüssen (Milchraum hier, Sam dort) oder Standards, Alemannia legte eine Ecken-Serie hin - und stand plötzlich hinten blank. Als dann auch noch Olajengbesi und Herzig über einen scharfen Querpass von Illicevic schlugen, traf Sam mit einem Flachschuss zum 0:1 (18.), Lauterns erstes Tor im Kalenderjahr. Mirko Casper: „Schon da waren wir nicht schnell genug hinten.”

Ein Nackenschlag, den Aachen nach kurzem Durchschütteln weggesteckt hatte: Spektakulär rettete Sippel mit dem Fuß gegen einen Kopfball von Adlung (27.), mit den Händen hatte der U21-Nationaltorhüter dann zwar mehr Mühe bei einem Freistoß von Kratz (34.), das Resultat war allerdings identisch - Ausgleich verhindert. Auch Gueye scheiterte kurz vor der Pause.

Insgesamt gelang es Alemannia nicht, ähnlichen Druck aufzubauen wie beim Rückrundenstart gegen Karlsruhe. Angriffe wurden nicht konsequent zu Ende gespielt, Ballverluste durch missverstandene Laufwege weckten beim FCK das Interesse an Kontern. Der Fuß von Stuckmann verhinderte gegen Sam, dass die Messe schon frühzeitig (52.) gelesen war zu Alemannias vierter Niederlage im neuen Heim.

Die Gastgeber bekamen keinen Punch hinter ihre Aktionen, mit jeder misslungenen Szene sank das Verständnis auf den Rängen. Die Uhr tickte für den Gegner, Jendrisek scheiterte an Stuckmann, der Ball kullerte Richtung Torlinie, Olajengbesi kratzte das 0:2 weg, nur eine Minute später vergab erneut Jendrisek gegen Aachens Keeper.

Längst war Lauterns Führung kein diskussionsfähiger Fakt mehr; der „Kampf auf Biegen und Brechen”, den Michael Krüger vorhergesagt hatte, fand nicht statt. Dem „Tiger” Alemannia war an diesem Abend das Gebiss eingefroren. Die letzten Zweifel beseitigte Sam, der einen Dreierpack schnürte (82. und 86., Foulelfmeter/Olajengbesi an Mandjeck).

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