Sicherheit pur an der Unglücksstelle

Von: Manfred Kutsch
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Alemannia-Geschäftsführer Frithjof Kraemer zeigt auf das Netz, das am Block der Gästefans unter einer Werbeplane für zusätzliche Sicherheit sorgt. Aber auch an der Brüstung, von der der St. Pauli-Fan stürzte, kam es zu Schutzmaßnahmen. Foto: Martin Ratajczak

Aachen. Das Spiel nach dem Schock. Während der Fan von St. Pauli nach seinem Sturz von der Brüstung des Gästeblocks im neuen Tivoli immer noch im künstlichen Koma um sein Leben ringt, passieren am Sonntag mittag rund 150 Anhänger des FSV Frankfurt zunächst den wenig freundlichen Betontunnel, durch den die gegnerischen Fans geschleust werden - und dann die rund sechs Meter hoch gelegene Unglücksstelle auf Tribüne N1.

„Ich habe beklemmende Gefühle, fühle mich aber nicht unsicher”, sagt die vom Main angereiste Corinna Köhler (41) und inspiziert etwas ungläubig den Ort des Geschehens. „Wir sind ja nicht nach Aachen gekommen, um hier rumzuturnen und runterzufallen”, schüttelt FSV-Fan Stephan Otto (45) den Kopf. Und dessen Begleiter Josef Singer (56) hat „überhaupt kein Problem”. Im Gegenteil: „Wir genießen dieses wirklich tolle Stadion.”

Derweil wird schnell klar, dass Alemannia Aachen mit drei Maßnahmen die Unglücksstelle entschärft hat: Eine etwa fünf Meter breite und 50 Zentimeter hohe Blechplatte wurde über die Brüstung hinaus hochgezogen. Ein Überklettern erscheint kaum noch möglich. Zudem wird der Aufenthalt dort jetzt generell verboten - mit Markierungen auf dem Boden „Fluchtweg freihalten”.

Dem nicht genug: Unterhalb der Brüstung wurde ein Sicherheitsnetz gespannt, um auch noch dem Restrisiko vorzubeugen, dass Waghalsige trotz allem den Versuch des Hochsteigens starten. Dieselben Maßnahmen wurden im übrigen auch an den Brüstungen über den beiden Mundlöcher-Einfahrten (Feuerwehrzufahrten) im Nord-Westen und Süd-Westen den Bereichen der Alemannia-Fans umgesetzt.

„Wir haben lange mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB), der Deutschen Fußball Liga (DFL), der Feuerwehr und der Bauaufsicht beraten, um es so unwahrscheinlich wie möglich zu machen, dass noch einmal etwas Vergleichbares passiert”, sagt Alemannia-Geschäftsführer Frithjof Kraemer vor dem Anpfiff. „Vor allem wollten wir eine Käfighaltung der Fans wie in Gelsenkirchen vermeiden.”

Schließlich wolle man am Tivoli die Gäste „unvoreingenommen” willkommen heißen und den Tivoli „bei hohen Sicherheitsstandarts so barriere- und zaunfrei wie möglich halten”.

So nimmt das Spiel am Sonntag ab 13.30 Uhr seinen Lauf. Zu frenetischer Begeisterung, die zu Kletterübungen Anlass geben könnte, gibt es in beiden Fan-Lagern freilich kaum Anlass. Doch nach dem Schlusspfiff - als es beim Pauli-Spiel zum Unfall kam - beziehen zusätzlich sechs Ordner Position an der Unglücksbrüstung und sichern sie ab.

Einer von ihnen ist Ralf Fuchs (42). Der hat die Diskussionen über das Ordnerverhalten beim Zwischenfall als „nicht gerecht” empfunden: „Im Internet war doch deutlich zu sehen, wie ein Kollege ständig darauf hingewiesen hat, von der Brüstung runter zu gehen.”
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