Selten wurde ein Unentschieden so bejubelt

Von: Klaus Schmidt
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Gleich ist er drin: Bas Sibum
Gleich ist er drin: Bas Sibum grätscht den Ball zum 2:2-Endstand über die Linie. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Mit drei schönen Vorlagen war Alemannia Aachen zu diesem Spieltag angetreten. Ingolstadt 0:1, Karlsruhe 0:2, Rostock 0:3 - die Mitbewerber im Kampf um den Klassenerhalt hatten einträchtig gepatzt, eine wunderbare Gelegenheit für die Schwarz-Gelben, im ersten von zwei aufeinanderfolgenden Heimspielen einen kleinen Puffer zum Rotlichtbezirk der Liga zu installieren.

Der Plan misslang, gegen 1860 München reichte es nur zu einem 2:2. Doch selten wurde die Mannschaft nach einem Unentschieden auf dem Tivoli für ihre Leistung so gefeiert wie am 2. Advent 2011. „Ein richtig packendes Zweitligaspiel”, auch Cheftrainer Friedhelm Funkel wirkte alles andere als unzufrieden.

Zwei Mal lagen die Gastgeber hinten, zwei Mal kamen sie zurück in einer Partie, von der man nicht glauben mochte, dass hier lediglich der Viertletzte den Tabellen-Achten herausforderte. „Das war sicher eins der besten Spiele der Hinrunde”, sagte Timo Achenbach. Hohe Intensität, viel Leidenschaft und reichlich Spannung würzten den frühen Sonntagnachmittag, an dem die „Löwen” den besseren Start erwischten. Nach rund 20 Minuten hätte es schon 2:0 für die Gäste stehen können, der erst 19-jährige Torjäger Vol-land und Buck sorgten für Schnappatmung auf den Rängen. Alemannia meldete sich mit einem Kopfball von Auer an den Innenpfosten (23.) an, gewann die Hoheit im Offensivspiel. Und kassierte einen Nackenschlag: Buck köpfte auf Freistoß-Vorlage von Bierofka ein (41.).

Zur Beruhigung der Nerven leistete wieder mal Sergiu Radu keine zwei Minuten später einen spektakulären Beitrag. Eine Flanke von Falkenberg veredelte der Rumäne mit einem Fallrückzieher ins lange Eck. Nach Auers Hackentor letzten Monat in Frankfurt gab wieder ein Aachener Stürmer eine Bewerbung für das Tor des Monats ab, auch wenn Radu später betonte: „Ich habe schon viele besondere Tore gemacht.” Allerdings: „Ich habe jetzt zum ersten Mal in meiner Karriere” - mit 34 Jahren - „in vier Spielen hintereinander getroffen.”

Alemannia machte auch nach der Pause nicht den Eindruck eines höchst gefährdeten Teams. „Dass München doppelt so viele Punkte geholt hat wie wir, das hat man heute nicht gesehen”, durfte Friedhelm Funkel feststellen. Seine Mannschaft ließ die „Löwen” nicht mehr an ihr spielerisches Niveau der ersten Halbzeit herankommen und kreierte über Sibum, Falkenberg, Radu den rasantesten Spielzug. Der einen Nachteil hatte: Auer verpasste die Krönung (68.), und das war insgesamt Aachens größtes Manko: „Wir hätten unsere Chancen besser nutzen können”, sagte Tobias Feisthammel.

Es kam dann wie so oft: Plötzlich lag der Gegner wieder vorne, der eingewechselte Aigner nutzte die Unsortiertheit in Alemannias zentraler Defensive (77.). Aachen rieb sich in Diskussionen mit Frank Willenborg auf, der nahezu jeden Zweikampf zugunsten der „Sechziger” wertete - und konnte letztlich dem Schiedsrichter doch dankbar sein. „Ein irreguläres Tor”, schimpfte Münchens Trainer Reiner Maurer über das 2:2 (82.). Der Ellbogen-Einsatz von Auer gegen Aygün entsprach nicht den Regeln, zweifelhaft war das Finale der Offensiv-Aktion selbst für den Schützen. „Das Tor war nicht so schön - abseits”, stellte Bas Sibum nach seinem ersten Zweitliga-Treffer fest.

Es war der Schluss-Akkord eines Spiels mit bester Unterhaltung, weil erneut Auer die Chance zum Sieg per Kopf vergab. „Mit dem Punkt können wir zufrieden sein”, sagte Timo Achenbach. Auch wenn es nicht ganz zum großen Befreiungsschlag reichte.
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