Scherr verlässt den Tivoli

Von: Christoph Pauli
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Das Kapitel Alemannia Aachen ist beendet: Uwe Scherr wirft das Handtuch. Foto: imago/Sportnah

Aachen. Die Pläne von Uwe Scherr haben sich geändert. Vor drei Wochen wollte er noch bei Alemannia seinen Vertrag verlängern, am Donnerstagabend teilte Aachens Manager seinen Abschied zum 30. Juni nach einer Saison in einer knappen Erklärung auf der Homepage mit.

Die Insolvenz sei damals noch kein Grund gewesen, den Verein vorzeitig zu verlassen, auch wenn ihm beim Einstellungsgespräch vermutlich ganz andere Perspektiven ausgemalt wurden, erinnerte er. „Nach der Entwicklung der jüngsten Zeit bin ich allerdings zu der Erkenntnis gelangt, dass ich für den weiteren Weg nicht zur Verfügung stehe. Nur so kann Alemannia wieder bei Null beginnen.“ Bereits vor Tagen habe er die Klubsanierer, denen er ausdrücklich für die Unterstützung dankte, in seine Überlegungen eingeweiht. Für weitere Auskünfte stand der 46-Jährige am Donnerstag nicht zur Verfügung.

Insolvenzverwalter Rolf-Dieter Mönning und Geschäftsführer Michael Mönig würdigten in einer knappen Erklärung Scherrs „hervorragende Arbeit“ in Krisenzeiten. „Leider konnten auch wir Uwe Scherr nicht davon überzeugen, bei der Alemannia weiter zu machen.“

In den letzten Wochen hatte es von zahlreichen ehemaligen Weggefährten Kritik am Führungsstil des 46-Jährigen gegeben. Ex-Trainer René van Eck fühlte sich eher brüskiert von einem Gehaltsangebot für eine Vertragsverlängerung. Er sprach von einem Scheinangebot. „Es gehört zu unserer Branche, dass man sich trennt. Aber es muss sauber sein.“ Ganz anders als von Scherr öffentlich geschildert, habe er das finale Gespräch zwischen den beiden registriert. Als „Frechheit“ geißelte er öffentlich dessen Schilderung.

Vollends zur Posse geriet die folgende Trainerfindung. Ohne Not hatte Uwe Scherr eine „interne Lösung“ ausgeschlossen. Denn weder zu seinem U-19-Coach Reiner Plaßhenrich noch zum Nachwuchstrainer Peter Schubert, den er selbst eingestellt hatte, sei ein Vertrauensverhältnis entstanden. Ein paar Tage weiter und mindestens eine Absage später, änderte sich die Einschätzung. Scherr machte sie nach einer ausführlichen Aussprache zu den neuen Sportlichen Leitern.

Auch intern war Scherrs Umgang längst nicht unumstritten. Indes: Es war niemand da, der den Kader für die Regionalliga-Saison basteln konnte. Deswegen hatten sich die Sanierer bereits auf eine Verlängerung des auslaufenden Vertrags verständigt. Der Wirtschaftsbeirat, der resigniert die Arbeit vor ein paar Wochen einstellte, hatte noch eine andere Idee für ein Organigramm in der Regionalliga. Sie bevorzugten einen guten kaufmännischen Leiter und einen Trainer, der Management-Aufgaben mit übernimmt. So könnte es nun kommen.

Die sportlichen Aufgaben werden nun verteilt auf Plaßhenrich und Schubert sowie auf Susanne Czennia, die seit vielen Jahren Assistentin der Sportlichen Leitung ist. Scherr kündigte an, „bis zum letzten Arbeitstag“ weiter an Alemannias Zukunft zu basteln.

Schubert erfuhr am Donnerstag per SMS im Kurzurlaub von der neuen Entwicklung. Der neue Chefcoach blieb kämpferisch. „Wir werden sukzessive den Kaderaufbau vorantreiben. Es gibt viele Gespräche, vieles ist vorbereitet.“ Dem insolventen Klub, der im Juni kaum über Einnahmen verfügt, läuft die Zeit davon. In acht Tagen startet die Vorbereitung, bisher haben erst acht Spieler zugesagt.

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