Rüter eiskalt an einem frostigen Abend

Von: Klaus Schmidt
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Hinein ins Vergnügen: Florian Rüter (3. von rechts) trifft zum 2:0. Foto: Wolfgang Birkenstock

Aachen. Der Sport1-Kommentator Jörg Dahlmann saß nun nicht auf dem vorgesehenen Platz der Tivoli-Tribüne, er sah in der warmen Sendezentrale in München die Bilder und erzählte etwas dazu. Am Ende dieses Live-Spiels hatte Alemannia Aachen die Wettquoten bestätigt, das Team von Fuat Kilic schlug den Tabellenvorletzten der Regionalliga West, die Sportfreunde Siegen, mit 4:0 (2:0) und sprang auf Platz vier in der Tabelle.

Die Entscheidung, ob wieder mit Dreierkette gespielt oder zur Viererkette zurückgekehrt wird, hatte Kilic schon tags zuvor getroffen: „Man muss dem Gegner ja nicht alles im Vorfeld verraten.“ Und so liefen die Schwarz-Gelben mit einem Quartett im Abwehrriegel auf. An diesem frostigen Dienstagabend fehlten neben den gesperrten Jerome Propheter und Dominik Ernst auch Necirwan Khalil Mohammad und Philipp Gödde aus der letzten Startelf beim Pokal-0:1 gegen Fortuna Köln. Neu ins Team rückten Tobias Mohr, David Pütz, Mergim Fejzullahu und Daniel Hammel.

Schwächstes Auswärtsteam

Siegen, das schwächste Auswärtsteam der Liga, hatte die zweiwöchige Spielpause vor allem dazu genutzt, um im körperlichen Bereich nachzuarbeiten. Präsenz zeigten die Gäste gleich in der 3. Minute, Jakobs zog einen Freistoß von links knapp am langen Pfosten vorbei. Alemannia meldete sich fünf Minuten später mit einem Distanzschuss von Kühnel an, der Ball ging über die Latte.

Aachen bemühte sich um kontrollierten Spielaufbau und wartete auf Gelegenheiten zu schnellen Pässen in die Tiefe. Das sollte sich in der 12. Minute auszahlen, wenn auch mit freundlicher Unterstützung des Sportfreunds Dudda, der den Ball verdaddelte. Florian Rüter nahm dankend an, lief noch ein paar Meter und zog von der Strafraumgrenze flach zum 1:0 ab.

Führung und optische Überlegenheit gingen einher mit unpräzisen Aktionen. Jannik Löhden setzte einen fast fatalen Rückpass an, Philip Sprint musste hinterherspurten, um den Ball auf den letzten Drücker noch zur Ecke zu schlagen (20.).

Aber Alemannia zeigte auch eine gnadenlose Effektivität. Mohr flankte, Rüter hieß der Adressat, er drehte sich und zog trocken aus zehn Metern zum 2:0 ab (29.), seinem vierten Saisontor. Vergeblich reklamierten die Gäste ein Handspiel bei der Ballannahme. Diese Kaltschnäuzigkeit machte den Unterschied zu einem Abstiegskandidaten, der keinesfalls so auftrat. Da fiel es auch kaum ins Gewicht, dass Zentrumsstürmer Hammel erneut eine Chance, sich zu beweisen, ungenutzt verstreichen ließ.

Zur Halbzeit hatte sich Hammel rausgespielt, bevor er festzufrieren drohte kam Gödde, ebenso das Langzeit-Sorgenkind Joy-Lance Mickels für den angeschlagenen Tobias Haitz (Pütz rückte in die Viererkette). In der 49. Minute musste Sprint zum ersten Mal bei einem Schuss von Nebi die Hände ausfahren, der Ball hätte zum Anschlusstreffer gepasst.

Dem von Fuat Kilic erteilten Tagesauftrag, Chancen zu kreieren, kam Alemannia nur mit der Sparpackung entgegen. Ein Beitrag mit den Höhepunkten dieser Partie wäre im Schnelldurchgang entstanden, der Distanzschuss von Mickels nach gut einer Stunde hätte mangels Alternativen wohl dazugehört. Die nur 4100 Zuschauer (Minusrekord bei einem Meisterschaftsspiel am neuen Tivoli) waren dankbar für diese Einlage, und man hatte nicht den Eindruck, dass hier noch etwas Großartiges passieren könnte.

Siegen bereitete Alemannias Defensive kaum noch Kopfzerbrechen, die Gastgeber sprangen nur so hoch wie sie mussten, um den fünften Heimsieg der Saison einzufahren.

In der 82. Minute sollte Aachen dann doch noch einen draufsetzen, und wieder war Rüter beteiligt. Siegens Bauman ließ das Bein stehen gegen den zweifachen Torschützen, Schiedsrichter Mitja Stegemann zeigte auf den Punkt, und Alemannia-Kapitän Timo Staffeldt verwandelte den Elfmeter zum 3:0.

„Wir haben das heute clever ausgespielt bei diesen Bedingungen und auf diesem Platz“, war Florian Rüter zufrieden. „Zwei Tore geschossen und einen Elfmeter herausgeholt – da kann man nicht viel meckern“, grinste der Mann des Abend. Den Schlusspunkt beim Kältegipfel gelang Jannik Löden. Der Innenverteidiger köpfte eine Flanke von Meik Kühnel zum 4:0 ein (88.). Aachen – gnadenlos effektiv.

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