Ralf Aussem soll das Wunder bewirken

Von: Christoph Pauli
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Stand schon einmal an der Seit
Stand schon einmal an der Seitenlinie: Ralf Aussem (links) coachte das Team gegen Fürth bereits für eine Begegnung, jetzt überträgt ihm Sportdirektor Erik Meijer erneut die Verantwortung. Foto: Martin Ratajczak

Aachen. Der Sonntag war für Alemannias Spieler ein freier Tag. Trainer Friedhelm Funkel verfügte die Auszeit, „damit die Jungens einmal abschalten können”. Für ihn selbst wurde der Sonntag zum letzten Diensttag, der Verein verfügte nicht mehr überraschend, dass er von seinen Aufgaben „befreit” wird.

Alemannia zieht nach fünf Niederlagen in Folge die Notbremse, will noch zum Stehen kommen, bevor die 3. Liga erreicht ist. Funkel hat diese Mannschaft, die als ziemlich zerstritten gilt, nicht mehr in Wallung versetzt. Bis auf wenige Ausnahmen nahm die Mannschaft die Pleitenserie wie zuletzt gegen Dresden grotesk emotionslos hin.

„Wir mussten etwas unternehmen und alle Möglichkeiten ausschöpfen. Die Tendenz der letzten Spiele war einfach zu negativ”, sagt Sportdirektor Erik Meijer.

Der erfahrenste Trainer der Liga wird nun ersetzt von einem Kollegen aus der 5. Liga. Ralf Aussem, erfolgreicher Trainer der Amateure, wird in den letzten sechs bis acht Spielen etwas versuchen, was mit Wunder ziemlich gut beschrieben ist. Funkels Abfindung ist im bis 2013 laufenden Vertrag fixiert, der allerdings nur für die 2. Liga gilt.

Aussem drängte sich nicht nach dem Job, statt um den Aufstieg kämpft er nun gegen den Abstieg. Er ist der einzige Trainer im Klub mit dem notwendigen „Führerschein”. „Ich bin Angestellter des Vereins”, reagierte er loyal auf das Angebot. Nebenbei könnte er die Früchte seiner Arbeit sichern: Die Amateure dürfen nur aufsteigen, wenn die Profis die Klasse halten.

Bilanz eines Absteigers

Schon einmal war der 51-Jährige am 8. Spieltag als Interims-Lösung eingesprungen, erreichte immerhin ein 0:0 gegen Greuther Fürth. Danach übernahm Funkel im September. Das Team hatte nach acht Spieltagen desolate 1:8 Tore erzielt und mickrige vier Punkte eingesammelt. 20 Spieltage später hat das Team desolate 22:38 Tore erzielt und mickrige 21 Punkte eingesammelt. Es ist unverändert die Bilanz eines Absteigers. Am Tabellenplatz 17 hat sich nichts verändert.

Das finanzielle Abenteuer hat Alemannia nicht weitergeholfen. „Mein Eindruck ist, dass einige Leute im und um den Verein das Thema Klassenerhalt schon abgehakt haben. Diese Stimmung müssen wir schnellstens verändern. Wir sind mittendrin in den wichtigsten Wochen des Jahres. Die Mannschaft muss kapieren, dass sie eine grottenschlechte Saison noch retten kann”, meint Aussem.

Zwei Tage lang hatte der Aufsichtsrat zuvor nach Lösungen für eine Situation gesucht, die zunehmend aussichtsloser wird. Der Etat gibt dafür nichts mehr her. Schon am Abend nach dem Spiel war die Männerrunde noch am Unglücksort zusammengekommen.

Die Mannschaft trabte am Samstagmorgen mit ihrem nun ebenfalls freigestellten Co-Trainer Christoph John durch das Aachener Paulinenwäldchen. Cheftrainer Friedhelm plante unterdessen die kommende Woche. „Aus meiner Sicht würde der Mannschaft ein weiterer Trainerwechsel nicht helfen.” Der Verein entschied anders - auch nach einem Gespräch mit dem Mannschaftsrat. „Wir hatten nicht den Eindruck, dass der Funke noch einmal überspringen kann”, meinte Vereinsboss Meino Heyen. Der Verein nutzt seine letzte Patrone.

Am Sonntagmittag informierte ihn Erik Meijer telefonisch, als der Boulevard die Nachricht bereits voreilig verkündet hatte. Als nicht ganz „stilvoll” empfand er das Vorgehen. „Ich kenne es anders, dass man sich zum direkten Gespräch trifft.” Vorzuwerfen habe er sich nichts. Eines vielleicht: „Ich war so elektrisiert von dem Angebot Aachens, dass ich mir den Kader nicht richtig angeguckt habe.” Der sei etwas „unglücklich” zusammengestellt. „Es gibt zum Beispiel nur zwei Stürmer.”

Funkel kommt heute noch einmal nach Aachen, um sich von einer Mannschaft, die er als „pflegeleicht” beschreibt, zu verabschieden. Dann steht eine Pause an, die im Sommer - Relegation mit Bochum - ausfiel .

Nicht nur der neue Trainer wird heute in der Kabine sein, auch der Vorstand bereitet ein paar Worte für die Mutlos-Kicker vor. „Wir werden ihnen unmissverständlich klar machen, dass sie jetzt gefragt sind”, kündigt Heyen an.

Die Spieler wirken seit Wochen überfordert, als ob man sie in ein Hauptseminar für Astrophysik gesteckt hätte. Als Hyballa im September vom Hof geschickt wurde, hinterließ er der Mannschaft: „Lasst Euch nicht hängen, jetzt seid ihr dran!” Ein halbes Jahr später ist die Empfehlung noch dringender geworden.
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