Rafael Garcia: Alemanne mit dem strammsten Programm

Von: Klaus Schmidt
Letzte Aktualisierung:
6673906.jpg
Einer, der mit Ball am Fuß noch Tempo aufnimmt: Rafael Garcia, Alemannias leichtfüßiger „Zehner“ mit der Nummer 16. Foto: sport/Revierfoto

Aachen. Zuletzt hat auch Rafael Garcia seine Torflaute beendet. Was war das für ein Auftakt: 3:1 bei Fortuna Köln, der junge Mann stand in der ersten Elf, er schoss das erste Saisontor in der Regionalliga West und bereitete das zweite vor.

Knapp vier Monate vergingen, bis der 20-Jährige wieder aktenkundig wurde, beim 2:1 gegen Velbert. „Rafa“, sagt Alemannia Aachens Cheftrainer Peter Schubert, „hat eine gute Entwicklung genommen. Bis auf wenige Ausnahmen hat er immer eine gewisse Qualität angeboten, auch wenn er eingewechselt wurde.“ Leichtfüßig, schnell auch mit dem Ball am Fuß, technisch versiert: Garcia bringt „ein gutes Paket“ mit. Jetzt geht es um konstante Leistungen.

Anfang des Jahres, beim „Retterspiel“ gegen den FC Bayern, gehörte Garcia plötzlich zur Ersten Mannschaft. Er debütierte beim 0:4 in der Dritten Liga gegen Karlsruhe und bekam im Sommer einen Vertrag für die Regionalliga. Ein Jahr, nachdem er von Germania Dürwiß zurück an den Tivoli in die „Zweite“ gewechselt war, zum damaligen U 23-Trainer Schubert. „Da hat er noch sehr unreif Fußball gespielt“, sagt der Coach. Aber „Rafa“ hörte nicht nur zu, er nutzte die Kritik auch gewinnbringend. Mit dem „schnellen Sprung nach oben hatte ich nicht gerechnet, das war eigentlich gar kein Thema“. Die Umstände beim Pleite-Klub zogen ihn unversehens auf die Lichtung. „Ich fühle mich der Klasse gewachsen“, sagt der gebürtige Aachener mit spanischem Pass, in dem auch der Geburtsname seiner Mutter steht, Doblas. Die Eltern, beide aus Cordoba stammend, hatten sich erst in der Kaiserstadt kennengelernt. Garcia ist das jüngste von vier Kindern, er hat zwei Schwestern und einen Bruder, Manuel, der als A-Junior mit Torsten Frings im Alemannia-Trikot spielte.

Eines hat Garcia verinnerlicht: „Es gibt einige Mannschaften auf fußballerisch hohem Niveau. Aber es ist auch viel Härte und Aggressivität dabei.“ Diesen Kampf nicht anzunehmen, würde bedeuten, „dass wir kein Spiel mehr gewinnen werden“.

Rafael Garcia sorgt für die belebenden Momente. Für die Tiefpunkte beim 0:5 in Mönchengladbach und 0:3 in Siegen hat er zufälligerweise wasserdichte Alibis – verletzt stand er jeweils nicht im Kader. Als „Zehner“ fühlt er sich am wohlsten und empfindet mindestens genau so viel Glück wie bei einem eigenen Treffer, wenn er auflegen kann. Er mag Raúl und Iniesta, das schnelle Spiel nach vorne. „Und ich rege mich selbst über einen einfachen Pass, der nicht ankommt, über eigene Fehler so auf, dass der Trainer manchmal gar nichts mehr sagen muss.“ Garcia ist ohne Zweifel der Alemanne mit dem strammsten Tagesprogramm, was zwischenzeitliche Schwächephasen erklärt. Er macht eine Ausbildung zum Mechatroniker, bereitet sich auf die schriftliche Abschlussprüfung nächste Woche vor. Die Tage dauern von 5 Uhr früh bis 18, 19 Uhr, wenn Vormittags-Einheiten angesetzt sind, trainiert Garcia nach der Arbeit bei der „Zweiten“. Im Januar soll die Doppelbelastung nach dreieinhalb Jahren Geschichte sein. „Ab Februar will ich mich auf Fußball konzentrieren. Das ist eigentlich ein Hobby – aber ich habe gelernt, was es heißt zu arbeiten.“

Sein Defensivverhalten und sein Kopfballspiel könnten besser werden, der linke Fuß noch stärker und der Körper. Zusätzliche Einheiten im Kraftraum sind feste Absicht und kurzfristig ein Sieg am Samstag (14.00 Uhr) im Lohrheide-Stadion bei Aufsteiger Wattenscheid 09. „Das ist ein Sechs-Punkte-Spiel. Wenn wir das gewinnen, können wir mit breiter Brust in die Partie gegen Schalke gehen“, keine Laufkundschaft wie auch der letzte Gegner des Jahres in zwei Wochen, Fortuna Köln. „Wir wollen jetzt gut von unten wegkommen. Wir können sicher einen Platz im Mittelfeld erreichen.“

Die Dinge, die das Leben für ihn als Fußballer noch vorgesehen hat, lässt Rafael Garcia auf sich zukommen. „Natürlich will jeder in der Bundesliga spielen. Aber da muss man realistisch sein...“

Mögliche Aufstellung: Löhe - Schumacher, Ajani, Opper, Stevens - Marquet, Neppe, Lejan, Strujic - Garcia, Krasniqi

Schiedsrichter: Philipp Hüwe (Coesfeld) 

Bilanz: 42 Spiele - 14 Siege, 7 Remis, 21 Niederlagen (57:77 Tore)

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert