Aachen - Pokalderby: Feiernde Verlierer, arrogante Sieger

Pokalderby: Feiernde Verlierer, arrogante Sieger

Von: Klaus Schmidt
Letzte Aktualisierung:
Alemannias Sascha Herröder (l
In Runde 2 des FVM-Pokals muss Fußball-Drittligist Alemannia Aachen bei Regionalliga-Spitzenreiter Viktoria Köln antreten. Alemannias Sascha Herröder (links) hat hier im Erstrundenspiel gegen Eilendorfs Angreifer Igor Trogrlic die Lufthoheit im eigenen Strafraum.

Aachen. Keine 14 Minuten waren gespielt, da schickte Igor Trogrlic den Kameraden Andi Simons auf die Reise. Marc Kosalla, der Kapitän, beobachtete das aus seiner Verteidigerposition heraus, „ich war fest davon ausgegangen, dass er den macht”.

So, wie Simons das normalerweise immer macht, wenn er in der Fußball-Landesliga für den SV Eilendorf unterwegs ist. Das hier aber war Mittelrhein-Pokal, 1. Runde, Gegner Alemannia Aachen, Simons lief auf die Stehplatztribüne des Tivoli zu und hatte als letzte Instanz den Torwart-Routinier Michael Melka vor sich - und vergab.

Eine Viertelstunde später, nach einem Konter, bot sich dem Eilendorfer Offensivmann wieder freie Sicht, er schoss am Tor vorbei. „Wir werden es nie erfahren”, dennoch wäre auch Kosalla gespannt gewesen, wie sich dieses Spiel entwickelt hätte bei Führung des Außenseiters.

Keine Vorwürfe an Simons, den sie in der Halbzeitpause noch aufzogen, stattdessen ein lächelnder, „total glücklicher” SVE-Trainer Achim Rodtheut, „klasse, wie wir uns verkauft haben”, und ein Sieger-Coach René van Eck, der seine Mannschaft nach dem am Ende standesgemäßen 5:0 mit aller Berechtigung in den Senkel stellte.

Was die Profis vor allem in der ersten Halbzeit ihres „Auswärtsspiels zu Hause” den knapp 4000 Zuschauern anboten, war mindestens peinlich und eine Frechheit: luschig im gesamten Auftreten, ungezählte Fehlpässe, groteske Stolpereien, kaum ein konsequent zu Ende gespielter Angriff. Wer hinterher Oguzhan Kefkir reden hörte („Wir wussten, dass unsere Tore kommen, wenn wir geduldig weiterspielen”), der musste glauben, genau dies sei der Plan gewesen. War es aber nicht, und das gab van Eck in der Pause deutlich zu verstehen.

„Ich habe gesagt, ich sehe keinen Unterschied, dass wir drei Ligen höher spielen. Wir hatten ein paar Spieler in der Mannschaft, die unheimlich arrogant aufgetreten sind. Und die habe ich zusammengestaucht.” Kai Schwertfeger und Timo Brauer gehörten ausdrücklich nicht dazu, wohl aber Kristoffer Andersen, den der Trainer schon nach 35 Minuten demonstrativ und stellvertretend für ein halbes Dutzend anderer vom Feld geholt hatte.

Marcel Heller, nach seinen jüngsten Liga-Vorträgen zunächst auf der Bank, kehrte schneller ins Team zurück als gedacht. Das Thema „Einstellung” war das beherrschende vor dem Spiel, René van Eck hatte die Ernsthaftigkeit wie angekündigt mit der vermeintlich besten Startelf (Thomas Stehle fiel nach einem Schlag im Training aufs Knie aus) untermauert. „Aber da kannst du als Trainer reden - umsetzen müssen es die Spieler.”

Der SV Eilendorf holte sich dagegen mit Leidenschaft und Herz den „Riesenspaß” (Kosalla), den er haben wollte. Erst kurz vor dem Halbzeitpfiff war Keeper Daniel Johnen durch einen Brauer-Flachschuss, der vom Innenpfosten über die Linie sprang, erstmals geschlagen. Bis zur 64. Minute, als Denis Pozder den Ball ins Tor stocherte, hielten die Amateure den knappen Rückstand.

„Ein 0:2 oder 0:3 hätte es auch getan”, das war das Einzige, was Kapitän Kosalla ein bisschen bedauerte. „Doch man muss realistisch sagen: Es war klar, dass am Ende die Kraft nicht reicht”, sagte Trainer Achim Rodtheut. Freddy Borg (81. im Nachschuss nach einem Latten-Kopfball) empfahl sich bei Alemannia ebenso wie als Vorlagengeber zum 0:4 durch Heller (85.), Kefkir (87.) machte mit einem Sonntagsschuss am Samstag den letzten Eintrag in den Spielbericht.

Feiernde Verlierer - mit „Humba” auf dem Tivoli, später an der Halfenstraße und in der Stadt. „Über dieses Spiel werden wir noch lange reden”, Achim Rodtheut lächelte immer noch. Auch René van Eck wird diese Begegnung weiter besprechen. Aus anderen Gründen.
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