Aachen/Larnaka - Plaßhenrich: „Sonst könnte ich ja das Buch zuklappen”

Plaßhenrich: „Sonst könnte ich ja das Buch zuklappen”

Von: Klaus Schmidt
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Schmerz, lass´ nach: Reiner Plaßhenrich (stehend) und Thomas Stehle sind in ihrem Leid vereint. Foto: imago/Schüler

Aachen/Larnaka. Das Empfangskomitee war genau ein Mann stark. Als der Tross von Alemannia Aachen am Donnerstagabend im Hotel auf Zypern eincheckte, stand Reiner Plaßhenrich zur Begrüßung bereit. „Ich wollte einfach ein paar Tage bei der Mannschaft sein”, sagt der Kapitän, den es wieder mal übel erwischt hat.

Die Kollegen bereiten sich in Larnaka auf die Rückrunde vor und „Heini” auf den nächsten Eingriff an seinem vermaledeiten linken Knie, kommenden Freitag bei Dr. Peter Schäferhoff in Köln. Es ist die unendliche Geschichte eines Kämpfers, der den Begriff Sportinvalidität in Zusammenhang mit seinem Namen als verleumderisch empfindet. „Sonst könnte ich ja das Buch zuklappen. Wäre ich dann wohl nach Zypern geflogen?” Den Trip hat er selbst organisiert, auf eigene Kosten, „ich will dem Verein nicht auf der Tasche liegen”.

Das Schicksal meint es zu Beginn des Jahres ausgesprochen schlecht mit Alemannia, denn auch Thomas Stehle trägt eine Krankenakte mit der Aufschrift „linkes Knie” unter dem Arm. Eine „Sch...situation” sei das, die Diktion ist die gleiche wie die von Plaßhenrich, auch deshalb, weil beide zentralen Defensivspieler um neue Verträge kämpfen. „Da macht man sich schon Gedanken”, sagt Stehle.

Reiner Plaßhenrich musste nach seiner Meniskus-Operation im Dezember die Reha abbrechen. Der Schmerz war wieder da, nun lässt sich ein weiterer großer Eingriff nicht mehr vermeiden. Schon vor zwei Jahren musste sich der Kapitän einer Knorpel-Transplantation unterziehen, jetzt wurde - an anderer Stelle - erneut ein Knorpelschaden festgestellt.

Der Verein hat seinen Ausfall für die Rückrunde gemeldet; 2007 stand Plaßhenrich mit der gleichen Geschichte ein Jahr lang nicht zur Verfügung, und auch diesmal richtet er sich eher auf Oktober, November oder sogar die nächste Winterpause ein. Und gebetsmühlenartig wiederholt der 32-Jährige: „Ich mache mir keine Sorgen darum, es ein zweites Mal zu schaffen.” Nach einem Knorpelschaden zurückzukehren, war schon eine Premiere im Profifußball; sich erneut zurückzumelden, wäre einen Eintrag im Buch der medizinischen Sensationen wert.

Thomas Stehle, der ebenfalls in der fünften Saison für Alemannia Kopf und Knie hinhält, war zuletzt in der Innenverteidigung der kongeniale Partner von Seyi Olajengbesi. „Das lief richtig gut”, doch der 28-Jährige spielte durchweg mit schmerzstillenden Spritzen. „Beschwerdefrei war ich nie.” Nun soll heute Vormittag Artrhoskopie, ebenfalls bei Dr. Schäferhoff, Aufschluss geben über die Schwere des Schadens; ob eine konservative Behandlung ausreicht oder auch in diesem Fall ein größerer Eingriff notwendig ist. „Ich habe die Hoffnung, in der Rückrunde noch mal zu spielen”, das klingt optimistischer als die Verlautbarung des Klubs.

Bei Andreas Bornemann glühen „so oder so die Drähte in alle Richtungen”, der längerfristige Ausfall zweier Leistungsträger auf entscheidenden Positionen hat nicht zu hektischer Betriebsamkeit auf dem Transfermarkt geführt. „Die Situation, mit einem nicht allzu großen Kader arbeiten zu müssen, ist ja nicht ganz neu”, sagt der Sportdirektor und verweist auf Alternativen aus den eigenen Reihen: „Jerome Polenz und Mirko Casper kehren zurück.”

In den Trainingseinheiten und Spielen auf Zypern wolle man sich außerdem einen Eindruck verschaffen über die Tauglichkeit von Hervé Oussalé und Soumaila Tassembedo. Für weitere mögliche Optionen gilt, was immer gilt in der Winterpause: „Was bekommt man jetzt mit den zur Verfügung stehenden finanziellen Mitteln, was sofort weiterhilft?”

Von der Idee, Reiner Plaßhenrich und Thomas Stehle schon jetzt mit einer Vertragszusage über den Sommer hinaus einen moralischen Krückstock an die Hand zu geben, hält Bornemann wenig. „Sicher haben beide über Jahre hinweg ihre Verdienste um den Verein. Aber das ist erst mal kein Thema, da besteht kein Handlungsbedarf. Wir werden den Verlauf der Eingriffe und die Prognosen der Ärzte abwarten. Und in der Reha bekommen Reiner und Thomas alle Unterstützung.”
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