Peter Schubert: „Mich interessiert nur die jetzige Saison“

Von: Klaus Schmidt und Christoph Pauli
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Gibt am Tivoli sportlich die Richtung für Alemannia Aachen vor: Trainer Peter Schubert. Foto: Wolfgang Birkenstock

Aachen. Samstag beginnt ab 14 Uhr auch sportlich das Jahr für Fußball-Regionalligist Alemannia Aachen. Mit der Partie gegen Fortuna Köln könnte der Sport rund um den Tivoli – endlich – wieder einmal die Schlagzeilen bestimmen. Alemannias Trainer Peter Schubert spricht vor dem Anpfiff über den Etat, seine Spieler und einen Sieben-Jahres-Plan...

Wie fühlt sich der Trainer eines Vereins, der keine Schulden mehr hat?

Schubert: Ich hatte ja schon mal eine Insolvenz beim VfB Lübeck, und ich wusste, dass man aus einer Insolvenz nicht ganz schuldenfrei rausgeht. Aber ich bin fürs Sportliche und nicht fürs Wirtschaftliche zuständig. Das am Dienstag der Insolvenzplan so eindeutig abgesegnet wurde, wirkt befreiend.

Auf den Sport-Etat hat das Ende der Insolvenz aber keine Auswirkungen, oder gibt es Signale von Leuten, die sich finanziell engagieren wollen?

Schubert: Wir hatten versucht, uns etwas im Budget zurückzuhalten. Das wurde letztlich für andere Dinge benötigt. Trotzdem – es gibt Signale, und vielleicht geht der eine oder andere Spieler auch noch. Es gibt auch Interesse von Spielern zu uns zu kommen, und die Transferperiode endet erst am 31. Januar.

Welche Spieler sind das namentlich?

Schubert: Tobias Ahrens ist bekanntlich unzufrieden mit seiner Situation. Wenn er was findet, kann er gehen. Darüber hinaus gibt es immer mal wieder Anfragen, aber wir sind von der Kaderzusammensetzung her nicht unzufrieden und wollen das nicht zwingend ändern. Wir können uns sicher noch jemanden auf der einen oder anderen Position vorstellen, auf der wir nicht so ausgewogen besetzt sind.

Also ein Knipser soll her?

Schubert: Man kann das Toreschießen auch im Kollektiv auffangen. Wenn wir mehr Effizienz reinbekommen, dann haben wir vielleicht vier, fünf Spieler, die Tore machen können. Das ist oft für den Gegner unangenehmer, als wenn du nur einen Spieler hast, der Tore macht. Im Winter einen Knipser zu bekommen, ist eh schwierig.

Die Vorbereitung auf die Rückrunde war, gemessen an den Ergebnissen, nicht optimal.

Schubert: Ergebnisse sind nicht das entscheidende, sondern die Erkenntnisse, die man aus solchen Spielen gewinnt. Wir haben experimentiert, haben uns angeschaut, ob sich jemand auf Positionen, auf denen er bislang nicht gespielt hat, als Alternative anbietet. Wenn keiner von außerhalb kommt, müssen wir jemanden aus den eigenen Reihen finden.

In der Hinrunde war es oft so, dass die Mannschaft starke Schwankungen hatte – 20 Minuten souverän, 25 Minuten sehr wacklig. Ist das ein Phänomen, das bei jungen Mannschaften häufig vorkommt?

Schubert: Sicher nicht nur bei jungen Teams. Aber sie lassen sich schneller aus dem Konzept bringen als Teams, die erfahrene Spieler in ihren Reihen haben. Da ist „learning by doing“ angesagt. Je öfter das Team Gegenmaßnahmen findet, umso sicherer speichern die Spieler sie ab und haben sie beim nächsten Mal zur Verfügung. Für uns gilt es, stabiler zu werden, um auf einem konstanten Level 90 Minuten zu bestreiten. Ausreißer wird es immer geben, das kannst du nicht endgültig verhindern. Wir haben immer noch Jungs mit Ausschlägen von Kreisklasse bis Weltklasse. Da spielt sich auch extrem viel im Kopf ab.

Wer hat die letzten drei Wochen genutzt, um sich in den Vordergrund zu spielen – oder seine Bewerbung für die Ersatzbank abgegeben?

Schubert: Es gibt keinen, der eklatant abgefallen ist. Es ist wichtig für die Entwicklung einer Mannschaft, dass die, die vermeintlich hinten dran sind, Druck ausüben, damit sich keiner zurücklehnen kann. Ohne Namen zu nennen: Es gibt Spieler, bei denen man erkennt, es ist einen Schritt vorangegangen. Jetzt muss man als nächstes erkennen, das auch Nachhaltigkeit dahintersteckt.

Bei nur drei Punkten Vorsprung vor dem ersten Abstiegsplatz ist erhöhte Wachsamkeit angezeigt.

Schubert: Absolut. Dessen sind wir uns bewusst. Wir brauchen Punkte, wir müssen am besten in jedem Spiel punkten. Am besten fangen wir am Samstag damit an.

Hat der Laktattest Erkenntnisse gebracht?

Schubert: Ja. Wir wollen die Ergebnisse nutzen, um jedem Spieler individuell einen Plan zu geben, mit dem er arbeiten kann. Gerade Athletik kann ich individuell sehr gut trainieren.

Der Insolvenzverwalter hat hinterlassen, Alemannia müsse in der nächsten Saison um den Aufstieg spielen. Übt das einen Druck auf Sie aus? Ist das überhaupt realistisch?

Schubert: Letzten Sommer war es ein Sieben-Jahres-Plan, den er ausgerufen hat. Der ist inzwischen sehr zusammengeschrumpft. Mich interessiert nur die jetzige Saison. Da gilt es, Punkte einzusammeln und zu schauen: Wer von unseren Spielern entwickelt sich, wer ist wichtig, ein Eckpfeiler, spielt eine tragende Rolle?

Wer führt denn Vertragsgespräche?

Schubert: Nach wie vor Reiner Plaßhenrich und ich.

Es gibt parallel Gespräche, wer neuer Geschäftsführer wird. Hätten die Trainer lieber jemanden, der den Sport mit bearbeitet?

Schubert: Letzten Sommer wäre es ungleich wichtiger gewesen, jemanden zu haben, der sich mit um den Sport kümmert. Jetzt, da eine Basis besteht und du nur noch ergänzt oder änderst, ist die Aufgabe deutlich geringer. Das können wir noch mit leisten. Wir brauchen einen kaufmännischen Geschäftsführer. Wenn der sagt, das habt ihr zur Verfügung, dann werden wir damit arbeiten.

Wenn jetzt Fortuna Köln kommt: Haben Sie den Gegner beobachtet, oder nimmt man die Bilder, die die Liga zur Verfügung stellt?

Schubert: Sowohl als auch. Und wir haben in dieser Saison schon mal gegen Fortuna gespielt – es ist derselbe Trainer wie im Hinspiel, der Spielstil wird sich dadurch nicht eklatant ändern. Aber, Alemannia beschäftigt derzeit keine Scouts mehr. Und klar: Je mehr Augen auf einen Gegner draufschauen, umso detaillierter wird das Bild.

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