Peter Schubert: „Eine Niederlage wirft uns nicht mehr um“

Von: Christoph Pauli
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Die zwei Tüftler auf den Trainerstühlen: Peter Schubert (links) und sein Assistent Reiner Plaßhenrich sind mit dem bisherigen Saisonverlauf durchaus zufrieden. Foto: sport/Revierfoto

Aachen. Ein Spitzenspiel: Rot-Weiß Oberhausen empfängt Alemannia Aachen. Der Sechste trifft auf den Dritten, und der Sieger braucht dann vielleicht kein Fernglas mehr, um den Primus Viktoria Köln an der Tabellenspitze zu sehen. Ein Gespräch mit Alemannias Trainer Peter Schubert über das erste Viertel dieser Saison.

Der 48-Jährige muss beim brisanten Duell den gesperrten Peter Hackenberg, die verletzten Dennis Dowidat und Abedin Krasniqi ersetzen.

Sind Sie der Trainer einer Spitzenmannschaft in der 4. Liga?

Schubert: Gemessen an welchen Kritierien?

Tabellenplatz, Stabilität. Das Team wirkt nicht mehr so, dass es sich noch einmal ein 0:5 einfangen wird.

Schubert: Gemessen an solchen Kriterien stimmt das Urteil. Unser Ziel war ein Platz in der oberen Tabellenhälfte, als aktuell Dritter haben wir in den letzten Wochen schon Selbstvertrauen aufgebaut. Deswegen wirft uns auch eine Niederlage nicht mehr um.

Es schwingt ein großes ABER mit?

Schubert: Ja, andere Klubs wie Viktoria Köln oder Rot-Weiß Essen setzen ganz andere finanzielle Mittel ein. Aber entscheidend ist natürlich auf‘m Platz: Wie funktioniert die Mannschaft, wie arbeitet das gesamte Team um die Mannschaft zusammen? Es funktioniert momentan sehr gut, und das spiegelt sich auf dem Feld und in der Tabelle wider.

Ist der Zusammenhalt größer geworden, weil die meisten Beteiligten schon ein Jahr am Tivoli unter schwierigen Bedingungen gemeinsam erlebt haben?

Schubert: Das ist auch ein Aspekt: Wenn man eine schwierige Phase bewältigt, kommt man gestärkt wieder heraus. Man lernt, wie man sich aus solchen Momenten befreit. Diese Erfahrung kann man bei Bedarf abrufen. Zudem haben wir zu dem vorhandenen Gerüst Spieler dazu geholt, die sportlich und charakterlich zu uns passen. Wir hatten mehr Zeit diesmal für unsere Verpflichtungen. Das wirkt sich positiv aus. Die Gruppe funktioniert nicht nur auf, sondern auch außerhalb des Platzes.

Hat sich die Mannschaft so entwickelt wie am Reißbrett vor der Saison entworfen?

Schubert: Hundertprozentig deckungsgleich mit der Praxis sind solche Entwürfe nie im Sport. Wir haben vor anderthalb Jahren begonnen, unsere Idee umzusetzen. Natürlich gibt es Entwicklungen oder Zwischenschritte wie die beiden Verpflichtungen im Winter. Insgesamt stimmt der Weg.

In welchem Bereich entwickelt sich das Team gerade?

Schubert: Wir sind dabei, offensiv stärker zu werden, ohne die Stabilität zu verlieren. Das Offensivspiel ist im letzten Jahr zu kurz gekommen, was auch mit unserer Situation zusammenhing.

Zu den größeren Herausforderungen der Liga gehört es, gegen Aachen ein Tor zu schießen. Der Abwehrblock muss nun erstmals seit Wochen wieder verändert werden. Erschwert das die Aufgabe?

Schubert: Die Verteidigung beginnt ganz weit vorne, je früher ich mich dem Gegner energisch entgegenstelle, desto schwieriger ist es für ihn. Damit mache ich es auch der Viererkette hinten leichter. Das hat die Mannschaft verinnerlicht. Wir laufen den Gegner früh an, wollen keine Räume hergeben. Der Ausfall von Peter Hackenberg macht mir keine Sorgen, es gibt gute Alternativen. Inzwischen hat dieser Kader 18, 20 Feldspieler auf Regionalliga-Niveau.

Müssen die Stürmer bei Ihnen die Positionen halten, oder wird permanent munter nicht nur auf den Flügeln getauscht?

Schubert: Es gibt eine klare Ansage für das Spiel gegen den Ball, da müssen die Positionen besetzt sein. Mit Ball sind wir flexibel unterwegs, die Spieler können es situativ entscheiden.

Bei der Nominierung von Stürmern geht es letztlich um Torgefahr. Ist nicht das stärkere Kriterium auch, wie laufstark sie gegen den Ball arbeiten?

Schubert: Nicht zwingend. Im Idealfall bringt ein Angreifer beide Qualitäten mit. Es gibt noch einen dritten Aspekt bei unseren Überlegungen: Wie wird ein Angreifer vom Gegner wahrgenommen, welchen Respekt hat er sich erarbeitet?

Ist das Team abhängig von Aimen Demai, der hartnäckig von Wadenproblemen verfolgt wird?

Schubert: Ich würde es anders formulieren. Er ist nicht nur ein hervorragender Fußballer, er gibt auch als Typ auf dem Feld den Takt. Unser Spiel ist ein wenig anders, wenn er nicht dabei ist. Wir sind weniger dominant, bringen dafür andere Qualitäten ein. Abhängig sind wir nicht von ihm, dafür gab es gerade zwei Belege. Generell sind wir flexibler geworden und damit schwerer auszurechnen.

Gibt es die Idee, ihn mal ganz aus dem Betrieb zu nehmen?

Schubert: Das löst das Problem nicht. Er würde keinen Rhythmus finden. Aimen ist erfahren genug, um mit diesem Problem gut umzugehen, etwa durch zusätzliche Übungen. Er hat in den letzten Tagen sein Pensum kontinuierlich gesteigert. Das sah gestern im Training schon wieder wie der alte Aimen aus. Ich sehe ihn immer noch in der Aufbauphase nach seiner schweren Verletzung. Wir haben Geduld mit ihm.

Mögliche Aufstellung: Löhe - Ernst, Lünenbach, Hoffmann, Lejan - Jerat - Behrens, Müller, Demai, Graudenz - Garcia

Schiedsrichter: Martin Thomsen (Kleve)

Bilanz: 76 Spiele/31 Siege/23 Remis/22 Niederlagen/ 109:99 Tore

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