Oliva Nova - Peter Hyballa: „Die A-Note muss auch besser werden”

Peter Hyballa: „Die A-Note muss auch besser werden”

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Auch unter Palmen nicht im Unruhestand: Alemannias Cheftrainer Peter Hyballa. Foto: Christof Wolff

Oliva Nova. Acht (meist knüppelharte) Einheiten und ein Testspiel liegen hinter Alemannia Aachen. Der Fußball-Zweitligist, der am Samstag wieder in der Heimat landet, hat an der spanischen Mittelmeerküste die Grundlagen geschaffen für die Rückrunde.

Das Abschluss-Interview des Trainingslagers in Oliva Nova mit Chefcoach Peter Hyballa.

Wenn man die Länge und Intensität der Trainingseinheiten beobachtet hat, könnte sich die ketzerische Frage stellen: Warum der ganze Aufwand - wenn Hotel-Nachbar Fortuna Düsseldorf rund ein Drittel weniger macht, in der Tabelle aber nur einen Platz hinter Alemannia liegt?

Hyballa: Wir haben unheimlich viele junge Spieler. Die musst du entwickeln, erziehen. Wenn wir weniger machen, vielleicht würden wir dann unten in der Tabelle stehen. So sind wir auch nicht allzu weit von oben entfernt, und wir stehen im Pokal-Viertelfinale. Klar ist aber auch: Es kann noch mehr Ertrag herauskommen.

Worauf waren die fünf Tage in Spanien ausgerichtet?

Hyballa: Auf Ballbesitz, auf besseres Herausarbeiten von Chancen, darauf, dass wir uns in der Box verbessern. In den 90 Minuten gegen Düsseldorf ist uns wieder kein Tor gelungen. Das ist unsere Achillesferse, diese Strafraum-Allergie müssen wir abstellen. Und der letzte Pass muss noch besser gespielt werden.

Nachdem Andras Simon durchgefallen ist: Wer kommt denn jetzt als neuer Stürmer in Frage?

Hyballa: Wir haben zwei im Blickfeld und sind mit ihnen im Gespräch. Wir haben zwei Varianten im Kopf, wobei im Sommer sowieso was passieren müsste. Entweder nehmen wir einen, der schon im Profifußball seine Tore gemacht hat, oder einen aus der Kategorie Dortmund II, Wolfsburg II, Bayern II. Aber bevor wir einen 28-jährigen Durchschnittsspieler verpflichten, nehme ich lieber einen 20-jährigen U-Nationalspieler.

Den Strand hat die Mannschaft nicht gesehen.

Hyballa: Wir hatten mal über eine Einheit Beachsoccer nachgedacht. Aber das ist letzten Endes Dödel-Kram.

Hat der Kader in diesen Tagen die Erwartungen erfüllt?

Hyballa: Ja. Wobei Dienstag der absolute Overload-Tag war. Die Mannschaft ist jung und wild, aber du musst sie immer wieder anschieben. Überhaupt, Profifußballer musst du immer anschieben, die gehören nicht zu den Fleißigsten. Bei uns reicht inzwischen oft ein böser Blick, aber in Sachen Engagement kann man den Jungs eigentlich nie einen Vorwurf machen.

Wer gehört zu den Gewinnern?

Hyballa: Das sind in erster Linie die Pokalhelden. Timo Achenbach, Marco Höger, Benny Auer - eigentlich all´ die Jungs, die auch die meisten Spiele gemacht haben. Du merkst: Die die Nase vorn haben, kommen auch professionell wieder. Und ein Manuel Junglas hat in dieser Woche auf einem ganz hohen Level trainiert. Der weiß: Die haben jetzt einen Berliner Türken geholt (Anm.: Bilal Cubukcu), der Kader wird verbreitert.

Und ist jemand abgefallen?

Hyballa: Die U23-Spieler - Andreas Korte, Daniel Engelbrecht und Narciso Lubasa - müssen jetzt in die nächste Phase kommen. Sie standen bislang noch unter Welpenschutz. Was Daniel Hofmann von den A-Junioren macht, sieht auch ganz gut aus. Aber aus den Welpen müssen kleine Hunde werden. Profi zu sein wird oft verwechselt mit Autogramme schreiben, in dicken Hotels leben und in großen Stadien spielen. Aber da muss mehr kommen von den Jungs aus der U23, dazu waren sie unter spanischer Sonne nicht in der Lage. Und ich mache nicht noch 18 Wochen den Welpen-Schlepper. Mitte Februar sollte Seyi Olajengbesi wieder richtig fit sein, Mitte März Alper Uludag - da will ich keine Pausenfüller. Vor dem Pokalspiel gegen Frankfurt hatten wir eine Extrem-Situation mit nur noch zwölf Profis im Kader. Nun wird sich bald für die Jungs aus der zweiten Mannschaft entscheiden, ob sie einen Profivertrag bekommen, noch mal einen für die U23 - oder gar keinen.

Außenstehende fragen, ob die Vielzahl der Verletzten in Zusammenhang steht mit der Belastung.

Hyballa: Dann könnte ich auch fragen, ob die Nicht-Belastung in der letzten Saison in Zusammenhang stand mit den Verletzten. Belastung - das hat immer so einen negativen Touch. Wenn ich einen breiteren Kader hätte, fiele das auch nicht so auf mit den Verletzungen. Du musst viel trainieren, um vorwärts zu kommen. Wir haben auch viele Spieler, die nie verletzt sind. Es spielen viele Komponenten eine Rolle, man muss jeden Fall einzeln beleuchten. Oder wenn es um Erkrankungen geht: Ein älterer, erfahrener Spieler zieht sich im Dezember die Mütze über den Kopf, ein jüngerer schaut, dass die Frisur auch ordentlich sitzt. Es spielt auch eine Rolle, wie man sich ernährt, ob jemand für sich selber zuhause lecker kocht, oder ob er eine Tüte Haribo in sich reinschiebt. Da kenne ich mittlerweile alle Sorten. Wir wollen demnächst einen Kochkurs für die Spieler anbieten, die Physiotherapeuten werden sich mehr in die Ernährungsberatung einschalten.

Waren die Bedingungen hier im Trainingslager in Oliva Nova zu Ihrer Zufriedenheit?

Hyballa: Die Deutschen haben immer den Hang zum Meckern, Trainer sind da eine besondere Spezies. Wenn du ein Haar in der Suppe finden willst, dann findest du auch eins. Es war okay, es war angenehm zu trainieren, und vor allem: Die Mannschaft war eine Woche zusammen. Wir haben jetzt eine andere Ebene erreicht. Wir sprechen viel, aber du musst nicht mehr bestimmte Begriffe erklären. Es geht jetzt ins Detail.

Spieler sagen schon seit Wochen, sie fühlten sich besser als Platz 9 oder 10. Wo endet die Saison denn tatsächlich, nicht nur gefühlt?

Hyballa: Im Moment sind wir nicht mangelhaft und nicht sehr gut. Wir wollen besser als Platz 10 enden, die Mannschaft so formen, dass sie nach vorne kommt, und uns im Sommer dann höhere Ziele setzen. In der Hinrunde waren die Spiele immer knapp, aber von den Mannschaften, die vor uns stehen, haben wir nur den FSV Frankfurt geschlagen. Die B-Note war oft sehr gut, aber die A-Note muss besser werden. Auch der Anspruch der Spieler steigt. Sie sind auch dafür verantwortlich, dass wir aus dem Niemandsland herauskommen.
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