Oussalé schießt das Tor zur Integration

Von: Roman Sobierajski
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Fürths Torhüter Stephan Loboué vermutet den Ball ganz woanders, Stephan Schröck kann nicht mehr eingreifen: Hervé Oussalé sicherte mit seinem ersten Pflichtspiel-Treffer den ersten Aachener Sieg über die Franken seit sieben Jahren. Foto: dpa

Aachen. „Die emotionalste Baustelle der Stadt” verspricht das großformatige Schild am Rohbau des neuen Stadions. Gefehlt, wenn auch nicht weit, denn noch spielen sich die großen Emotionen nur ein paar hundert Meter weiter Richtung Innenstadt auf der Baustelle Bundesliga ab.

Fußball ist wohl immer noch wichtig, und so ließ Alemannia Aachen dem Galaauftritt in Mainz vor 14 Tagen einen 1:0-Sieg gegen die Spielvereinigung Greuther Fürth auf dem Tivoli folgen - der erste Dreier gegen die Franken seit der Saison 2001/2002.

Sechs Punkte aus zwei Spielen gegen große Namen, in den Partien zuvor zu viele Punkte liegenlassen, da wird der Standard-Schrauber für Gelegenheiten ohne große Perspektive erst einmal wieder in die Werkzeugtasche gepackt. „Soll ich jetzt wieder mit den selben Floskeln kommen wie Wir denken nur von Spiel zu Spiel? Nein, mach´ ich nicht”, wehrte Torjäger Benny Auer ab. „Wir haben die Schnittstellen der Fürther gut zugestellt, offensiv nicht viel zugelassen. Der Gegner hatte nur ein oder zwei Möglichkeiten”, schilderte er dafür das Erfolgsrezept, dessen Zeugen 19.563 Zuschauer wurden.

„Es bringt jetzt nichts zurückzuschauen”, weigerte sich auch Timo Achenbach, vergebenen Chancen nachzutrauern, und blickte lieber auf die aktuelle Leistung: „Wir haben die Taktik von Mainz mitgenommen und die Grundtugenden auf den Platz gebracht.”

Genau das war der Schlüssel, um gegen die Mannschaft von Benno Möhlmann als Sieger vom Platz zu gehen - man kann den Fans eigentlich nur vorwerfen, nicht schon am ersten Spieltag Einsatz, Aggressivität, Pressing und Laufbereitschaft gefordert zu haben. Die bislang so spitzen Waffen der Fürther blieben stumpf gegen eine Aachener Mannschaft, die defensiv dem Gegner kaum Räume gönnte und offensiv eine Vielzahl von Chancen herausspielte - und konsequent nicht nutzte. Weder Nemeth (15.) noch Olajengbesi (24.), nicht Lehmann (27.) und auch nicht Auer (30./38.) und schon gar nicht Cristian Fiel, der aus kürzester Distanz nur ein Kullerbällchen zustande brachte (44.).

„Wir konnten nicht in Führung gehen, waren aber klar gefährlicher”, beurteilte Trainer Jürgen Seeberger den ersten Durchgang. „Aber wir haben weitergemacht, die Hartnäckigkeit war klar erkennbar”, schätzte der 43-Jährige den Unterschied zu früheren Begegnungen ein.

Und die Hartnäckigkeit wurde zehn Minuten nach der Einwechselung von Hervé Oussalé belohnt, dem nach drei Kurzeinsätzen im schwarz-gelben Trikot bereits lautstarke und fordernde Verehrung durch das Publikum entgegenschlägt. „Er ist ein Kämpfer und ein Renner, das ist genau das, was die Leute sehen wollen”, beurteilte Benny Auer. Der 21-Jährige ließ sich nach einem präzisen Zuspiel von Cristian Fiel nicht zwei Mal bitten, behauptete mit robustem Körpereinsatz gegen seinen Gegenspieler Stephan Schröck Übersicht und Ball und bugsierte diesen an Schlussmann Stephan Loboué vorbei über die Linie. „Das war ein Tor zur Integration”, blickte Trainer Seeberger bereits weiter in die Zukunft.

Darüberhinaus bietet der Mann aus Burkina Faso eine weitere Stürmerqualität im Überfluss: Er bringt Unordnung auf den Platz, ackert über den Rasenals würde er in weniger als fünf Minuten jeden Vorgarten blumenfrei kriegen, schafft Räume, reißt Lücken. „Ich bin froh, dass ich im Sturm jetzt eine Alternative habe”, freute sich Aachens Trainer über die zusätzliche Variations-Möglichkeit.

Im nächsten Spiel gegen das vermeintlich schwächere Rot-Weiß Ahlen muss die Mannschaft den Erfolg nicht nur bestätigen, sie muss auch ohne Kapitän Matthias Lehmann auskommen, der die fünfte Gelbe Karte sah. „Ich muss ihn foulen, sonst ist der durch”, opferte sich der Kapitän.
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