Norikazu Murakami: Der neue Anwalt der Alemannia

Von: Christoph Pauli
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Mittendrin statt nur dabei: Norikazu Murakami ist der erste kickende Japaner am Tivoli. Bis gestern Abend lag seine Spielgenehmigung allerdings noch nicht vor. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Der Vertrag war ausgehandelt, doch Norikazu Murakami musste den Termin für seine Unterschrift verschieben. Es ging nicht anders. „Ich unterschreibe Verträge nur morgens und nur mit eigenem Stift”, sagt Alemannias Neuzugang. „Das hat mir immer Glück gebracht.”

Inzwischen ist der Kontrakt bis zum Saisonende geschlossen. Murakami ist in zweifacher Hinsicht ein Novum unter Alemannias fast 900 Spielern der Ersten Mannschaft: der erste Japaner und wohl der erste Volljurist

Im August letzten Jahres verschlug es ihn nach Düren. Die Kreisstadt schien ihm ein guter Anlaufpunkt für sein Projekt, denn dort wohnt häufig der Trainer Gert Engels, der in Japan ziemlich populär und erfolgreich ist. Der Ex-Profi - und heutige Nationalcoach von Mosambik - vermittelt in der Heimat häufig japanische Talente, organisiert Gastbesuche bei Vereinen, öffnet Türen.

Die Idee von Norikazu Murakami: „Ich will in Europa Fußball spielen und meine Karriere nach Möglichkeit in der Bundesliga beenden.” Der Vorsatz blieb ungehört, kein einziger Profiverein interessierte sich für den Weltenbummler. Sechs Jahre ging er in Singapur, zwei Jahre in Süd-afrika durchaus erfolgreich auf Torejagd. Als Empfehlungsschreiben reichte das in Mitteleuropa für einen 30-jährigen unbekannten Exoten nicht aus. Die erste Enttäuschung für Murakami.

Um sich fit zu halten, schloss er sich den Sportfreunden Düren an. Bezirksliga statt Bundesliga. Die Sportfreunde profitierten von dem prominenten Gast. Kein Spiel wurde mehr verloren, nebenbei wurde im FVM-Pokal noch Fortuna Köln aus dem Wettbewerb geworfen. Murakami fand schnell Zugang zu dem Team. Der Mann ist ziemlich sprachtalentiert. Deutsch versteht er inzwischen nahezu komplett. Er spricht chinesich, japanisch, portugiesisch, italienisch und englisch - was man an seinen vielen Wohnorten so lernt.

Murakami war trotzdem immer auf dem Sprung in höhere Ligen. Der Regionalligist SC Pfullendorf wollte ihn verpflichten, hatte aber kein Geld dafür. Anfang der Saison spielte er vier Wochen beim Regionalliga-Aufsteiger Viktoria Köln vor. Er sollte Mike Wunderlich ersetzen, der dann doch wieder zurückkehrte. Die nächste Enttäuschung. Murakami kündigte seine Wohnung, die Rückkehr nach Japan wurde geplant. Mit seinen beiden kleinen Kindern und seiner Frau zog er vorübergehend in Düren-Merzenich bei Harry Neumann ein. Neumann betreibt mit Gert Engels die Fußball-Schule „Soccer and life”. Neumann nennt Murakami einen „Freund”, er hilft ihm im Alltag.

Die Wege im Fußball sind manchmal verschlungen. Murakami bekam eine Einladung zum indischen Erstligisten Pune FC. Nach ein paar Einheiten hatte der Gast überzeugt und unterschrieb - vermutlich morgens - einen Vertrag. Das Papier enthielt eine Rücktrittsmöglichkeit. Der kickende Jurist machte davon Gebrauch, als Alemannias Interesse konkreter wurde. An dieser Klausel scheitert bislang die Spielberechtigung. Der indische Klub hat sie Alemannia noch nicht bestätigt, deswegen ist Murakami noch nicht einsetzbar (Stand Freitagabend).

Der Drittligist war auf ihn bei einem Gastspiel gegen eine Dürener Kreisauswahl (10:2) aufmerksam geworden. Zwei Wochen dauerte die nächste Casting-Show, dann hatte er die Jury überzeugt. Kann ein Spieler eines Siebtligisten einem Drittligisten weiterhelfen? war die Fachfrage. „Definitiv”, sagt Trainer René van Eck. „Er ist vielseitig offensiv einsetzbar, ein guter Fußballer und passt menschlich in die Gruppe.” Vorschusslorbeeren. „Ich habe Hunger zu spielen”, sagt der Neuzugang. Am Abend, als Murakami dann endlich doch seinen Vertrag in Aachen unterschrieben hatte, ging er mit Harry Neumann essen. „Nicht japanisch, sondern gut deutsch bürgerlich.”

Seeberger bangt um Stürmer Steegmann

Von Januar 2008 bis September 2009 war Jürgen Seeberger sportlicher Übungsleiter in Aachen. Und noch im Sommer stellte er ein Konzept für den Drittligisten vor.

Inzwischen ist er Trainer von Darmstadt 98 und kehrt heute erstmals zurück zum Tivoli, den er 2009 mit einweihte. Mit seinem neuen Team leistete er zuletzt Arminia Bielefeld beim unglücklichen 1:3 erheblichen Widerstand. „Wir müssen mehr Klarheit in der Abwehrarbeit schaffen.”

In Aachen ist der Einsatz von Torjäger Marcus Steegmann und Musa Karli fraglich. Dafür ist Julian Ratei wieder fit.

Mögliche Aufstellung: Melka - Weber, Olajengbesi, Stehle, Baumgärtel - Erb, Schwertfeger - Heller, Streit (Müller), Kefkir - Thiele

Schiedsrichter: Sören Storks (Velen)

Bilanz: 16 Spiele, drei Siege, acht Remis, fünf Niederlagen. Tore: 14:17

TV: Ausschnitte werden ab 16.50 Uhr im WDR in der Sendung „Fußball im Westen” gezeigt

Internet: Die Partie ist unter www.sportschau.de zu sehen.

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