Koblenz - Niederlage gegen „Harmlos Koblenz”

Niederlage gegen „Harmlos Koblenz”

Von: Christoph Pauli
Letzte Aktualisierung:
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Da war es geschehen: Mavric versenkt unbedrängt den Ball per Kopf im Winkel des Tores von Alemannias Thorsten Stuckmann. Foto: Uwe Anspach

Koblenz. Nach zehn Minuten entspann sich am Spielfeldrand ein kleiner Dialog. Alemannias Trainer Michael Krüger wunderte sich bei seinem Co-Trainer Willi Kronhardt über die TuS Koblenz, die den eigenen Strafraum bewachte wie ein Wachhund die Gartentür.

„Wir waren auf einen richtigen Fight eingestellt”, berichtete der 55-Jährige später. Der hoch gefährdete Gastgeber aber war ängstlich, verunsichert, was sich in einer unendlichen Fehlpass-Orgie dokumentierte.

Nach Spielende wunderte sich Aachens Trainer noch mehr, denn diese harmlose, an diesem Tag kaum zweitligataugliche Mannschaft ging als Sieger vom Platz. „Das war ein schmutziger Erfolg, den wir unbedingt brauchten”, analysierte Koblenz-Coach Uwe Rapolder, dem dieser Triumph vorgekommen sein muss wie ein Sechser im Lotto.

8:0 Ecken

Ein kleiner Hinweis auf die Überlegenheit der Gäste kommt aus der Statistikabteilung: 36:12 Flanken, 18:9 Torschüsse und 8:0 Ecken für die Gäste lauteten die Spieldaten. Das beschreibt einerseits die Dominanz, verdeutlicht aber nicht, dass auch an diesem Tag die Aachener einem Treffer nicht sonderlich nah kamen.

Sie waren gegen limitierte Koblenzer überlegen, aber das war eine Fata Morgana, weil Ballbesitz (60 Prozent) kein entscheidendes Kriterium ist.

In der Rubrik „große Möglichkeiten” gähnte nach Spielende die große Leere. „Wir hatten die Partie im Griff, aber gute Chancen haben wir kaum geschaffen, da fehlten uns die Mittel”, beobachtete Keeper Thorsten Stuckmann aus der Ferne.

Gueye kam nach drei Minuten zum Kopfball, und Auer scheiterte unglücklich mit einem Heber über David Yelldell, der auf dem Tornetz landete (17.). Langeweile kam beim TuS-Keeper zu keiner Phase des Spiels auf, aber in Gefahr geriet er nicht.

„Das Spiel bis zum Strafraum ist in Ordnung, aber dann fehlt uns einfach die Entschlossenheit und die Gier”, beschrieb Cristian Fiel ein Problem, das die Mannschaft seit Saisonbeginn zuverlässig begleitet.

„Fehlende Durchschlagskraft” heißt das in der Trainersprache. Und erstmals stellte Michael Krüger nach diesem bitteren Nachmittag die „Qualitätsfrage”. Ihm fehlten die Spieler, die sich im „Eins gegen Eins” durchsetzen, die ausreichend „Dynamik und Schnelligkeit” mitbringen.

Das ist kein guter Befund nach dem 13. Spieltag, denn „Dynamik und Schnelligkeit” lassen sich auch durch intensives Training kaum verbessern. Vielmehr ist die mangelnde Torgefahr ein Konstruktionsfehlers des Kaders, dem bislang torgefährliche Mittelfeldspieler ebenso fehlen wie noch ein weiterer zielstrebiger Stürmer. Auch diesmal machte die große Abteilung Attacke so viel Wind wie ein ausgestelltes Gebläse.

Dabei hatte sich der Trainer in Koblenz für die Flucht nach vorne und damit für den zweiten Stürmer entschieden. Für den erkälteten Manuel Junglas rückte der abwanderungswillige Hervé Oussalé in die Startelf.

Kurzfristig musste Mirko Casper noch Aimen Demai ersetzen, der mit Magen-Darm-Problemen im Hotel zurückblieb.

Er verpasste die nächste Saisonenttäuschung gegen ein Team, das so harmlos und fehlerhaft wie an diesem Tag unterwegs war wie kaum eine andere Mannschaft in der Liga.

Ervin Skela traf nach 66 Minuten immerhin die Latte, schon beim Nachschuss dokumentierte Njazi Kuqi die Abschlussschwäche. Die zweite und letzte Gelegenheit führte dann zum ungerechten Endstand: Matej Mavric köpfte unbedrängt ein (76.). Der Slowene krönte seine Woche, in der er sich mit seiner Nationalmannschaft für die WM qualifiziert hatte.

In Koblenz endete somit Aachens kleinstmögliche Serie. Der ambitionierte Zweitligist bleibt im Niemandsland der Tabelle. „Im Moment wären wir froh, wenn wir im gesicherten Mittelfeld wären”, urteilte Mirko Casper. „Jetzt schauen wir wieder erst mal nach unten.”
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