Muntere Nachbesprechung im Alemannia-Zelt

Von: Christoph Pauli
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In der Offensive: Trainer Jürgen Seeberger und sein Team stellten sich der Kritik der Fans. Foto: Martin Ratajczak

Aachen. Die Premiere fand im Mai 2001 statt. Damals trafen sich zur Nachbesprechung in Alemannias VIP-Zelt verärgerte Fans mit Präsident Hans Bay, Schatzmeister Bernd Krings und Trainer Eugen Hach.

Am Ende des Bußgangs wurde zweierlei festgelegt: Zum einen brauche der Verein einen Manager, zum anderen solle die Veranstaltung bald wiederholt werden. Die erste Idee war fünf Monate später umgesetzt, bis zum erneuten Meinungsaustausch gingen allerdings fast acht Jahre ins Land, was auch ein bisschen daran liegt, dass sich die damaligen Initiatoren bald verflüchtigt hatten.

Der Redebedarf ist nach drei Niederlagen in Folge und einer weitgehend mangelhaften Rückrunde jedenfalls sehr ausgeprägt. Etwa 300 Fans schwappten am Montagabend ins Zelt, ihnen gegenüber saßen der komplette Mannschaftsrat, Trainerstab, Manager und Geschäftsführer. Trainer Jürgen Seeberger wählte die offensive Variante an diesem Abend „Es ist mir völlig klar, dass ich hier im Brennpunkt stehe”, sagte er - und wurde schnell bestätigt.

Die Kritik war breit gestreut: „konditionelle Probleme, seelenlose Darbietungen, drohender Abstieg, fehlende Emotionen, spielerischer Niedergang” - die Vertreter der GmbH bekamen den Unmut deutlich mitgeteilt, ohne dass die Veranstaltung aus dem Rahmen fiel. Tenor: „Wir möchten wieder stolz auf unser Team sein.”

Und was machte das Team, das auf dem Rasen manchmal so zaudernd wirkt? Die Männer packten beherzt zu. Wer beobachtete, wie couragiert sich Cristian Fiel, Timo Achenbach, Thorsten Stuckmann, Matthias Lehmann oder Benny Auer das Mikro schnappten, kann gar nicht verstehen, warum gerade eine berechtigte Debatte läuft, wer die Gruppe eigentlich anführt.

Seeberger, der keinesfalls angeschlagen wirkte, versuchte es mit der Analyse: „Wir haben zwei Probleme, wir sind auswärtsschwach und nicht sonderlich widerstandsfähig bei Rückständen.” Der 43-Jährige erinnerte an die schwierigen Scheidungswochen nach der Ära Schmadtke, an Langzeitverletzte, an (über)große Erwartungen nach der Rückkehr aus dem „Märchenland”. Das alles erleichtere die Ausgangslage nicht zwingend. Wer auf die ultimative, spektakuläre Erfolgsformel für den ersehnte Rückkehr auf den Erfolgspfad gehofft hatte, wurde auch an diesem Abend enttäuscht. Sie lautet: „Arbeit.”

Aber die Spieler waren durchaus nicht nur als Blitzableiter gekommen. Torwarttrainer Christian Schmidt bemängelte den Umgang im Stadion, wo die eigene Mannschaft schon beim Einlaufen ausgepfiffen oder ausgewechselte Spieler wie gerade Daniel Brinkmann hämisch bei der Auswechslung verabschiedet wird. „Das ist nicht mehr der gefürchtete Tivoli.”

Matthias Lehmann, der keinen ganz fröhlichen Abend erlebte, weil auch er ein paar Kübel Kritik abbekam, versuchte nach zwei Stunden die Reihen zu schließen. Der zuletzt nicht berücksichtigte Kapitän wurde prosaisch: „Wir zusammen mit Euch, und Ihr mit uns.”
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