Missratene Saisonpremiere am Tivoli: 0:1 gegen Wattenscheid

Von: Christoph Pauli
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Fassungslos: Dominik Ernst (Mitte) wird wieder einmal von Schiedsrichter Dominik Jolk vom Platz gestellt. Foto: Martin Ratajczak

Aachen. Am Ende des Spiels hielt Fuat Kilic eine ziemlich lange Mängelliste in den Händen. Aachens Trainer war durchaus überrascht, denn in den letzten Wochen gab es keine Anzeichen für einen solchen Rückschlag.

Alemannia verlor das erste Saisonspiel am Tivoli gegen Wattenscheid mit 0:1, das Ergebnis bildete den Unterschied nur unzureichend ab.

Bei den Aachener hatte jemand die Memory-Karten durcheinander gemischt, es war ein desolater Auftakt in die Saison am Tivoli. „Wir werden uns austauschen müssen, warum bei uns so viel Konfusion herrschte“, meinte Kilic. Neben den drei Punkten verlor Aachen auch noch Rechtsverteidiger Dominik Ernst durch eine umstrittene Roten Karte.

Festival der Fehler

Als Alemannia noch komplett war, lieferte das Team ein Fehlpassfestival ab, an dem sich fast alle Feldspieler beteiligten. Und so erreichten die Aachener viel zu selten die gegnerische Hälfte, weil sie die Bälle schludrig schnell wieder herausgaben. Die Mannschaft war unerwartet nervös an diesem Nachmittag. Sie hatte sich viel vorgenommen, aber löste wenig ein. Die Abstände zwischen den Linien waren viel zu groß, so ließ sich der Gegner nur selten stellen.

Von den Lücken profitierte Wattenscheid schon bei erstbester Gelegenheit: Der erste Schuss aufs Tor war gleich ein Treffer, Berkant Canbulut konnte in aller Ruhe aus 20 Metern Maß nehmen, Aachens Keeper Pascal Nagel sah den Ball sehr spät (8.). Der frühe Rückstand machte die Hausherren noch unruhiger, sie wählten die falschen Mittel, versuchten sich immer durchs Zentrum durchzuspielen. Nur einmal kombinierten sie sich durch, Rüter legte zurück auf Fejzullahu, der hätte nur einschieben müssen, war aber zu umständlich (23.). „Die erste Halbzeit war mal gar nichts“, räumte Kapitän Timo Staffeldt später ein.

Die Wattenscheider zeigten ein imponierendes Auswärtsspiel. Alleine Pascal Nagel sorgte dafür, dass die Partie nicht früh entschieden war. Der Keeper war der beste Aachener an diesem Tag, was nicht sonderlich schwierig war, weil nahezu alle Feldspieler deutlich hinter ihren Möglichkeiten blieben.

Einmal konnte er Jonas Erwig-Drüppel noch abdrängen, als der unbehelligt in den Strafraum eindrang (40.). Dann wehrte er einen Schuss aus 16 Metern von Nico Buckmaier ab, der Sekunden später freistehend vorbeiköpfte (44.). Damit wäre aus Aachener Sicht die desolate erste Halbzeit noch halbwegs schadlos vorbeigegangen. Aber die letzten Sekunden sorgten für die größte Aufregung in dieser noch jungen Saison. Dominik Ernst vertändelte im Strafraum den Ball an Erwig-Drüppel, der mit einem Heber an Nagel scheiterte. Der flotte Linksaußen raufte sich die Haare, aber dann meldete sich Dominik Jolk zu Wort.

Der Schiedsrichter hatte ein kurzes Halten von Ernst registriert und pfiff einen Elfmeter. Für Ernst kam es noch ärger, Jolk zückte die Rote Karte wegen der Notbremse – so steht es im Zusatzbericht. Fast auf dem Tag genau vor einem Jahr waren sich Olk und Ernst am Tivoli schon einmal begegnet. Damals in der Partie gegen Gladbach II (1:1) verwies Jolk den Spieler wegen Schiedsrichterbeleidigung gegen Gladbach II (1:1) vom Feld.

Die Doppelbestrafung

Inzwischen hat sich das Regelwerk weiterentwickelt, unter anderem ist die Doppelbestrafung vor dieser Saison abgeschafft wurde. „Unverändert gilt sie noch bei Halten, Stoßen, Ziehen“, korrigierte Jolk am Sonntag. Aus seiner Sicht hatte er keine andere Wahl. „Ich weiß nicht, was ich gemacht haben soll, ich weiß nur, dass die Rote Karte unberechtigt ist“, war Ernst dagegen am Ende des Tages konsterniert. Auch sein Trainer suchte nach Spielende kopfschüttelnd den Kontakt zum Referee. Aber keiner der Beteiligten erlag später dem branchenüblichen Reflex, die Niederlage an den schwachen Spielleitern festzumachen. „Die Fehlpässe haben wir gespielt, wir haben die Zweikämpfe nicht gewonnen. Das Fass machen wir nicht auf“, urteilte Staffeldt.

Der Tivoli kochte, aber Nagel sorgte dafür, dass seine Mannschaft noch im Spiel blieb. Der Schlussmann wehrte brillant den Strafstoß von Glowacz ab (45.). Zehn Aachener wehrten sich leidenschaftlich, aber einen Schlüssel zu diesem Spiel fanden sie nicht mehr, trotz eines großen läuferischen Aufwands. Löhden klärte zwei Mal innerhalb weniger Sekunden gegen Canbulut auf der Linie (58.). Die Gäste vergeudeten weiterhin ihre Möglichkeiten. Nagel unterstrich seine starke Form, auch Glowacz konnte ihm mit einem knallharten Schuss aus 13 Metern nicht bezwingen (78.).

Kilic erhöhte das Risiko, stellte um auf eine Dreierkette, beorderte Löhden und Daniel Hammel ins Zentrum, aber ohne zuverlässige Ballzufuhr waren auch die beiden Hünen wirkungslos. Das Aachener Spiel blieb ziemlich flügellahm, Suzuki verpasste eine gute Vorlage von Tobias Mohr (80.), Rüter prüfte noch einmal Gästetorwart Edin Sancaktar in der Nachspielzeit, dann stand der Fehlstart am Tivoli fest. Bis Dienstag soll die Mängelliste abgearbeitet sein, dann steht der Ausflug zu RW Oberhausen an.

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