Michael Krüger glaubt an den „Pfeffer-Fußball”

Von: Christoph Pauli
Letzte Aktualisierung:
Alemannia Aachen / Michael Krüger
Erlebte eine Premiere mit vielen Ahhs und Ohhs: Alemannias neuer Trainer Michael Krüger. Foto: dpa

Frankfurt. Zu den größeren Herausforderungen im Journalistenleben gehört es, sich Torhütern in den Weg zu stellen, die gerade sechs Treffer kassiert haben. Torhüter empfinden Tore als Prügel am eigenen Leib, als „Beleidigung” hat Oliver Kahn einmal gesagt.

Die Mutprobe an diesem Abend in Frankfurt war nicht ganz so groß. Aachens Keeper Thorsten Stuckmann kam mit einer bescheidenen Quote von der Arbeit: Den sechs Treffern standen lediglich fünf Paraden gegenüber. Aber kurioserweise zählte Stuckmann immer noch zu den besseren Aachenern.

Die Partie war hin und her geschwappt und nach dem irren Spiel war Stuckmann noch so durchgeschüttelt, dass er nicht abschließend entscheiden wollte, ob er schlechte Laune haben sollte. 4:6 verlor Alemannia bei der Frankfurter Eintracht. Im Tennis wäre nach dem Ergebnis der zweite Satz angebrochen, im DFB-Pokal bricht nach dem Ergebnis der Frust über das Ausscheiden aus.

An kuriosen Szenen mangelte es nicht, Stuckmann lieferte die letzte. Beim Stande von 4:5 foulte er Schwegler, legte sofort ein Geständnis am Tatort ab, holte eilig den Ball zum Elfmeterpunkt, ermunterte den Schützen Teber zur schnellen Ausführung. „Zu dieser Partie hätte gepasst, dass ich ihn noch halte”, sagte er. Hätte.

Der Elfmeter war die finale Pointe in einer Partie mit vielen Irrungen und Wendungen. Dieses Spiel ohne große defensive Disziplin erfreut die Beobachter und erzürnt die Verantwortlichen.

Die Partie geriet aus den Fugen, was die Einhaltung der üblichen Sicherheitsvorschriften angeht. Unzählige Male standen die Abwehrspieler beider Teams brav Spalier.

Und dennoch war der Abend geeignet, um Zuversicht zu schürfen: Die Mannschaft, die unter Jürgen Seeberger nie ein Spiel gedreht hat, wehrte sich. Selbst ein 1:5-Zwischenstand erlahmte nicht die Widerstandskräfte. Die Profis, die den Trainerwechsel forciert haben, sind in der Pflicht. „Jeder muss sich dem neuen Trainer zeigen”, sagte Benny Auer, der in dieser Saison Tore nur im Doppelpack kann. „Die Aufstellung wird neu verteilt.”

An diesem Abend hatte der Trainer die Aufstellung der letzten Partie beibehalten, lediglich Gueye und Müller mussten die Plätze tauschen, weil Müller ein besserer Prellbock für den offensivfreudigen Patrick Ochs sein sollte.

Aachens neuer Trainer musste nach dem Spektakel nicht einmal mühsam die positiven Aspekte zusammenkratzen. Sie waren offensichtlich. Seine Mannschaft war widerborstig auch in auswegloser Situation geblieben, hatte ihre Stacheln nicht eingefahren. Krüger beobachtete eine Mannschaft, die an diesem Abend erst dem Debakel, dann der Sensation nahe war. Der Trainer jedenfalls hatte Spaß, der nur durch törichte Abwehrfehler gemindert wurde.

Der erste noch flüchtige Eindruck des 55-Jährigen ist positiv. „Ich bin sehr optimistisch, weil ich da eine sehr gute Gruppe vorgefunden habe. Ich kann richtig Spaß mit denen bekommen.” Die vier Buchstaben benutzte Krüger bei seiner Analyse mehrfach am Premierenabend: Spaß. Der Spaß an der Arbeit, am Training, am Beruf soll wieder größer werden. Alle Faktoren, die die Profis zuletzt reklamiert hatten.

Schon nach dem ersten Eindrücken machte Krüger ein kleines Versprechen, das gerne aufgenommen wurde. „Mit dieser Mannschaft kann du nach einer Weile richtig guten Pfeffer-Fußball spielen.”

Pfeffer-Fußball? Davon hat in Aachen schon länger keiner mehr gesprochen.
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