Aachen - Melodie aus dem letzten Loch

Melodie aus dem letzten Loch

Von: Christoph Pauli
Letzte Aktualisierung:
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Gemeinsam frieren in Oberhausen: Die Amateure Andreas Korté, Robert Wilschrey, Daniel Engelbrecht und Narciso Lubasa (von links) sind zu den Profis befördert. Foto: Micha Korb

Aachen. Am Ende wurde Mirko Casper als einziger Profi nicht eingesetzt. Der 28-Jährige Aachener kann allerhand: Rechts, links, in der Mitte, im defensiven Mittelfeld verteidigen - und auch ein bisschen stürmen. Fast immer ruft Casper zuverlässig seine Leistungen ab.

Er hat einen großen Nachteil, für den man ihn nicht verantwortlich machen will. Er kann sich nicht teilen. Um ihn herum machten sich am frostigen Freitag in Oberhausen (nach der Einwechslung von Gueye) nur noch Amateurspieler warm: Daniel Engelbrecht, Robert Wilschrey, Narciso Lubasa und Andreas Korté, die schon im letzten Jahr bei Co-Trainer Eric van der Luer in der Ausbildung waren.

Allrounder Casper blieb bis zum Abpfiff in der Warteschleife. Für die Trainer war er der letzte Mohikaner, falls noch irgendwo ein Spieler ausfallen sollte. Alemannia siegt durchaus imponierend 2:1 bei RW Oberhausen. Aber auch diese Partie war fast unnötig umkämpft bis zur letzten Sekunde.

„Das war wieder kein Spiel, in dem man den ein oder anderen Profi ein bisschen schonen konnte”, sagt Manager Erik Meijer, der es gerne etwas gemütlicher am Ende gehabt hätte. „Es wäre schön, wenn der Manager nicht in der letzten halben Stunde noch weiter zittern muss.”

In Alemannias strapazierten Kader muss längst viel stärker improvisiert werden als das beabsichtigt war. Spieler, die langsam an die 2. Liga herangeführt werden sollte, gehören fast schon zum Stammpersonal.

In diesem Kader pfeift es durch viele Löcher. „Aber auch wenn man aus dem letzten Loch pfeift, kann dabei eine schöne Melodie herauskommen”, sagt der gebeutelte Trainer Peter Hyballa.

Schon während des Spiels tauchte das nächste Problem auf. Kevin Kratz holte sich die Fünfte Gelbe Karte ab, ob der verletzte Thomas Zdebel bis Freitag fit ist, ist offen. Nico Herzig wird dann definitiv noch geschont.

Götze ein Kandidat

„Wir müssen uns bis zur Winterpause durchbeißen und dann darauf hoffen, dass der eine oder andere Verletzte wieder Anschluss findet”, sagt Meijer.

In der Winterpause soll die Mannschaft ein bisschen aufgepeppt werden.

Fabian Götze, 20, Bruder von Nationalspieler Mario, wäre ein Kandidat. Bei Trainer Peter Hyballa war er der Kapitän von Borussia Dortmunds A-Jugend. Anfang des Jahres wechselte der Linksverteidiger zu Mainz 05, wo er bislang nur in der Regionalliga-Mannschaft unterwegs ist.

In dieser Woche spielte András Simon am Tivoli vor. Der wuchtige Stürmer hat seinen Vertrag bei der Reserve des FC Liverpool vor ein paar Tagen aufgelöst. In der Woche hinterließ der 20-jährige Ungar einen guten Eindruck bei Meijer: „Sehr gute Grundausbildung, gut im Abschluss.”

Das Casting wird in der übernächsten Woche fortgesetzt. Dabei hat Alemannia in dieser Saison keine guten Erfahrungen mit solchen Castings gemacht. Henrik Ojamaa und Juvhel Tsoumou gingen als Sieger eines solchen Wettbewerbs im Sommer hervor.

Die Stürmer haben sich allerdings nicht weiter entwickelt, die Trainer sind unzufrieden mit dem Nachwuchs. In Oberhausen reichte es nicht einmal für einen Platz im schwindsüchtigen Kader. Ojamaa soll Spielpraxis erhalten, eine Ausleihe im Winter zeichnet sich ab. „Bei Tsoumou überlegen wir, was die beste Lösung ist.” Solche Planspiele will Hyballa nur mitmachen, falls ihm Ersatz auf den Hof gestellt wird.

Das prinzipielle Casting-Verfahren stellt Meijer nicht in Frage. „In unserer finanziellen Situation, in der wir keine Ablöse zahlen können, haben wir keine andere Möglichkeit.”

Fast nach der Hälfte der Saison hat sich die Tabelle für eine Aufstiegszone aus sieben Teams entschieden. Alemannia sieht von Platz 9 aus entfernt die Rücklichter dieser Klubs. Fünf Siege, fünf Niederlagen, fünf Unentschieden ist die denkbar ausgeglichene Bilanz.

Der immer noch spielstarke Mini-Kader hat ein lösbares Dezemberprogramm vor der Brust. Folglich stellte Kapitän Benny Auer auch nach dem Schlusspfiff in Oberhausen in der Kabine gleich die Weichen: „Das waren die ersten von neun angestrebten Punkten in den letzten drei Spielen.”
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