Aachen - „Matze” Lehmann: Ein Löwe mit scharfen Krallen

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„Matze” Lehmann: Ein Löwe mit scharfen Krallen

Von: Benjamin Jansen
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Publikumsliebling und Diva: Ob bei 1860 München, Aachen oder in St. Pauli - Matthias Lehmann ist ein Typ, der polarisiert. Er rackert als zentraler Mittelfeldspieler vor der Abwehr, zeichnet sich durch ein überdurchschnittlich gutes Zweikampfverhalten aus und besitzt nebenbei auch noch Spielmacherqualitäten. Foto: dapd

Aachen. Matthias Lehmann kullerten die Tränen über die Wangen. 21.200 Zuschauer schmetterten die Alemannia-Hymne „You´ll never walk alone”, als Aachens Kapitän mit Blumen und einer sündhaft teuren Uhr verabschiedet wurde. Die Herzen der schwarz-gelben Anhänger hatte „Matze” in drei Jahren erobert, „in drei richtig guten Jahren”. Doch die Zeichen standen auf Neuanfang.

Der alte Tivoli wurde in Rente geschickt, während die Arbeiten für den neuen Kultkasten auf Hochtouren liefen. Für Lehmann war darin kein Platz mehr vorgesehen. Denn zur neuen Aufbruchstimmung sollten neue Spieler beitragen. Im Bundesligajahr war der gebürtige Ulmer noch als Rekordeinkauf zu Schwarz-Gelb gewechselt: 900.000 Euro überwiesen Schmadtke und Co. an den TSV 1860 München. Eine Investition in die Zukunft - dachte man damals.

Jüngster Kapitän der Vereinsgeschichte

Lehmann kam mit der Empfehlung von 16 U21-Einsätzen und dem „Kicker”-Prädikat, der „beste defensive Mittelfeldspieler der zweiten Bundesliga” zu sein. Seit seinem 15. Lebensjahr hatte der technisch versierte Youngster alle DFB-Nachwuchsmannschaften durchlaufen, bei den „Löwen” stieg er mit 22 Jahren zum jüngsten Kapitän der Vereinsgeschichte auf.

Doch in Aachen tickten die Uhren anders. Der Mann mit der Rückennumer 20 fand mit Reiner Plaßhenrich und Cristian Fiel gleich zwei Konkurrenten vor, die ihren Stammplatz im zentralen Mittelfeld nicht kampflos hergaben.

Auf „Matze” zu verzichten, stellte aber auch keine adäquate Lösung für Michael Frontzeck dar. Zu gut waren dessen Zweikampfwerte, zu stark seine Schusstechnik. Das System wurde umgebaut, Lehmann bekam mehr Einsatzzeiten und mehr Verantwortung. 30 Bundesliga- und 65 Zweitligaspiele absolvierte er im Aachener Dress, in Liga 2 trug er stellvertretend für den verletzten Plaßhenrich die Kapitänsbinde.

Doch auch in Aachen sollte Lehmann seinem Ruf als nicht gerade pflegeleichter Typ alle Ehre machen. Er eckte häufig mit seinen Vorgesetzten an, was ihm den Ruf der Diva einbrachte. Besonders unter Seeberger wurde er häufig zum Bankangestellten - trotz Kapitänsbinde. „Die Qualität ist halt sehr groß auf seiner Position”, suchte der damalige Alemannen-Coach nach Erklärungsversuchen.

Highlight aufgespart

Lehmann gab die Antwort auf dem Platz. Seeberger kam nicht mehr an ihm vorbei, nachdem "Matze" Woche für Woche überzeugende Leistungen ablieferte. Das letzte Highlight sparte sich der damals 25-Jährige für den Tivoli-Abschied auf: Er leitete beim 4:0 gegen Augsburg den Torreigen ein - mit einem typischen Lehmann-Kracher.

Eineinhalb Jahre, 33 Zweit- und acht Erstligaspiele später hat sich sein Spielstil nicht verändert: Er geht nach wie vor keinem Zweikampf aus dem Weg und schießt gerne aus der zweiten Reihe. Er kann einem Spiel seinen Stempel aufdrücken, aber auch mit einer Mannschaft untergehen. Nur sind letztere Spiele eher selten geworden, seitdem Matthias Lehmann seine sportliche Heimat gefunden hat: beim FC St. Pauli.

Auf dem Kiez brillierte der ablösefreie Neuzugang gleich in seiner ersten Saison und bestätigte somit das Urteil seines neuen Ziehvaters. „So einer hat uns noch gefehlt”, sagt Holger Stanislawski.

„Der beste Lehmann aller Zeiten”

In der Aufstiegssaison hatte Lehmann die meisten Ballkontakte, hervorragende Zweikampfwerte und glänzte nebenbei auch als Vorbereiter und Torschütze. „Der beste Lehmann aller Zeiten”, titelte der „Kicker” bereits in der Vorrunde - was der 27-Jährige in der Rückrunde eindrucksvoll bestätigte: Mit acht Toren und sechs Assists war Lehmann maßgeblich am Aufstieg der Paulianer beschäftigt.

Eine Etage höher sorgen die Kiez-Kicker ebenfalls für Furore - mit einem starken Matthias Lehmann als Mittelfeldchef. Der 27-Jährige feuert auch in Liga 1 aus allen Lagen. Sein erster Saisontreffer lässt aber noch auf sich warten. Vermutlich nicht mehr lange.

Steckbrief (Quelle: www.transfermarkt.de):

Geburtsdatum: 28.05.1983
Geburtsort: Ulm
Alter: 27
Größe: 1,79
Nationalität: Deutschland
Position: zentrales Mittelfeld
Debüt 1. Bundesliga: 01. 11.2003 für 1860 München

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