Markus Daun steht kurz vor dem Platzverweis

Von: Christoph Pauli
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Der Mann für die spektakulären Tore: Marco Höger bringt Aachen mit einem fulminanten Kopfball in Führung. Foto: Wolfgang Birkenstock

Aachen. Markus Daun saß ahnungslos auf der Tribüne. Seit 15 Monaten fehlt Alemannias Angreifer mit einem Knieschaden, doch am Sonntag stand er dann im Mittelpunkt - ohne es zu wissen.

„Wo ist die Nummer 11, die bekommt jetzt die Rote Karte?”, erkundigte sich am Tivoli Dr. Felix Brych bei Alemannias Verteidiger Thomas Stehle (Nummer 17).

Gespielt waren da 66 Minuten, und der Schiedsrichter hatte auf Strafstoß für den MSV Duisburg entschieden. Foul, Notbremse, Rote Karte. Doch weil Markus Daun mit der Nummer 11 als Sünder ausfiel, blieb die Suche folgenlos...

Der Jurist Brych und seine Fehlurteile waren das große Thema am Ende eines spektakulären Spiels. 2:2 stand es, als Brych final in sein Pfeifchen blies - zufrieden ging keiner der 19.038 Zuschauer nach Hause. Es war ein Nachmittag der verpassten Möglichkeiten.

Aachen war schon im ersten Durchgang die präsentere Mannschaft. Mal verpasste Stieber, mal Junglas, dann kam Auer einen Schritt zu spät. Dennoch wurden die Fesseln der Partie zunächst nicht richtig gesprengt, keine Mannschaft flirtete mit dem Risiko.

Das Korsett einer eher taktisch geprägten Partie wurde nach 64 Minuten gesprengt. Achenbachs präzise Flanke schmetterte Marco Höger per Kopf ins Netz. Gegen eines der kopfballstärksten Teams der Liga gelang den Hausherren eine schöne Pointe.

Der Rückenwind bekam den Aachenern auch diesmal nicht. Feisthammel spielte ohne Not Olcay Sahan den Ball zu, und der Duisburger Flügelspieler zog davon. Stehle und Keeper Hohs stellten ihn exakt an der Strafraumgrenze, und damit schien der Schaden abgewendet.

Nach sekundenlanger Überlegung entschied sich Brych dann doch für einen Strafstoß, den die TV-Bilder später nicht hergaben. Brych fand zunächst keinen Abnehmer für die Rote Karte, den Strafstoß verwandelte Goran Sukalo zum 1:1 (67.), obwohl er wegrutschte.

„Dieser Elfmeter entscheidet das Spiel, der Schiedsrichter war der schlechteste Mann auf dem Platz”, wütete Alemannias Manager Erik Meijer später. „Alle vier Schiedsrichter hatten einen schlechten Tag. Sie wären besser heute morgen im Bett bei ihren Frauen geblieben.”

Nach dem Spiel wurde ein Konvent über die Auswirkungen von falschen Schiedsrichterentscheidungen getroffen. Teilnehmer gab es aus beiden Lagern. Denn auch die Duisburger zürnten.

Brych fand nur eine Minute nach dem falschen Strafstoß doch noch einen Adressaten für eine Rote Karte. Bruno Gabriel Soares bekam nach einem allenfalls harmlosen Foul zu spüren, dass Brych die Kontrolle über das Spiel verloren hatte.

„Er bekommt für eine faire Aktion den Platzverweis, das ist eine Entscheidung gegen den Fußball”, war auch sein Trainer Milan Sasic nicht zu beruhigen. „Das darf keine Strafe nach sich ziehen.”

Die Partie blieb munter. Nach den nächsten Fehlern der Aachener Innenverteidiger gelang Duisburgs überraschend genesener Kapitän Baljak ein prächtiger Heber zum 1:2 (71.).

Das war nicht der letzte Streich an diesem Nachmittag, das Publikum peitschte Aachen nach vorne, Auer gelang der Ausgleich (86.), am Ende hätte dieses Spiel fast noch einen Sieger gefunden, Uludag scheiterte knapp (88.).

Und so hatte Aachens Trainer Peter Hyballa wieder sein Déjà-vu-Erlebnis, auch gegen diese Spitzenmannschaft war ein Erfolg möglich.

„Ich bin begeistert von der Spielstruktur. Diese Mannschaft und ihr junger Trainer wollen Fußball spielen.” Bis zur letzten Sekunde kämpfte das Team leidenschaftlich um den möglichen Sieg. „Diese Low-Budget-Truppe ist richtig gut.”

Ein Teil der Wahrheit ist aber auch, dass sich die Gruppe fast regelmäßig selbst um den Erfolg bringt. „Hinten haben wir zu viele Böcke, vorne machen wir die Dinger nicht rein”, reagierte Hyballa genervt auf die Komplimente, die auch diesmal wieder aufs Team einprasselten. „Wenn du die Möglichkeiten nicht nutzt, hängst du eben im Mittelfeld fest.”

Mit den Irrungen des Spielleiters wollte sich Hyballa nicht beschäftigen. „Warum soll ich die Schuld bei anderen suchen, wir hatten es selbst in der Hand?”

Später räumte der Schiedsrichterbeobachter Jürgen Webers die eine oder andere Unzulänglichkeit seines Zöglings ein. Brych wollte schweigen, er verließ den Tatort durch die Hintertür. Fast schade, denn sonst hätte er auf dem Heimweg den ahnungslosen Reha-Patienten Markus Daun getroffen.
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