Marco Höger: Karriereschub in Rekordzeit

Von: Klaus Schmidt
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Für keine „Drecksarbeit” zu schade: Marco Höger, der Alemanne fürs rechte Mittelfeld. Foto: Olaf Rohl

Aachen. Fußballer sind ja manchmal dem Aberglauben verfallen. Michael Schulz kann sich dem immer noch nicht entziehen, und so wird der ehemalige Bundesliga-Profi auch am Mittwoch nicht im Stadion sein, sondern vor dem Fernseher sitzen. Wie bei Alemannias Pokalsieg gegen den FSV Mainz 05, wie beim Elfmeter-Krimi gegen Eintracht Frankfurt.

„Das hat ja zwei Mal gut funktioniert”, sagt Schulz - in der Hoffnung auf den dritten Streich auch seines Klienten. Alemannias Nummer 37 wird von Schulz betreut, Marco Höger steht an diesem Mittwochabend vor dem bislang größten Spiel seiner jungen Karriere. Am Samstag noch gegen den Karlsruher Andreas Schäfer, heute (ab 20.30 Uhr) gegen den Bayern Danijel Pranjic. „Das hört sich schon anders an”, sagt Höger. „Aber auf dem Platz spielt es keine Rolle, wer vor einem steht, ob großer oder kleiner Name.”

„Mit den Besten messen”

Vor einem Jahr und drei Tagen lief Marco Höger in Duisburg vor 100 Zuschauern in der NRW-Liga gegen die Zweite Mannschaft des MSV auf. Nun sind 32.300 im Stadion, mehr als der Rekordmeister, Rekordpokalsieger und Champions-League-Finalist geht als sportliche Herausforderung nicht. „100 Prozent Vorfreude” auch beim gebürtigen Kölner: „Wir können uns mit den Besten messen. Jeder von uns weiß dann, wo er steht, woran er noch arbeiten muss. Das ist eine Riesenchance für jeden einzelnen, dazuzulernen - und vielleicht für eine Überraschung zu sorgen.”

Dauerbrenner im rechten Mittelfeld

Höger, 21, hat in Rekordzeit einen Karriereschub vollbracht, den er selbst kaum für möglich hielt. „Das gibt es nicht allzu oft - von der U23 zu den Profis aufzusteigen und dann keine Minute mehr zu verpassen.” Schon seit Dezember 2009 hatte Höger unter Michael Krüger trainiert; als die Verletzungsnot immer größere Ausmaße annahm, warf der damalige Alemannia-Coach den Kapitän der Amateure ins kalte Wasser. Seit dem 6. März vergangenen Jahres (1:3 bei Energie Cottbus) absolvierte Höger jede Pflichtspiel-Sekunde - und schrieb im DFB-Pokal seine eigene Erfolgsgeschichte: Ob bei Schwarz-Weiß Essen, gegen Mainz oder Frankfurt, in jeder Runde traf der Mann fürs rechte Mittelfeld.

Entscheidenden Anteil an seiner Entwicklung hat Eric van der Luer. Der ehemalige U23- und heutige Assistenzcoach von Peter Hyballa brachte Marco Höger in die Spur, als der nach Verletzungen immer wieder mit ein paar Kilo zu viel auf den Rippen zurückgekommen war. „Ich hatte in den Pausen einfach nichts oder zu wenig gemacht.” Seine fußballerischen Qualitäten waren Michael Schulz bei den A-Junioren aufgefallen, in einem Spiel gegen Borussia Dortmund. „Marco sah eher unsportlich aus. Aber er hat einen grandiosen Stiefel gespielt.” Besser als umgekehrt: An der körperlichen Verfassung konnte Höger arbeiten; kombiniert mit seinem Talent, Spielverständnis und Ehrgeiz wuchs er zum „Leithammel” unter Alemannias „jungen Wilden” heran. Höger ist Mitglied des Mannschaftsrates, „auch die erfahreneren Kollegen nehmen durchaus etwas von mir an”.

Kein Geheimtipp mehr

Die Trainer geben ihm seit Saisonbeginn viel Verantwortung mit auf den Platz, Marco Höger erwidert das Vertrauen mit überwiegend starken Leistungen. Unter den Bundesliga-Scouts gilt der Aachener schon seit Monaten nicht mehr als Geheimtipp, Höger lässt auch keinen Zweifel daran, dass er auf die erste Klasse hinarbeitet. „Am liebsten mit Alemannia”, der erste Profivertrag läuft noch bis Sommer 2012. Momentan ist es still an der Verhandlungsfront: Es gibt weder Gespräche über eine vorzeitige Verlängerung des Kontrakts noch Anfragen anderer Klubs. Höger will davon auch garnichts wissen. „Klar im Kopf bleiben, nicht verrückt machen lassen.”

Für die Bayern waren noch nie Sympathien erkennbar, „ich war immer gegen Bayern”. Nach dem Montags-Training haben sie am Tivoli Elfmeter geschossen, „nur aus Spaß”. Marco Höger hätte nichts dagegen, wenn daraus heute Abend Ernst wird.
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