Krimi am Tivoli: Rund 70 Millionen Euro in den Sand gesetzt

Von: Christoph Pauli
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Verein in Schieflage: Rolf-Dieter Mönning. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Erschütternde Zahlen: „Hier sind 65 bis 70 Millionen Euro in den Sand gesetzt worden“, sagt Rolf-Dieter Mönning, Sachwalter beim insolventen Fußballklub Alemannia Aachen. Der Drittliga-Absteiger kann Mittwochabend im Pokalfinale des Fußball Verbandes Mittelrhein in Bonn gegen den künftigen Viertliga-„Kollegen“ Fortuna Köln hinter eine desaströse Saison ein kleines Ausrufezeichen setzen.

Mit einem Sieg wäre die Alemannia für die erste Hauptrunde im DFB-Pokal qualifiziert und würde 100.000 Euro verdienen – die jedoch in die Insolvenzmasse flössen.

Ausführliche Stellungnahme

Vor der Eröffnung des Insolvenzverfahrens am 1. Juni nehmen Mönning und Interims-Geschäftsführer Michael Mönig im Interview mit unserer Zeitung ausführlich Stellung zur bedrohlichen Lage. Mönning: „Wir sind in einem Wirtschafts-Insolvenzverfahren mit einem Schaden von fast 70 Millionen Euro. Ein Wirtschaftskrimi.“

Doch die beiden Juristen versprühen auch leichten Optimismus. Zu den Sanierungsaussichten sagt Mönig: „Wir schauen gerade in eine Glaskugel. Aber wir haben schon einiges bewegt. Wir spielen noch, haben ein Stadion, treue Fans und interessierte Sponsoren. Welcher Verein, wenn nicht Alemannia, würde eine Sanierung schaffen?“

Doch die Zahlen lügen nicht, und für Mönning und Mönig haben fast alle Gremiumsmitglieder mit ihrem kollektiven Versagen zur Insolvenz beigetragen.

Angesichts der 65 bis 70 Millionen Euro, die in den Sand gesetzt wurden, müsse sich doch auch der Gutwilligste fragen, „ob er seiner Verantwortung gerecht geworden ist. Man muss sich einfach nur neben dem Strafrecht und dem Insolvenzrecht auch den psychologischen Flurschaden ansehen: Land und Stadt haben öffentliche Gelder investiert, die AachenMünchener hat erheblich geholfen, private Personen haben ein Darlehen gegeben, Fans haben Freizeit und Sparschweine geopfert. Das Vertrauen ist missbraucht worden, das kann für die Stadt auf Jahre hinaus Folgen haben.“

Dass auch gegen Sportdirektor Uwe Scherr ein Ermittlungsverfahren läuft, beunruhigt die Juristen nicht. Mönning: „Wir haben nichts gefunden, was ihn belasten könnte.“

Das ausführliche Interview lesen Sie in unserer Druckausgabe und im ePaper.

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