Kraftpaket Torunarigha und sein Kampf gegen die Ketten

Von: Christoph Pauli
Letzte Aktualisierung:
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Der Stürmer und die Schiedsrichter: Junior Torunarigha wundert sich über die ersten Eindrücke im Ligabetrieb.

Aachen. Die Jury bestand aus zwei Abwehrspielern mit Türsteherfigur. Jannik Löhden und Jerome Propheter prallten auf den Testspieler Junior Torunarigha. Es schepperte richtig, als die kantigen Spieler aufeinandertrafen. Nach dem Training wollte Trainer Fuat Kilic von seinen Spielern die gesammelten Eindrücke erfahren.

„Mit seiner Wucht ist er schwer zu bespielen“, stöhnten Löhden und Propheter. Das war noch einmal ein Qualitätsmerkmal, denn die beiden galten in der Rückrunde als das beste Innenverteidiger-Paar der Regionalliga. Das deckte sich mit den Erkenntnissen des Trainers, dem der Spieler beim Testspiel gegen Fortuna Sittard im Frühjahr aufgefallen war. Torunarigha ist ein Stürmer, der extrem stark gegen den Ball arbeitet, der Spaß daran hat, eine ganze Kette von Abwehrspielern zu stressen.

Wie die Geschichte weiterging, ist bekannt. Die Verteidiger Löhden und Propheter suchten andere, lukrativere Herausforderungen, der Stürmer Torunarigha heuerte dagegen am Tivoli an. Ein Umzug war nicht mal notwendig, der Angreifer wohnt schon seit seinem Engagement im Nachbarland mit seiner Freundin in Aachen.

In den ersten Wochen am Tivoli hat er einen ziemlichen Fitnessrückstand abgearbeitet, inzwischen stimmen die Werte. Nur die Torquote noch nicht. Eine zweistellige Zahl könnte es schon sein, ist sein Vorsatz. „In den torgefährlichen Räumen fehlt ihm noch eine Nuance“, sagt sein neuer Trainer. In den ersten Spielen fehlten ein paar Zentimeter, in der Partie am Samstag gegen den SV Rödinghausen folgt der nächste Anlauf.

Juniors Bruder Jordan ist Verteidiger bei Hertha BSC. Die beiden trainierten in der Jugend beim Hauptstadtklub. Trainer war ihr Vater Ojokojo Torunarigha. Der 47-Jährige ist ein ehemaliger nigerianischer Nationalspieler und Trainer, nach dem Mauerfall war er der erste afrikanische Profi in Ostdeutschland.

Vor ein paar Jahren hat sein Vater über Junior gesagt: „Vielleicht war er zu lieb und zu vernünftig für den Fußball.“ Das Thema Torunarigha und der Umgang im Fußball hat Kilic letzte Woche empört aufgegriffen. „Die Schiedsrichter haben auch die Aufgabe, die Angreifer zu schützen“, ärgerte sich Kilic. Der Coach hat das Thema früh in der Saison besetzt. Gegen seinen Stürmer wurden etliche Fouls gepfiffen, aber als selbst ein Ellenbogenschlag gegen den 27-Jährigen folgenlos blieb, platzte Kilic der Kragen. Von seinem Spieler erwartet er keine „Anpassung“: „Er soll unangenehm für die Gegenspieler sein, aber nicht dreckig spielen.“

In dieser Woche haben Trainer und Stürmer viel gesprochen. Torunarigha ist gespannt, ob sich an seinem Stürmerleben etwas ändert. „Mal sehen, ob sie mehr Zweikämpfe von mir durchgehen lassen.“ Die ersten Eindrücke in der Liga haben ihn schon gewundert. Er hat einiges abgekommen. „Die Schiedsrichter denken vielleicht, dass ich groß und stark bin und alles aushalten muss.“

In der Tat ist er so groß und stark wie kein anderer im Kader. Der 27-Jährige hat einen Sechser in der Gen-Lotterie gezogen. 95 Kilogramm verteilt auf muskulöse 192 Zentimeter. „Der muss die Hantel nur angucken, schon wächst der Muskel“, staunt der eher schmächtige Meik Kühnel.

Für seinen Trainer könnte Torunarigha noch ein, zwei, drei Kilo an Masse verlieren. Auch diesen Hinweis will der lernbegierige Stürmer befolgen. Die Ernährung ist bereits ein bisschen umgestellt, und den Kraftraum will er vorerst meiden. Aber ohnehin wachsen die Muskeln bei ihm ja auch schon, wenn er am Gym nur vorbeigeht ...

Mögliche Aufstellung: Depta - Heinze, Pluntke, Fiedler - Winter, Kühnel, Fejzullahu, Pütz, Mohr - Hammel, Torunarigha

Schiedsrichter: Mitja Stegemann (Niederkassel)

Bilanz: 6 Spiele/4 Siege/2 Niederlagen/ 11:3 Tore

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