Kraemer zu Bewährungsstrafe verurteilt

Von: Marlon Gego und Christoph Pauli
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Kraemer
Der frühere Geschäftsführer von Alemannia Aachen, Frithjof Kraemer, ist am Mittwochmittag zu einer Bewährungsstrafe von 18 Monaten Haft und einer Geldstrafe verurteilt worden. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Das Aachener Landgericht hat den früheren Geschäftsführer von Alemannia Aachen, Frithjof Kraemer, am Mittwochmittag zu einer Bewährungsstrafe von 18 Monaten Haft verurteilt. Außerdem muss Kraemer eine Geldbuße in Höhe von 50.000 Euro zahlen.

Das Urteil stellte keine Überraschung mehr da, weil sich Staatsanwaltschaft, Kraemer, seine Verteidiger und das Gericht auf die Eckdaten des Urteils verständigt hatten. Im Gegenzug hatte Kraemer ein umfassendes Geständnis abgelegt, und zwar ein persönlich vorgetragenes. „Das von Reue und von Verantwortungsübernahme geprägt war“, wie der Vorsitzende Richter Matthias Quarch in der Urteilsbegründung feststellte. „Wir haben gespürt, dass Kraemer bis heute unter seinem Fehlverhalten leidet“, sagte Quarch weiter. Kraemer Geständnis sei von einer Qualität gewesen, „wie wir sie hier nicht alle Tage zu hören bekommen“.

Richter Quarch lobte auch die Ermittlungsarbeit der Kölner Staatsanwaltschaft, die seit 2012 mit der strafrechtlichen Aufarbeitung der ersten Insolvenz des damaligen Drittligisten Alemannia Aachen befasst war. Zwar hätten die „gründlichen, sorgfältigen und umfänglichen“ Ermittlungen nur zu einer Verurteilung geführt; „aber nicht jede Insolvenz hat einen kriminellen Hintergrund“, sagte Quarch. Auch das sei ein wichtiges Ergebnis des Prozesses gewesen.

In der Tat wurde Kraemer am Ende wegen 39 Fällen von Bankrotts verurteilt. Diese 39 Straftaten kamen durch 30 Überweisungen in einer Gesamthöhe von etwa 750.000 Euro zustande, mit denen die Alemannia Aachen GmbH 2012 die zahlungsunfähige und überschuldete Alemannia Aachen Stadion GmbH künstlich am Leben gehalten hatte. Beide Gesellschaften mussten später Insolvenz anmelden. Weiteres strafrechtliches Verhalten sei Kraemer „nicht zweifelsfrei nachzuweisen“ gewesen, sagte Quarch in der Urteilsbegründung noch einmal.

Kraemers Verteidiger Tido Park hatte vorher in seinem Plädoyer erklärt, dass Kraemer sich „ein bisschen als Sündenbock sieht“. Er sei damals im Verein von Wirtschaftsprüfern umgeben gewesen, alles, was er getan habe, sei zum Besten des Vereins gewesen. In der Folgezeit sei er „wie eine Sau durchs Dorf getrieben worden“. Außer einem von Kraemers Mitarbeiter, gegen den das Verfahren gegen Zahlung von 5000 Euro eingestellt worden war, hatte niemand Verantwortung für den Niedergang des Vereins übernommen, Kraemer stand allein. „Was das für ihn und seine Familie bedeutet hat, kann sich jeder vorstellen“, sagte Park.

Der vom Gericht gelobte Staatsanwalt René Seppi stellte heraus, dass er während seiner Ermittlungen durchaus nicht übersehen habe, wie viele Beteiligte bei der Alemannia mitgemischt hätten, Institutionen wie Personen. „Die Lage war undurchsichtig“, sagte Seppi. Am Ende blieben nur die 39 Überweisungen übrig, die von strafrechtlicher Relevanz waren. Für andere Straftaten habe es einfach an Belegen, Hinweisen und Zeugenaussagen gefehlt.

Der Prozess gegen Kraemer hätte, wäre es nicht zur Verständigung aller Beteiligten gekommen, Monate gedauert, vielleicht Jahre. Richter Quarch lobte daher die „produktive Zusammenarbeit“ und stellte am Ende gütig fest: „Die Alemannia spielt in der vierten Liga, die Verteidiger des Angeklagten und der Staatsanwalt spielen in der ersten Liga. In welcher Liga das Gericht spielt, müssen andere beurteilen.“ Gelächter, Ende des Prozesses.

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