Kommt es zum Prozess gegen Frithjof Kraemer?

Von: Christoph Pauli
Letzte Aktualisierung:
13884172.jpg
Die Kölner Staatsanwaltschaft wirft Frithjof Kraemer Insolvenzverschleppung und Untreue während seiner Zeit bei Alemannia Aachen vor. Doch ob es zum Prozess kommt, steht immer noch nicht fest Foto: Steindl

Aachen. Die Geschichte begann im November 2012, als Alemannias Insolvenz gerade öffentlich wurde. Die Stadt Aachen stellte eine Strafanzeige wegen Betrugsverdacht gegen Alemannias ehemaligen Geschäftsführer Frithjof Kraemer „und gegebenenfalls gegen andere Personen“.

Ohnehin wurde damals bei der Aachener Staatsanwaltschaft nach einer anderen konkreten Anzeige bereits gegen „Verantwortliche“ ermittelt.

Untreue in 40 Fällen

Die Kommune hatte dem Verein noch im Sommer 2012 bei der Umfinanzierung der horrenden Stadionkredite geholfen und fühlte sich hinters Licht geführt. Kraemer, der kurz zuvor am Tivoli entlassen wurde, reagierte damals zuversichtlich: „Ich weise die Beschuldigung, die Stadt Aachen im Verfahren zur Umschuldung der Stadionkredite getäuscht zu haben, entschieden zurück. Ich habe mir nichts vorzuwerfen. Dies wird das staatsanwaltliche Ermittlungsverfahren bestätigen.“

Dieses Verfahren zieht sich zäh hin. Die Aachener übergab das Verfahren schnell an die Kölner Staatsanwaltschaft. Unter dem Aktenzeichen 115 Js 191/12 ermittelte dort jahrelang die Schwerpunkt-Staatsanwaltschaft des Bezirks für Wirtschaftskriminalität wegen des Verdachts der „Insolvenzverschleppung, des Betrugs und der Untreue“.

Alemannias Insolvenzverwalter hatte in seinem Gutachten ermittelt, dass der Verein schon Anfang März 2012 zahlungsunfähig gewesen sein soll. Tatsächlich wurde die Insolvenz erst Ende jenen Jahres angemeldet. Etwa 15.000 sichergestellte Aktenseiten mussten von der eher unterbesetzten Behörde durchforstet werden, dutzende Zeugen wurden zum Gespräch geladen.

Nach drei Jahren, im November 2015 war es dann soweit. Die Ermittler erhoben Anklage gegen Kraemer und den ehemaligen „Bereichsleiter Finanzen und Controlling“. Die Staatsanwälte listeten eine Insolvenzverschleppung in drei Fällen und Untreue in 40 Fällen auf. Vier Mal geht die Behörde dabei von einem „besonders schweren Fall“ aus, tateinheitlich soll es sich dabei in 39 Fällen auch um Bankrott handeln. Kraemer droht eine Gefängnisstrafe – in besonders schweren Fällen sieht der Gesetzgeber einen Strafrahmen von sechs Monaten bis zehn Jahren vor.

Bei Kraemer liegen nach Ansicht der Staatsanwälte gleich mehrere „schwere Fälle“ vor. So formulierte es ein Behördensprecher vor gut einem Jahr. Der ehemalige Geschäftsführer, der jetzt bei einer Bank arbeitet, die Fußballklubs in finanziellen Schwierigkeiten hilft, wollte sich am Mittwoch nicht zum laufenden Verfahren äußern.

Aktenberge am Landgericht

Bei der Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Aachen liegen die Aktenberge seit dem 2. November 2015. Seitdem wird geprüft, ob es zum beantragen Verfahren kommen wird. „Diese Verfahrensdauer ist völlig normal“, sagt Landgerichtssprecher Daniel Kurth. Denn die Kammer muss sich auch um allgemeine Strafsachen kümmern, generell haben Haftsachen Vorrang. Wann die interne Prüfung beendet ist, ist auch über vier Jahren nach der Anzeige nicht absehbar.

Leserkommentare

Leserkommentare (3)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert