Kommentiert: Die Ernte abwarten

Kommentiert: Die Ernte abwarten

Von: Christoph Pauli
Letzte Aktualisierung:
Christoph Pauli

Die ersten Ideen von Andreas Bornemann haben nicht so funktioniert. Vom neuen Spieler Jochen Seitz ist nur ein teurer Umzug im Gedächtnis, Hervé Oussalé gilt unverändert als mindestens schwierig. Als erste Amtshandlung verlängerte Bornemann vor einem Jahr den Vertrag mit Trainer Jürgen Seeberger. Meistens folgt der Hinweis: „ohne Not”, in Wahrheit war der Verein wohl schon „in Not”, nämlich finanziell so schwach auf der Brust, dass er sich Alternativen nicht erlauben konnte.

Bei der Personalie hat Bornemann vermutlich mildernde Umstände, aber er hätte die vielen Warnungen ernst nehmen sollen.

So ist im Spätsommer der Eindruck entstanden, dass die Mannschaft den Trainer entlassen habe. Es wäre aber am Manager gewesen, eine solche Entwicklung zu moderieren und gegebenenfalls zu bremsen. Bornemann hat den Prozess ausgesessen. Es folgte eine beispiellose Findungsphase. 100 Trainer wurden nach eigener Aussage gescannt. Das wirkte alles überrascht und stellenweise überfordert, dabei war der Seeberger-Abschied ein Dauerthema, seitdem Bornemann den Dienst antrat. Warum sich die Suche so hinzog, wieso nicht ein fertiges Profil aus dem Schreibtisch gezogen wurde, bleibt ein Geheimnis. Am Ende der wochenlangen Fahndung standen zwei Kandidaten, Bornemann-Favorit Peter Vollmann fiel klar durch.

Sieht so eine Erfolgsgeschichte aus? Und was ist aus der Mannschaft geworden? Auf diverse Unwuchten ist bereits vor der Saison hingewiesen worden. Die Gruppe hat so wenig Euphorie im neuen Tivoli entfacht, dass Tausende Dauerkartenbesitzer zuletzt fernblieben.

Der Mannschaft fehlen die schnellen Außenspieler, Alternativen wie Naki, Ilicevic oder Sam waren auf dem Markt und sind bei Vereinen gelandet, die nicht als potenter gelten. Der Weggang von Lewis Holtby war absehbar. Die Lücke gilt bis heute als nicht geschlossen.

Stattdessen wurde ein gelernter Stürmer wie Babacar Gueye verpflichtet, der nun umgeschult wird. Der Transfer kostet geschätzte zwei Millionen Euro (Ablöse, Beraterhonorar, Vierjahres-Vertrag). Das ist ein ambitionierter Preis für einen Verein, der sich derzeit nicht einmal eigene Trainingsplätze für die Jugend leisten kann. Gescoutet wurde der Spieler nicht, selbst der Trainer kannte ihn nicht bei der Ankunft. Es ist eine Bornemann-Idee, von der noch keiner sagen kann, ob es eine gute ist.

Offene Baustellen

Andere Baustellen im Kader (linker Verteidiger, Stürmer) wurden kaum geschlossen. Und noch ist es zu früh für ein Urteil, ob neue Spieler wie Burkhardt, Adlung, Demai dem Team weiterhelfen. Bislang überzeugen Spieler wie Kratz oder Junglas, die zuletzt noch für Amateurteams unterwegs waren.

Dafür ging mit Christoph Moritz ein junger Mann vom Hof, der sagt, dass man sich in Aachen nur alibihaft um sein Verweilen gekümmert habe. Der Vorwurf des Schalkers geht auch Bornemann-Vorgänger Jörg Schmadtke an, aber eben nicht nur. In der Summe jedenfalls klingt die Bilanz von Andreas Bornemann durchaus nicht nach großer Erfolgsgeschichte.

Vor einem knappen Jahr ist der Vertrag mit Seeberger verlängert worden, auch um den Verein zu „beruhigen”. Am Ende musste der Klub die vertraglich zugesicherten Monatsgehälter für einen Entlassenen bezahlen. Macht es also wirklich Sinn, jetzt den Bornemann-Vertrag zu verlängern, ohne zu wissen, wie dessen Ernte ausfällt?
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