Kölmel und Alemannia: „Zur Insolvenz wird es nicht kommen“

Von: Christoph Pauli
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Setzt auf den Dialog mit Alemannia: Michael Kölmel. Foto: sport/team 2

Aachen. Die Geschäftsidee von Michael Kölmel ist es jahrelang gewesen, gestrandete Traditionsvereine mit Millionenspritzen aufzupäppeln. Nach eigenen Angaben hat der Unternehmer, der seit einigen Jahren auch als Honorarprofessor für Medienökonomie an der Universität Leipzig arbeitet, 120 Millionen Mark investiert.

Alemannia hat er vor 15 Jahren in höchster Not 1,8 Millionen Mark gegeben. Vor dem Oberlandesgericht in Köln treffen sich die Vertragspartner seit einem Jahr. Der Fußball-Regionalligist sieht die Rechnung durch werbliche Maßnahmen als beglichen an. In der ersten Instanz vor dem Landgericht Aachen bekam der Klub noch Recht, das OLG hat bereits angedeutet, dass es eher Michael Kölmels Auffassung folgen will.

Treffen Sie regelmäßig auf Verhandlungspartner, die die Verzweiflung in ihren Augen stehen haben?

Kölmel: Als ich 1998 damit anfing, war die Idee, abgestürzten Fußballvereinen wieder auf die Beine zu helfen. Viele Traditionsklubs waren sportlich und finanziell in der Krise. Bei den meisten haben sich die Dinge gut entwickelt. Aachen war ein Musterbeispiel, eine lohnende Sache: Im Jahr meiner Investition ist der Klub sogar überraschend aufgestiegen. Der Verein war damals nahezu pleite, brauchte eine schnelle Einigung. Dieses Tempo bei den Verhandlungen führt dann dazu, dass viele Klubs später lieber einen Prozess führen, statt sich an die Vereinbarungen zu halten, die vielleicht in der Eile nicht so konkret formuliert waren. Im Prinzip habe ich alle Verfahren gewonnen, weil die Geschichten eindeutig sind. So läuft es im Verfahren mit Alemannia gerade auch – mit der Besonderheit, dass der Verein in der ersten Instanz in Aachen gewonnen hat.

Wie ist der Stand in dem Verfahren vor dem OLG?

Kölmel: Die Tendenz ist eindeutig. Alemannia muss das Darlehen über 1,8 Millionen Mark zurückzahlen, strittig ist noch, ob ein zweites Darlehen über 800.000 Mark gestundet werden kann. Mit beiden Varianten kann ich gut leben. Heute liegt der Streitwert über zwei Millionen Euro.

Es gibt Hinweise des Senats, in Ihrem Sinne zu entscheiden. Dann müsste auch der TSV Insolvenz anmelden. Schreckt Sie das?

Kölmel: Eine Insolvenz wäre die logische Folge. Aber soweit wird es nicht kommen, weil man sich sicher vorher einigen wird. Ich fühle mich wieder wie im Jahr 1998. Nur diesmal hat der Verein bei mir Schulden, damals habe ich ihm geholfen, die Schulden bei Dritten zu begleichen, um die Insolvenz abzuwenden. Heute ist die Situation so gesehen einfacher. Ich habe den Klub damals gerettet, auch wenn das fast zu heroisch klingt. Warum soll ich das 15 Jahre später nicht wieder machen? Eine Insolvenz wäre der Anfang vom Ende.

Wie könnte ein Kompromiss aussehen, wird es noch einmal wie früher um TV-Rechte gehen?

Kölmel: Das habe ich immer angeboten, weil ich mich in dem Bereich am besten auskenne. Ich habe viele Angebote gemacht, ich kann alleine entscheiden, bin flexibel. Bei Alemannia habe ich den Eindruck, dass vor der Mitgliederversammlung noch unklar ist, wer danach am Ruder sein wird. Die Materie ist in Aachen etwas komplizierter, weil zwei Gesellschaften durch Insolvenzverwalter vertreten werden. Aber es wird sicher einen Vorschlag geben, mit dem alle leben können.

Sind die TV-Rechte überhaupt noch beim Verein oder sind sie an die Stadt übertragen?

Kölmel: Mir wurde gesagt, dass sie in die Spielbetriebs GmbH übertragen wurden. Juristisch ist ohnehin viel machbar. Der Verein ist der hundertprozentige Gesellschafter, auch wenn dessen Einfluss während der Insolvenz eingeschränkt ist. Wir werden eine Lösung finden.

Sie waren nach unseren Informationen vor ein paar Tagen im Aachen bei einem Gespräch mit dem Oberbürgermeister. Sind konkrete Ideen besprochen worden?

Kölmel: Ich habe mit fast allen Beteiligten Kontakt aufgenommen, um zu verdeutlichen, dass ich nicht der Grund allen Übels, sondern an einer Lösung interessiert bin. Ein Verein wie Alemannia ist für eine Stadt wie Aachen sehr wichtig. Deswegen bin ich im direkten Gespräch mit Schatzmeister Oliver Laven, und mein Anwalt ist parallel im Kontakt mit Präsidiumsmitglied Christoph Terbrack.

Bei der Gläubigerverhandlung hat der Insolvenzverwalter gefordert, dass mit Ihnen jetzt mal endlich verhandelt werden müsse. Ist das in den Monaten zuvor nicht passiert?

Kölmel: Ich habe den Eindruck, dass die Situation vor Ort in Aachen kompliziert ist, und dazu trägt natürlich auch die Anwesenheit eines Insolvenzverwalters bei. Er macht jedem Angst, der sich mal bei Alemannia engagiert hat. Das schreckt alle Leute ab, sich für den Verein zu engagieren. Ich kann nachvollziehen, dass die Situation für alle Menschen, die dort noch helfen, kompliziert ist. Als der Kontakt jetzt etwas eingeschlafen war, habe ich ihn wieder völlig ohne Gram aufgefrischt.

In Leipzig haben Sie das Zentralstadion vor Jahren gekauft und betreiben es immer noch. Wäre eine Übernahme des Tivolis denkbar?

Kölmel: Ich habe keine Informationen zum Stand der Dinge in Aachen. Mein Angebot steht aber: Ich stehe für alle Diskussionen und Szenarien zur Verfügung. Seit der ersten Begegnung vor 15 Jahren mit Alemannia habe ich sehr viel Knowhow aufgebaut. Ich kann Tipps geben, kann in Bereichen weiter investieren, habe Einblicke in andere kriselnde Vereine. Aachen hat viele Chancen.

Würden Sie ein weiteres Invest bei Alemannia ausschließen?

Kölmel: Ich möchte mal in Aachen den Gesamtkontext kennenlernen. Ich weiß zu wenig. Bislang bin ich auf viele Leute zugegangen mit der Vorgabe: „Wie kann man einen Neuaufbau Alemannias langfristig organisieren?“

Ein Gläubiger als Berater?

Kölmel: Das Angebot steht. Ich habe da eine große Berufserfahrung vom Stadionbau bis zum Betrieb. Damals habe ich mit investiert, die Ausgangslage hat sich für mich nicht verändert. Ich kann aber nicht einschätzen, ob die Akteure meine Hilfe wollen. Vielleicht gibt es bessere Ideen. Dann einigt man sich über einen Rangrücktritt und eine Rückzahlung des Darlehens, wenn die Zeiten mal besser sind. Das könnte man auf Risiko vereinbaren nach dem Motto: Wenn sich in den nächsten Jahren die Lage nicht verbessert, wird es erlassen. Oder man vereinbart eine Normalverzinsung, die der Verein erst leisten muss ab der 2. Liga. Ich bin offen für Lösungen.

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