Klitzpera über Wege aus der Krise

Letzte Aktualisierung:
11002518.jpg
Kritische Phase: Alemannias Sport-Geschäftsführer Alexander Klitzpera. Foto: sport/foto2press

Aachen. Es sind keine schönen Tage für Alexander Klitzpera. Auf den Leserbriefseiten und in Foren wird sein Rückzug gefordert. „Ich habe keine Zeit, mich damit zu beschäftigen, sagt Alemannias Geschäftsführer. „Wir müssen alle Energie darauf verwenden, die Mannschaft wieder in die Spur zu bekommen.“ Die Redakteure Klaus Schmidt und Christoph Pauli unterhielten sich mit dem Sportlichen Leiter einer Mannschaft, die seit Wochen dem Erfolg hinterherhechelt.

Ironiefreie Frage zum Auftakt: Gibt es eine Entwicklung, mit der Sie aktuell zufrieden sind?

Klitzpera: Ja. Der interne Prozess läuft gut. Wir waren zwar gefühlt in den ersten sechs Spielen schon weiter, aber in der letzten Woche hat bereits ein Austausch in der Mannschaft stattgefunden, der mich positiv stimmt.

Warum ist dieser Findungsprozess so schnell abgebrochen?

Klitzpera: Wir haben eine extrem gute Vorbereitung gespielt. Die Mannschaft hat mit einer brutalen Euphorie mitgezogen. Da sind uns bereits Bedenken gekommen, ob wir diese guten Ergebnisse mit in die Saison nehmen können. Wir sind gut gestartet mit dem besten Spiel in Oberhausen.

Trotzdem hat uns auch in dieser Phase eine gewisse Stabilität in der Zentrale gefehlt, obwohl wir dort von den Namen her sehr gut aufgestellt sind. Mit den ersten Rückschlägen begann es zu bröckeln. Wir haben anscheinend nicht die Stärke und das Vertrauen untereinander in der erfolgreichen Phase aufbauen können.

Wie sieht das Gegengift aus, um diesem Trend zu entkommen?

Klitzpera: Wir brauchen eine klare Hierarchie im Team. Es muss Spieler geben, die der verlängerte Arm des Trainers sind und auf dem Platz Dinge regeln. Der Trainer hat inzwischen herausgefiltert, wer das Zepter in die Hand nehmen kann.

Ein paar Kandidaten wie Staffeldt, Demai, Hackenberg liegen auf der Hand. Sind sie in dieser Phase abgetaucht?

Klitzpera: In den letzten Spielen ist auch Frederic Löhe vorangegangen, auch Timo Staffeldt hat gerade die stärksten beiden Spiele nach seinem Wechsel hinter sich. Da ist ein Prozess im Gange. Ein Führungsspieler darf auch Fehler machen, aber er muss vorneweg gehen, seine Nebenleute coachen, Entscheidungen auf dem Platz für das Team treffen.

Die Akzeptanz entsteht eher durch Leistung als durch eine Trainer-Ansage. Welche Spieler können den Karren wieder flott machen?

Klitzpera: Das wird sich in den nächsten Wochen zeigen. Mit Löhe, Hackenberg und Staffeldt haben wir eine sehr gute Achse.

Kapitän Aimen Demai fehlt in Ihrer Auflistung.

Klitzpera: Ja. Er ist ein wichtiger Spieler und unser Kapitän. Wenn er verletzungsfrei ist, kann er der Mannschaft mit Sicherheit weiterhelfen.

Ist das Verhältnis Mannschaft-Trainer intakt, oder ist es diffizil, weil Christian Benbennek gerade eher rigoros die Wohlfühl-Oasen der Vergangenheit schließt?

Klitzpera: Es ist ein interessanter Prozess. Unser Trainer fordert von den Spielern hundertprozentige Disziplin für das gemeinsame Ziel. Auch Spieler, die schon höherklassig unterwegs waren wie David Vrzogic und Timo Staffeldt transportieren ins Team, was es bedeutet, professionell zu leben und zu arbeiten.

Sind alle auf einem gemeinsamen Weg unterwegs, oder gibt es auch Spieler, die es gerade nicht so kuschelig finden?

Klitzpera: Ich sehe aktuell keinen Spieler, der andere Interessen verfolgt. Jedem geht es um den gemeinsamen Erfolg. Es dauert vielleicht bei dem ein oder anderen länger, sich an den neuen Trainer oder das neue Team zu gewöhnen. Diese Zeit müssen wir uns geben. Vielleicht haben sich Einzelne blenden lassen von den ersten erfolgreichen Wochen.

Wie lässt es sich erklären, dass die Mannschaft zuletzt in Wattenscheid auseinandergeflogen ist?

Klitzpera: Der Auftritt in der ersten Hälfte war gut. Nach dem Gegentor unmittelbar nach der Halbzeit hat es die Mannschaft nicht mehr geschafft, das Ruder herumzureißen. Ich unterstelle niemandem mangelnden Eifer, wir sind vermutlich sogar mehr als der Gegner gelaufen. Wir haben es nach der Pause aber nicht geschafft, als Team etwas zu organisieren, weil jeder mit sich selbst beschäftigt war.

Wieviel Geduld haben Sie denn noch mit Trainer und Team?

Klitzpera: Die Mannschaft weiß, dass sie in der Pflicht ist, gute Ergebnisse zu erzielen. Wir müssen wieder stabiler in der Defensive werden. In den ersten sechs Spielen haben wir es geschafft, individuelle Fehler als Mannschaft besser zu kompensieren.

Teilen Sie den Eindruck, dass sich das Team fußballerisch nicht weiterentwickelt hat? Die ursprüngliche Idee war es, die Gegner deutlich früher anzugreifen.

Klitzpera: Wir haben gerade in den ersten Spielen deutlich höher verteidigt. In der Vorbereitung hatten wir eine gute Spielfreude. In der Liga hat die Spielfreude stark abgenommen. Aktuell müssen wir zuerst wieder in der Defensive stabiler werden.

Das ist ein bedenklicher Befund, wenn eine Mannschaft im Ernstfall deutlich unter ihrem Leistungsvermögen bleibt.

Klitzpera: Daran muss gearbeitet werden. Angedeutet haben wir die Kombinationsfreude in den ersten Wochen, sie ist uns dann schon vor den Niederlagen abhanden gekommen.

Ändert sie deswegen gerade ihre Spielweise?

Klitzpera: In den ersten Partien haben wir extrem gepresst. Gerade machen wir das nur noch phasenweise. Solche Mittel hängen auch vom Gegner ab.

Ist Fortuna Köln also ein willkommener Gegner, weil die Favoritenrolle eindeutig beim Drittligisten liegt?

Klitzpera: Ja. Es wird uns gut tun, uns wieder auf die Grundtugenden zu besinnen. Da kann ein Pokalspiel durchaus helfen.

Wie zufrieden sind Sie mit Ihren Neuzugängen?

Klitzpera: Für die gilt das gleiche Zwischenfazit wie für die Mannschaft: Es gab Höhen und Tiefen. Es fehlt die Konstanz. Deswegen sollten wir dem Team helfen und nicht von irgendwelchen Tabellenplätzen reden, sondern nur vom nächsten Spiel. Wir brauchen wieder das positive Gefühl des Erfolgs, und den müssen wir uns erarbeiten.

War es nicht ein Kardinalfehler, keinen gestandenen Mittelstürmer zu verpflichten?

Klitzpera: Wir haben selbst nach Ende der Transferperiode im Rahmen unserer finanziellen Vorgaben noch alles versucht. Aber er sollte ein anderer Stürmertyp als vorhanden sein und die Qualität sofort verbessern. Diese Angreifer sind sehr begehrt auf dem Markt. Wir wollten auch keine Sachen machen, von denen wir nicht nachhaltig überzeugt sind.

Sitzen Sie schon mal abends beim Rotwein auf der Terrasse und überlegen sich, ob Sie den richtigen Trainer verpflichtet haben?

Klitzpera: Da habe ich keine Zweifel. Ich weiß, wie er mit der Situation und der Mannschaft umgeht. Das gesamte Team arbeitet gemeinsam daran, den Umschwung zu schaffen.

Wären Sie nicht auch gescheitert, wenn Sie den Trainer wegschicken müssten?

Klitzpera: Vom Scheitern sind wir weit entfernt. Die Mannschaft hat mit dem Trainer schon gezeigt, was sie kann.

Der Trainer hat letzte Woche gesagt, er registriere „Panikmache“ im Umfeld. Ist das auch Ihr Eindruck?

Klitzpera: Das Umfeld habe ich nie als ruhig empfunden, seitdem ich wieder hier bin, obwohl wir mit einer sehr hungrigen Mannschaft gut gestartet sind. Natürlich gab es nach zwei Abstiegen und der Insolvenz eine lange Phase des Misserfolgs. Vielleicht ist man deswegen kritischer oder vorsichtiger. Letztlich ist das egal: Wir müssen mit der Situation umgehen, und es steht außer Frage, dass die Leistungen zuletzt nicht unserem Anspruch entsprechen.

Die Unruhe ist häufig auch hausgemacht, wenn Reiner Plaßhenrich hinschmeißt oder der Chef- nicht mehr mit dem Torwarttrainer klarkommt. Warum haben Sie als Vorgesetzter nicht gesagt: Reißt Euch zusammen?

Klitzpera: Bei Ralf Westig war es ein längerer Prozess, keine Kurzschlusshandlung. Ich habe vorher mehrfach das Gespräch gesucht. Generell ist die Trainerkabine wichtig. Da muss absolutes Vertrauen herrschen, um Erfolg zu haben. Es ist meine Pflicht, dafür zu sorgen.

Sie sind häufig Zielscheibe der Kritik. Haben Sie Fehler in den ersten Monaten Ihrer Amtszeit gemacht?

Klitzpera: Kein Mensch arbeitet fehlerfrei, auch kein Sportdirektor im Profifußball. Ich bin dabei, die vergangenen Wochen kritisch zu analysieren. Generell bin ich immer offen und ehrlich mit allen umgegangen.

Leserkommentare

Leserkommentare (25)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert