Klitzpera: „Ich habe ein sehr gutes Gefühl“

Letzte Aktualisierung:
9513976.jpg
Neue Arbeitsjacke: Alexander Klitzpera steht vor seiner Tivoli-Premiere als Sportdirektor. Foto: sport/Krschak

Aachen. Viele Personalentscheidungen am Tivoli wurden in den letzten Jahren zu Krisenzeiten gefällt. Insofern ist die Ausgangslage von Alexander Klitzpera deutlich günstiger. Er kehrt zu Alemannia Aachen zurück, als beim Regionalligisten die zarte Euphorie wieder ausgebrochen ist. Der 37-Jährige soll den Aufbruch zu neuen Ufern organisieren.

Unser Redakteur Christoph Pauli traf sich mit dem neuen Sportlichen Leiter.

Bilanz wird häufig 100 Tage nach Dienstbeginn gezogen. In Ihrem Fall wäre das etwa um den 32. Spieltag herum. Wo erwarten Sie die Mannschaft zu diesem Zeitpunkt?

Klitzpera: Ich habe ein sehr gutes Gefühl. Das Team wirkt sehr konzentriert und fokussiert, das kann es mir jetzt gerne Woche für Woche bestätigen.

Welche vertragliche Situation haben Sie vorgefunden?

Klitzpera: Wir finden alle Varianten hier vor. Da ist aber nichts Exotisches dabei. Die Verträge resultieren aus der Situation des Vereins in den letzten Jahren. Sie mussten teilweise sehr kurzfristig abgeschlossen werden, inzwischen kann der Klub die Weichen besser stellen. Die Planung der ersten Mannschaft ist die wichtigste Aufgabe. Deswegen habe ich mich schnell eingelesen. Es gibt einen gewissen Zeitdruck, um Entscheidungen zu treffen. Die wichtigste Personalie ist die des Trainers. In enger Absprache mit ihm mache ich die Kaderplanung. Das Grundgerüst soll schnell stehen.

Ist mit der wichtigen Personalie Peter Schubert oder sein ganzes Team gemeint?

Klitzpera: Wichtig für mich ist der Trainer. Für sein Team, mit dem er zusammenarbeiten will, werden wir anschließend sorgen. Ich sehe da keine Probleme.

Planen Sie parallel einen Kader 4. und einen Kader 3. Liga?

Klitzpera: Unsere Basis ist aktuell die 4. Liga, daran orientieren wir uns jetzt. Meine These ist: Ein Spieler, der uns in der Regionalliga hilft, spielt auch eine gute Rolle in der 3. Liga. Für den Fall des Aufstiegs würden wir uns, aufbauend auf dem jetzigen Kader, punktuell verstärken.

Sind Sie ein Anhänger von Optionsmodellen?

Klitzpera: Grundsätzlich bin ich ein Anhänger von klaren Abmachungen. Die „Wenn-dann-Modelle“ bringen für beide Seiten keine Planungssicherheit. Es gibt aber immer Ausnahmen, in denen spezielle Klauseln sinnvoll sind.

Wollen Sie viel über die Spieler von den Trainern erfahren oder erst einmal einen eigenen Eindruck gewinnen?

Klitzpera: Aus zeitlichen Gründen fahre ich mehrgleisig. Als Scout hatte ich einen Eindruck, mit Peter Schubert habe ich mich ausgetauscht, dazu kam das Video-Studium aller Spiele. Ich habe mit den Spielern gesprochen und das Training beobachtet. Das erste kleine Fazit: Die Mannschaft ist wirklich sehr ehrgeizig und intakt. Es fällt mir leicht, mich mit ihr zu identifizieren.

Gehört zu Ihren ersten Aufgaben, die Lizenzunterlagen für die 3. Liga einzureichen?

Klitzpera: Ja, das werden wir bis zum 1. März erledigen.

Wird sich das Budget in der nächsten Spielzeit verändern?

Klitzpera: In der 4. Liga fehlen die TV-Gelder, und wir haben nicht viele Möglichkeiten, das auszugleichen. Es ist ein Prozess für uns, wieder Vertrauen zu gewinnen und sportlich attraktiver zu werden. Dazu gehören auch Typen, mit denen sich Fans identifizieren können. Mögliche Mehreinnahmen könnten wir in den Sport investieren und damit die Erfolgsaussicht erhöhen. Momentan können wir nicht von einer deutlichen Etaterhöhung ausgehen.

Ein guter Scout hat ein gutes Auge für Talente. Kommen Sie mit vielen Namen und Vorschlägen nach Aachen zurück?

Klitzpera: Natürlich stehen Namen auf meiner Liste. Aber Priorität hat die aktuelle Mannschaft, von der ich überzeugt bin. Die Spieler sind in einer schwierigen Lage gekommen und haben einen guten Charakter gezeigt. Meine Datenbank wird erst dann interessant, wenn wir mit unseren Spielern gesprochen haben.

Die Funktionäre nennen sich „Team 2018“, weil sie bis dahin wieder drittklassig sein wollen. Steht eine so konkrete Perspektive auch in Ihrem Konzept?

Klitzpera: Ich trage die seriöse Zielsetzung voll mit. Je eher der Aufstieg, desto besser für den Verein. Wir haben jetzt die Basis für die Regionalliga geschaffen, wollen den nächsten Schritt machen. Aber aufsteigen aus der 4. Liga ist durch die Relegation erschwert. Wir dürfen nicht alles auf eine Karte setzen, deshalb macht es Sinn, nachhaltig zu arbeiten.

Ein Fokus wird im Nachwuchsleistungszentrum liegen. Welche konkreten Ideen bringen Sie mit?

Klitzpera: Grundsätzlich steht das NLZ aktuell hintenan, weil die Priorität auf der ersten Mannschaft liegt. Es gibt dennoch Gespräche. Unser Ziel muss es sein, dass die U 17 und U 19 kurzfristig in die Junioren-Bundesliga aufsteigen. Das sind die zweitwichtigsten Teams bei uns.

Ist geplant, dass der Sportliche Leiter auch Chef des NLZ wird?

Klitzpera: Die NLZ-Leitung ist sehr zeitintensiv, weil man elf Mannschaften im Blick haben und im Detail perspektivisch arbeiten muss. Das ist mehr als ein Fulltime-Job und somit auf keinen Fall von einem Sportdirektor umsetzbar.

Findet man eigene Wege erst beim Gehen, oder gibt es ein paar Leute, die Ihnen beim Stapellauf ins Management helfen?

Klitzpera: Gedanken habe ich mir schon immer gemacht, man wächst in die Aufgabe hinein. Ein gutes Netzwerk ist in der Branche ein Vorteil. Mein Ziel ist es aber hier nicht, den Verein umzukrempeln. Vielmehr will ich helfen, dass das zarte Pflänzlein schneller wächst.

Überraschend war, dass Sie als Berufseinsteiger sofort einen unbefristeten Vertrag unterschrieben haben. War das Ihre Bedingung?

Klitzpera: Es wird in der Position immer üblicher. Der Aufsichtsrat hat sich ja ausgiebig einen Eindruck von mir gemacht und sich erkundigt. Meine Aufgaben sind in der Regel perspektivisch. Aktuell muss ich kurzfristig reagieren, um den Kader zu gestalten. Das ist aber nicht der Normalfall. Die Idee hinter der Position ist, mittel- und langfristig zu planen.

Wie ist Ihr Selbstverständnis? Werden Sie auf der Bank mitcoachen oder in der Kabine sprechen?

Klitzpera: Ich werde überhaupt nicht coachen, das ist nicht mein Bereich. Ich bin eher der stille Beobachter, der eine gewisse Nähe zur Mannschaft sucht, um Eindrücke zu gewinnen. Sollte ich mal in der Kabine das Wort ergreifen, ist der Anlass vermutlich nicht so erfreulich, das dauert hoffentlich noch lange . . .

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert