Keine Tore, dafür ein Hauskrach

Von: Christoph Pauli
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Alemannia Aachen - Fortuna Düsseldorf
Aachens Seyi Olajengbesi (l.) und Düsseldorfs Thomas Bröker versuchen an den Ball zu kommen. Foto: dpa

Aachen. Der letzte Antritt fand nach Spielende statt. Noch ein Haken, dann strebte Benjamin Auer dem Ausgang entgegen. Reden wollte Alemannias Kapitän nicht nach der torlosen Partie zwischen Aachen und Fortuna Düsseldorf. Es war wieder nicht der Tag des Mittelstürmers.

Am Morgen hatte er erfahren, dass er nicht für die Startformation vorgesehen war - erstmals in gut drei Jahren würde er in einem Heimspiel fehlen. Die Zeichen änderten sich dann kurzfristig. Nach dem Aufwärmen meldete sich Kevin Kratz mit einer Zerrung ab, so dass der Kapitän doch noch mit auflaufen durfte.

Auer hatte die besten Chancen an diesem Tag, zu einem Treffer reichte es nicht. Er wirkt, als habe er den Anschluss verloren, die Mannschaft profitiert nur noch selten von seinen Fähigkeiten, sie findet nur noch selten den Passweg zum gefährlichsten Angreifer der letzten Jahre.

Nach 65 Minuten war sein Arbeitstag wieder beendet. Missmutig trottete er vom Platz. Die Debatte um den Kapitän wird Alemannia so zuverlässig begleiten wie Bayer Leverkusen die Debatte um den ergrauten Capitano Ballack.

„Das ist kein Niveau”

Und auch in Aachen ist erkennbar, dass das Spieler-Trainer-Verhältnis zumindest schwierig wird. „In Bezug auf ihn habe ich alle Facetten angewendet”, erzählte Peter Hyballa. „Gelobt, kritisiert, durchbeleidigt”. Nur passt in dieser Saison noch kein Schlüssel.

Während Auer nach bescheidener Leistung lieber schwieg, redete sein Berater Jörg Neblung, ebenfalls Zaungast am Tivoli. Er wehrte sich gegen eine „monatelange Demontage” seines Schützlings durch den Trainer. „Das war gegen Fortuna der Gipfel. Wie soll man unter solchen Umständen seine Leistung bringen?”

Die Reaktion von Hyballa kam postwendend: „Das ist kein Niveau, auf das ich mich begebe. Ich fand Benny auch gegen Fortuna nicht gut, er bemüht sich, er erarbeitet sich seine Chancen, nutzt sie aber nicht. Und wir sind auch ab und zu limitiert durch seine Spielweise.”

Es braut sich was am Tivoli zusammen.

Der dafür eingeteilte Auer schießt keine Tore, und was die Lage dramatisch zuspitzt: Auch seine Kollegen sind erschreckend harmlos wie Kamillentee unterwegs. Vor ein paar Wochen haben sie über die grassierende Torlosigkeit noch wie über ein vorbeiziehendes Unwetter gesprochen, jetzt müssen sie einräumen, dass die Ungefährlichkeit chronisch wird. Ein Tor in sechs Spielen ist die mickrige Ausbeute, bei keiner anderen Mannschaft im Profifussball klemmt es so nachhaltig.r 2. Liga.

Die Tormisere hält an, und doch war dieser 0:0 gegen Fortuna ein kleiner Schritt in die richtige Richtung. Die Mannschaft ist nicht dominant, sie schafft nicht viele Gelegenheiten, aber sie wehrt sich nachhaltig. „Wir wollten eine Reaktion, wir haben sie bekommen”, urteilte Hyballa am Ende des Kampfspiels.

Alemannia brachte viel Leidenschaft und Willen auf den Platz. „Die Mannschaft lebt”, beobachtete Hyballa. „Wir haben auch für den Trainer gespielt, der sehr wichtig für uns ist”, diktierte Marco Stiepermann später.

Das Team spielt aber weiterhin unruhig, es arbeitet Fußball, schludert aber noch zu häufig. Es ist nicht ballsicher unterwegs, aber zeigt Primärtugenden wie Leidenschaft und enorme Einsatzbereitschaft. „Wir sehen uns nicht Tabellen-18., aber wir müssen es auch auf den Platz kriegen”, sagt Hyballa.

Nach der intensiven Partie wurde ein kleines Feldlazarett am Tivoli aufgeschlagen. Bei Manuel Junglas bestätigte sich der Verdacht auf einen Nasenbeinbruch nicht, bei Tobias Feisthammel wurde eine Verhärtung im Oberschenkel diagnostiziert, bei Boy Waterman ist die Schulter stark geprellt, bei Shervin Radjabali-Fardi schwillt ein dicker Bluterguss am Oberschenkel an.

Schon vor der Partie waren neben Kratz auch der als rechter Verteidiger vorgesehene Thomas Stehle (Verhärtung im Oberschenkel) ausgefallen.

Gesucht: neuer Mittelstürmer

Noch bis Mittwoch kann der Klub nachrüsten. Gesucht wird ein robuster, schneller Mittelstürmer. Die Situation bleibt knifflig. „Einer von neun möglichen neun Punkten in den Heimspielen ist nicht Alemannia-würdig”, urteilte Meijer. Die sanfte Trainerdebatte nach dem spektakulären Fehlstart kommt mit dem Punktgewinn erst einmal in die Wiedervorlagemappe.
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