Kehraus am Tivoli ohne Verabschiedung

Von: Christoph Pauli
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Nur noch ein Erinnerungsbild: Marvin Brauweiler (links) wird in der kommenden Saison nicht mehr das Trikot von Alemannia Aachen tragen. Foto: Martin Ratajczak

Aachen. Diese Partie am Sonntag gegen den SC Verl könnte Alemannias letztes Heimspiel in dieser fulminanten Saison werden. Dass die Aachener die Saison um zwei Relegationsspiele verlängern können, ist nicht mehr sonderlich wahrscheinlich. „Wir geben Vollgas, und dann schauen wir, was dabei herauskommt“, sagt Peter Schubert.

Der Trainer des Tabellendritten kann nur noch auf Patzer von Viktoria Köln und Borussia Mönchengladbach II hoffen. Schubert will die Mannschaft fragen, ob die Ergebnisse der Parallelspiele während der eigenen Partie auf der Anzeigentafel erscheinen sollen.

Erwartet werden – zu verbilligten Tarifen – wieder mehr als 12.000 Fans beim Zuschauerkrösus der Liga. Die werden nach Hause gehen und nicht wissen, welcher Profi in der nächsten Saison nicht mehr das schwarz-gelbe Trikot tragen wird. „Wir haben uns entschieden, keinen Spieler vor der Partie zu verabschieden“, sagt Sportdirektor Alexander Klitzpera.

Zu viele Fragezeichen ständen noch im Raum, und rechnerisch ist der Aufstieg in die 3. Liga unverändert möglich, was zu automatischen Vertragsverlängerungen von Ernst, Hoffmann, Behrens, Graudenz und Garcia führen würde, die ihre Angebote bislang abgelehnt haben. Einige weitere Fälle sind noch ungelöst, in anderen Fällen ist der Weggang zwar besiegelt, der Verein wolle seine scheidenden Profis lieber intern nach dem letzten Spiel verabschieden, sagt Klitzpera. Kengo Fukudome, Bastian Wirtz und Florian Abel werden den Klub verlassen, ebenso wie Marvin Brauweiler.

Er brauche keinen Abschied, sagt der Abwehrspieler, er sei noch nicht einmal richtig beim Klub angekommen. Brauweiler hat vor der Saison alles auf die Karte Fußball gesetzt und sein FH-Studium (Betriebswirtschaftslehre) ein bisschen vernachlässigt. „Ich habe in den Profi-Fußball hineingeschnuppert, das war eine gute Erfahrung.“ Das Abenteuer ist beendet, Brauweiler verschiebt wieder die Prioritäten in Richtung Uni.

Der Verteidiger ist verletzt an der Leiste, er wird gegen Verl nur zuschauen können. Ohnehin waren seine Einsätze oder Kadernominierungen dünn gesät. „Ich hätte es schaffen können, aber nicht in Aachen, wo der Trainer nicht der größte Fan von mir ist.“ Er habe kaum Kontakt zu Peter Schubert gehabt, „nullkommanull“ Vertrauen gespürt. An den starken Innenverteidigern Hackenberg und Hoffmann sei er nicht vorbeigekommen, räumt er ein, „aber ich hätte mehr Plätze im Kader verdient gehabt“.

Brauweiler gehört zur großen Kaste von Nachwuchsspielern, die für die ersehnte Karriere alles hintenan stellen – und scheitern. Finanziell habe sich das Jahr in der Regionalliga definitiv nicht gelohnt, meint er. Er hat die gleichen kargen Konditionen wie vorher in der Nachwuchsmannschaft akzeptiert. „Ich habe das in Kauf genommen, es war mein Traum, als Aachener bei Alemannia Fuß zu fassen. Ich bereue den Schritt nicht, auch wenn die Entwicklung schade ist.“

Auch sein Trainer spricht davon, dass der „Schnupperkurs Profi-Fußball“ keine verlorene Zeit gewesen sei. Brauweiler habe gemerkt, „dass die Luft auf dieser Ebene dünner“ werde, dennoch „hat er einen Schritt nach vorne gemacht“. Die Wege trennen sich. Brauweiler wird zum SV Rott in die Landesliga wechseln und weiter den älteren Jahrgang der D-Jugend in Walheim trainieren.

Seine Noch-Kollegen treffen am Sonntag auf einen Gegner, der müde und enttäuscht anreist. Das Finale im Westfalenpokal am Donnerstag gegen Lotte verlor Verl nach Verlängerung und Elfmeterschießen mit 3:4. Aachens Trainer, der weiterhin kein Angebot vorliegen hat, wird seine Mannschaft kaum verändern, zumal Aimen Demai wohl noch ausfallen wird. Zumindest beim Kapitän ist die Zukunftsfrage geklärt. Er hat noch Vertrag am Tivoli.

Mögliche Aufstellung: Löhe - Ernst, Hackenberg, Hoffmann, Lejan - Müller, Jerat - Graudenz, Behrens, Dowidat - Maier

Schiedsrichter: Lennart Brüggemann (Mesum)

Bilanz: 13 Spiele/4 Siege/3 Remis/6 Niederlagen/17:24 Tore

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