Investor: „Ich kann da nicht ‚Wünsch Dir was‘ spielen“

Von: Christoph Pauli
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„Wir stellen kein Ultimatum“: Florian Meise. Foto: Wolfgang Birkenstock

Aachen. Mit der Übernahme von angeschlagenen Unternehmen kennt sich Florian Meise bestens aus. Seit über 15 Jahren erwirbt und saniert der 46-jährige Betriebswirt Unternehmen in Schieflage. Nun interessiert sich Meise mit einem Partner und dem Sportrechtevermarkter Michael Kölmel für einen Einstieg bei Alemannia.

Herr Meise, die Präsentation ist ein Monat her. Was ist seitdem passiert?

Meise: Wir haben den Gremien gesagt, sie sollen sich die Zeit nehmen für eine Bewertung. Seit der Präsentation in Aachen hatte ich keinen Kontakt mehr.

Gibt es zeitliche Verabredungen?

Meise: Nein, wir haben bewusst keine Frist gesetzt. Die Gremien brauchen offensichtlich noch Zeit.

Es zeichnet sich ab, dass es aus Sicht der Funktionäre Nachbesserungsbedarf gibt. Erhalten die Investoren, die in vier Tranchen bezahlen wollen, sofort die 49,9 Prozent der Anteile? Gibt es eine Lock-up-Klausel, eine definierte Zeitspanne, in der die Anteile nicht weiterverkauft werden dürfen?

Meise: Ich kann und will die Fragen nicht öffentlich thematisieren. Ich möchte zu diesem Thema aber gerne darauf hinweisen, dass wir dem Verein ein unbeschränktes Vorkaufsrecht angeboten haben. Damit ist der Verein auch für den Fall eines späteren Verkaufs sehr gut geschützt. Wir haben den Gremien ein Angebot gemacht, bislang ohne Feedback. Der nächste Schritt wäre, dass die Herren wie vereinbart auf uns zukommen, sofern sie Interesse haben.

Die Unterdeckung im Etat liegt bei etwa 500 000 Euro, das Loch ist durch den Ausfall des Hauptsponsors nicht kleiner geworden. Wenn die Handelnden am Tivoli solche Lücken aus eigener Kraft schließen könnten, würden sie vermutlich nicht schon so lange nach Investoren suchen. Ist es tatsächlich ausgeschlossen, dass sich Ihre Gruppe auch vor einem möglichen Einstieg engagiert, um den Etat zu sichern?

Meise: Auch diese Frage würde ich lieber direkt mit den verantwortlichen Gremien diskutieren.

Ist das, was Sie hinterlegt haben, in Stein gemeißelt, oder ist es mehr eine Verhandlungsgrundlage?

Meise: Es ist ein sehr ernst gemeintes Angebot.

Das es nur in dieser Form geben wird?

Meise: Das kann ich nur mit den Verhandlungspartnern klären. Wir warten ab, sind an dem Thema weiterhin interessiert. Wir haben ein sehr solides, seriöses Angebot abgegeben. Da kann ich schlecht sagen: Es war nicht so gemeint.

Beharren Sie auf das Postulat der Einstimmigkeit in den Gremien, die sich kaum herstellen lässt?

Meise: Noch mal: Sie sind mein erster Kontakt zu dem Thema Alemannia seit Wochen. Ich werde solche Fragen nicht öffentlich debattieren. Wir warten und sind entspannt. Wir stellen kein Ultimatum.

Die Übernahme von 80 Prozent der Anteile, die vielleicht irgendwann einmal möglich ist, ist zwingend aus Ihrer Sicht?

Meise: Ja, das ist eine wesentliche Grundlage unseres Angebots.

Sie haben den Wunsch geäußert, dass der bestehende Pachtvertrag des Tivolis verlängert wird. Das kann doch schlecht ein Aufsichtsrat erreichen. Die Entscheider sitzen in Aachener Rat und Verwaltung.

Vor einem Monat hat die Gruppe, die vom ehemaligen Bundesliga-Manager Wolfgang Holzhäuser repräsentiert wird, in Aachen der Öffentlichkeit und den Gremien ihr Konzept vorgestellt. Ein paar Tage später erhielt der Aufsichtsrat den Vertragsentwurf.

Meise: Diese Verhandlungen könnten gemeinsam stattfinden. Es ergibt aber erst dann Sinn, wenn sich die Gremien für eine Zusammenarbeit mit uns entschieden haben. Sollte das der Fall sein, würden wir sehr gerne auch mit der Stadt sprechen.

Eine andere Frage ist, wie abgesichert Ihre Einlage sein würde.

Meise: Wir geben eine entsprechende kapitalstarke Garantie. Herr Kölmel kann den Betrag zum Beispiel mit seiner Sportwelt-Holding garantieren. Das ist kein Problem.

Sie sprechen mit Alemannia schon seit Monaten, teilweise auch noch mit anderen Partnern. Fällt das, was gerade auf dem Tisch liegt, hinter die Übereinkünfte des Sommers zurück, weil sich die Ausgangslage für den Verein verschlechtert hat?

Meise: Es gab im Sommer nur Vorgespräche, kein Angebot. Die handelnden Personen haben sich in der Tat auf unserer Seite geändert. Ich bin froh, dass sich eine neue Konstellation ergeben hat und wir ein gutes Angebot machen konnten. Ganz ehrlich: Es ist nicht so ganz einfach in der aktuellen Situation Alemannias, Leute für ein solche Projekt zu gewinnen, die ins Risiko gehen und Geld auf den Tisch legen.

Haben Sie den Eindruck, dass der Klub den Ernst der Lage erkennt?

Meise: Ich kann nur sagen, dass wir auf sehr seriöse Gesprächspartner getroffen sind. Aus unserer Sicht ist es ein schwieriges Projekt mit einem hohen Risiko für den Investor. Es kann nur zu Konditionen funktionieren, die diesem Risiko auch entsprechen. So ist dieses Angebot entstanden. Ich bin dem Verein nicht böse, wenn er es ablehnt, weil er eine bessere Lösung hat. Kein Problem. Für jemanden, der sich professionell mit dem Thema beschäftigt, muss sich diese schwierige Lage im Vertrag niederschlagen. Ich kann da nicht „Wünsch Dir was“ spielen.

Es ist Ihr Alltag, Firmen zu übernehmen und aufzuhübschen. Wäre es ein anderes Handwerk, sich an einem Fußballverein zu beteiligen?

Meise: Formal sind die Abläufe gleich. Im Kern ist es dann aber etwas anderes, weil die Emotionalität und die Öffentlichkeitswirkung eine größere Rolle spielen. Und der sportliche lässt sich nicht so beeinflussen wie ein betriebswirtschaftlicher Erfolg. Ein normales Unternehmen zu übernehmen und nach vorne zu bringen, ist einfacher.

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