Insolvenzverfahren endet Silvester

Von: Christoph Pauli
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Das Ende naht: Bis Silvester will Rolf-Dieter Mönning das Insolvenzverfahren abgeschlossen haben.

Aachen. Für Silvester hat Rolf-Dieter Mönning schon ein paar Vorsätze gefasst. Alemannias Insolvenzverwalter will dann die Tivoli-Schlüssel in den Aachener Nachthimmel schießen, dann soll sein Mandat und damit Alemannias Insolvenzverfahren beendet sein.

Der Zeitplan steht, der von Geschäftsführer Michael Mönig erstellte Insolvenzplan soll im Oktober beim Amtsgericht eingereicht werden. Nach Prüfung innerhalb von zwei Wochen könnte dann im Dezember die zweite und entscheidende Gläubigerversammlung stattfinden. Dort soll der Plan angenommen und bestätigt werden. So der Zeitplan. „Mein Ziel ist es, mich so schnell wie möglich überflüssig zu machen“, sagt Mönning.

Ende letzter Woche fasste der Gläubigerausschuss einen wichtigen Beschluss. In einer Zweckgesellschaft werden die offenen Ansprüche ausgelagert, die Mönning so kurzfristig nicht (auf dem Vergleichsweg) regeln kann. So kann das leidige Verfahren endlich beendet werden, auch wenn Prozesse und Vergleiche noch anhängig sind. Dass es so kommen wird, zeichnet sich ab, auch wenn Mönning sich dazu nicht äußern will. Nach Informationen unserer Zeitung belaufen sich die Anfechtungsansprüche auf fast vier Millionen Euro. Die Schadenersatzansprüche liegen bei fast zehn Millionen Euro. Die Arbeitshypothese der Juristen ist, dass der tatsächliche Insolvenzfall bereits Anfang 2012 vorlag.

Welche Ausgaben wären unnötig gewesen, wenn Alemannia ähnliche Erkenntnisse gehabt oder vorgelegt hätte? Die Umfinanzierung mit Hilfe der Stadt hätte es dann nicht mehr gegeben. Der wichtigste Adressat für Regresszahlungen wird der ehemalige Geschäftsführer Frithjof Kraemer sein, der vor dem Landgericht gerade gegen seine fristlose Kündigung klagt. Aber vermutlich lässt sich ein Schadenersatz in Millionenhöhe gegen den Diplom-Kaufmann kaum durchsetzen.

Juristischer Ärger steht nach Informationen unserer Zeitung auch Erik Meijer ins Haus. Der Abstiegs-Manager sieht bislang keine eigenen Versäumnisse. Die Juristen dagegen wundern sich zum Beispiel über die sorglose Vertragsauflösung mit Babacar Gueye, die keine Sonderregelung für den später eingetretenen Abstiegsfall vorsah. Das ehemalige Idol soll auf eine sechsstellige Summe verklagt werden, so war zu erfahren.

Und auch der Aufsichtsrat ist noch nicht aus dem Schneider. Dem Vernehmen nach lässt Mönning gerade extern prüfen, inwieweit die Kontrolleure der Geschäftsführung „nicht richtig hingeschaut haben“.

Mönning will die Weichen stellen, bevor er die Schlüssel zurückgibt. Er bastelt am „Leitbild des sanierten Unternehmens“. Er sucht Leute, die Verantwortung übernehmen wollen. In den nächsten vier Wochen, so kündigt er an, soll den (Rest-)Gremien endlich ein neuer Geschäftsführer vorgestellt werden, auf den auch der Vermarkter Infront drängt. Derzeit berät Dirk Kall die kaufmännische Leitung. Der Aufsichtsratschef von Fortuna Düsseldorf hilft seit Monaten im Verborgenen mit. Der studierte Kaufmann wird nach Medienberichten als hauptamtlicher Chef beim Zweitligisten gehandelt.

Das Profil für den neuen Geschäftsführer am Tivoli ist noch diffus: „Die Frage ist, ob wir jemanden einstellen, der operativ oder nur repräsentativ unterwegs ist.“ Die Antwort sollen die Mitarbeiter von Infront, aber auch die Weichensteller finden. Auch deswegen will Mönning den Wirtschaftsausschuss wieder aktivieren, der sich am Ende der letzten Saison aufgelöst hatte, weil die Zusammenarbeit sich als „nicht konfliktfrei“ erwies, wie es im Gutachten für das Amtsgericht steht. Die Gruppe hatte nicht nur Gelder besorgt, sondern auch bei der Auswahl des Vermarkters geholfen.

Die Geschäftsleute Tim Hammer, Michael Nobis, Helmut Kutsch, Jochen Dimter, Thomas Deutz und auch Dirk Kall fühlten sich nicht sonderlich ernst genommen. Mönning hat die Gruppe ebenso wie einige andere Unternehmer angeschrieben. „Jetzt ist der Zeitpunkt, an dem sie die Weichen stellen können für die Zeit nach dem Verfahren.“ Das überrascht auch, weil er den völligen Neuanfang in allen Gremien mit unverbrauchten Personen anstrebt. Kutsch und Nobis gehörten aber dem Aufsichtsrat in der entscheidenden Phase an. Die Angesprochenen reagierten zurückhaltend. An eine Mitarbeit bei Alemannia sei erst wieder zu denken, wenn der Insolvenzverwalter seine Arbeit erledigt hat. Am Tag, wenn die Raketen steigen.

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