„Ich würde Auer immer spielen lassen”

Von: Christoph Pauli
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Die Lage ist ernst nach dem Fe
Die Lage ist ernst nach dem Fehlstart: Alemannias Kapitän Benjamin Auer ist nachdenklich. Foto: imago/Eibner

Aachen. Am Dienstagmorgen durfte Benny Auer tatsächlich jubeln. Auf Knopfdruck. Für eine bekannte Bierbrauerei musste Alemannias Kapitän posieren. Und es wirbt sich besser mit fröhlichen Bildern. Dabei hat der Kapitän des Tabellenletzten Alemannia Aachen nicht so viel zu lachen.

Wann haben Sie zuletzt auf dem Sportplatz und nicht für den Fotografen gejubelt?

Auer: Da muss ich direkt mal scharf nachdenken. Mein letzter offizieller Treffer war Ende der Saison gegen Bielefeld Anfang Mai. Das ist zu lange her, ich hätte schon mal wieder Lust...

Wie würden Sie die Situation bezeichnen? Ist das nur ein Fehlstart oder schon eine ausgemachte Krise?

Auer: Undramatisch ist das sicher nicht, vier Spiele in Folge zu verlieren, ist ein Fehlstart. Wir alle im Verein sind unglücklich über die Situation, weil wir uns teilweise unter Wert verkauft haben bislang.

Die Ausgangslage wird vermutlich nicht leichter.

Auer: Definitiv ist das so. Mit Cottbus kommt eine Mannschaft, die gerade eins auf die Mütze bekommen hat (0:5 gegen 1860 München; d. Red.). Solche Teams sind gefährlich, und Cottbus hat eine Mannschaft, die Potenzial hat, oben mitzuspielen. Danach steht mit der Partie in Rostock die nächste schwere Aufgabe an.

Kommt diese Ergebniskrise unverhofft über das Team, oder hat sich der Verdacht schon in der Vorbereitung eingeschlichen?

Auer: Wir hatten in der Vorbereitung sehr gute Gegner, gegen die man verlieren kann. Unser Gradmesser waren die ersten Spiele.

Nach den ersten Spielen sagt der Gradmesser, dass es nicht reicht.

Auer: Die Fakten lügen ja nicht. Wir sind Letzter, ohne Punkt, nur mit einem Treffer. Trotzdem sollte man die Lage nach dem dritten Spieltag nicht dramatisieren. Mit einem Sieg gegen Cottbus sieht die Welt am Tivoli wieder fröhlicher aus.

Wie erlebt die Mannschaft diese erfolglose Zeit? Wachsen die Zweifel an der eigenen Leistungsfähigkeit? Die Gruppe weiß noch gar nicht wie sich Siege anfühlen.

Auer: Die Profis, die schon ein paar Spiele mehr auf dem Buckel haben, können damit ganz gut umgehen. Die Aufgabe ist natürlich für uns Ältere, die Jungen mit ins Boot zu holen. Noch nicht so erfahrene Profis, die in der letzten Saison noch bei den Amateuren oder in der Jugend unterwegs waren, hadern schon mit vielen individuellen Fehlern. Wir Ältere müssen sie aufbauen. Ich finde auch, dass der Trainer in den letzten Wochen da den richtigen Ton immer gefunden hat.

Beim Montagstraining gab es ein paar heiße verbale Duelle zwischen Manuel Junglas und Timo Achenbach. Und schon taucht die Vermutung auf, dass die Nerven blank liegen.

Auer: Die Nerven liegen definitiv nicht blank. Ich finde das Gerangel sehr positiv, die Mannschaft lebt. Es war ein Turnier, es ging richtig zur Sache. Viel schlimmer wäre es, sich dem Schicksal zu ergeben.

Sie haben schon mehrfach gesagt, Alemannia mangelnde Torgefährlichkeit zu unterstellen, sei „Blödsinn”. Warum eigentlich?

Auer: Es gibt einfach solche Phasen, in denen Stürmer die Seuche haben. Es gilt, Ruhe zu bewahren, zu arbeiten und kein Drama daraus zu machen. Wir haben genügend Potenzial in der Offensive.

Man hat nicht den Eindruck, dass Sie Ihre Qualitäten im Moment gut einbringen können. Wie kann man das System besser darauf zuschneiden?

Auer: Mit Stieber, Höger und Arslan sind gute Vorlagengeber weggefallen. In gewissen Situationen fehlt der letzte Pass, oder es wird die falsche Entscheidung getroffen.

Darf man auf den Kapitän verzichten, wie es Peter Hyballa weitgehend auf St. Pauli gemacht hat?

Auer: Natürlich darf man auf den Kapitän verzichten, der Trainer hat sich ja dabei etwas gedacht.

Politisch korrekte Antwort. Hätten Sie als Trainer auch so entschieden?

Auer: Ich würde als Trainer Benny Auer immer spielen lassen.

Sie haben davon erst in der Besprechung erfahren. Hätten Sie sich vorab ein Gespräch gewünscht?

Auer: Ja. Gerade als Kapitän, der in der letzten Saison 20 Tore gemacht hat und das Bindeglied zwischen Trainer und Mannschaft ist, hätte ich mir ein anderes Vorgehen gewünscht. Ich bin in der Vorbereitung häufiger kritisiert worden, so dass ich mir schon Gedanken gemacht habe. Mir war schon klar, dass die Situation kommen kann, wenn ich nicht treffe oder funktioniere. Ich bin deswegen nicht aus allen Wolken gefallen.

Ist die Situation anschließend zwischen den Beteiligten geklärt worden?

Auer: Wir haben uns am Samstagmorgen unterhalten und uns ehrlich die Meinung gesagt, damit ist die Geschichte aus der Welt.

Wenn ein Fotograf bei dem Gespräch hätte dabei sein dürfen, hätte er ähnliche Motive wie am Montag auf dem Trainingsplatz bekommen?

Auer: (grinsend) Es gab weder Prügelszenen, noch lagen wir uns weinend in den Armen. Es war einfach ein sachliches Gespräch - wie es sich gehört.

Sie sind in Aachen nie von der Bank gekommen. Können Sie mit der Situation professionell umgehen?

Auer: Das muss ich. Aber ich kann der Mannschaft nur auf dem Platz helfen, und deswegen gehe ich davon aus, dass ich am Wochenende wieder spielen werde.

Ihr Trainer spricht von einem sehr speziellen Verhältnis. Er reizt Sie intern und öffentlich. Wie würden Sie die Zusammenarbeit beschreiben?

Auer: Wir sind häufig anderer Meinung, haben unterschiedliche Auffassungen. Das Verhältnis ist dennoch intakt. Wir reden sehr viel in letzter Zeit, es sind gute, ehrliche Gespräche, die uns beide weiterbringen.

Muss das Team nach dem dritten Spieltag seine Ziele korrigieren und zunächst einmal langsam den Anschluss wiederherstellen?

Auer: Man muss jedem Träumer, der von Aufstieg redet, die Wahrheit ins Gesicht sagen. Aber unser Ziel, Platz 9 und besser, können wir beibehalten. Aber wir sollten uns darauf besinnen, schnell 40 Punkte zu sammeln. Die Liga ist sehr verrückt dieses Jahr.
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