Ibisevic: Vom Chancentod zum Fußballgott

Von: Lars Brepols
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Ibisevic
Vedad Ibisevic: Hier noch im Trikot der Alemannia: Foto: ddp

Aachen. Was haben Vedad Ibisevic, Torsten Frings oder Lewis Holtby gemeinsam? Erstens: Sie bestimmen Woche für Woche das Geschehen in der Bundesliga. Zweitens: Sie haben alle einst ihre Fußballschuhe für die Alemannia geschnürt. Die Online-Redaktion blickt in einer neuen Serie auf die ehemaligen Aachen-Stars zurück. Heute: Vedad Ibisevic.

Einen Spitznamen für den Bosnier hatten die Alemannia-Fans seinerzeit schnell gefunden: Chancentod. Die schwarz-gelben Anhänger glaubten, den legitimen Nachfolger von Chris Iwelumo gefunden zu haben, denn auch der Schotte hatte es in der Saison 2004/2005 bestens verstanden, „Hundertprozentige” ungenutzt zu lassen.

„Vedo” wirkte wie ein Fremdkörper im Alemannia-Spiel. Er suchte den Abschluss, wo er besser den Nebenmann einbezogen hätte, und spielte ab, wo er besser eigensinniger agiert hätte. Dennoch gelangen dem Stürmer in seiner ersten und bislang einzigen Spielzeit für den damaligen Bundesligisten sechs Tore in 24 Spielen. Und so weckte er wohl auch das Interesse von Ralf Rangnick und seinen Hoffenheimern.

Schlummerndes Potenzial

Sicherlich nicht nur wegen seiner sechs Tore, sondern vielmehr wegen des in ihm schlummernden Potenzials, welches der damals 22-Jährige in seiner Aachen-Zeit nur selten abrufen konnte. Schon Ex-Alemannia-Coach Dieter Hecking stellte vor der Verpflichtung halb zweifelnd, halb bewundernd fest: „Der Junge hat was. Ich weiß zwar noch nicht was, aber irgendwas hat er.” Hecking sollte im Nachhinein Recht behalten

Die Alemannia-Fans weinten Ibisevic jedoch keine Träne nach, als er noch vor Saisonbeginn 2007/2008 eine Ausstiegsklausel nutze und für eine siebenstellige Summe zum Liga-Konkurrenten TSG 1899 Hoffenheim wechselte. „Ich habe ein Angebot bekommen, das ich unmöglich ablehnen konnte”, erklärte der bosnische Nationalspieler vielsagend.

Doch auch bei den Kraichgauern lief es anfangs nicht viel besser. In 31 Einsätzen - davon 22 als Einwechselspieler - brachte er es nur auf fünf Tore. Und so hatten auch die blau-weißen Fans schnell einen Spitznamen für ihren neuen Stürmer gefunden: Chancentod. „Er hat sich durch diese schwierige Situation durchgebissen, weil er psychisch stark ist”, glaubte der damalige Hoffenheim-Manager Jan Schindelmeiser zu wissen.

Der Knoten platzt

Und dann platze endlich der Knoten: Wie Phönix aus der Asche startete Ibisevic in die Bundesliga-Saison 2008/2009. Gleich im ersten Spiel in Cottbus gelangen dem 1,88 Meter großen dribbelstarken Spieler zwei Treffer. Weitere 16 sollten bis zur Winterpause folgen. Fast schon uneinholbar führte er die Torjägerliste zu diesem Zeitpunkt an. Und ganz Fußballdeutschland staunte, denn einen Ibisevic hatte keiner auf der Rechnung. Und auch die schwarz-gelben Fans rieben sich verwundert die Augen.

Ein Kreuzbandriss in der Wintervorbereitung stoppte den „Siegeszug” des Bosniers allerdings abrupt. Mindestens sechs Monate drohte der neue Star auszufallen. Doch exakt 126 Tage nach der bitteren Diagnose meldete sich Ibisevic zurück auf dem Trainingsplatz und in der folgenden Saison startete der mittlerweile 24-Jährige wieder durch. „Ein super, super Gefühl”, kommentierte Ibisevic seinen Gemütszustand nach seinen ersten „Versuchen” mit seinen Kollegen.

Eine beachtliche Quote

Trainer Rangnick schenkte seinem Stürmer das Vertrauen und so wurde Ibisevic in allen Bundesliga-Begegnungen der vergangenen Saison eingesetzt. Satte zwölf Mal netzte der filigrane Stürmer dabei ein. Eine beachtliche Quote nach seiner schweren Verletzung. Der Nationalspieler weckte das Begehren mehrerer europäischer Spitzenklubs, entschied sich aber für eine Vertragsverlängerung bis 2013.

Und so geht Bosniens Fußballer des Jahres 2008 mit der TSG bereits in seine vierte Saison. Als Stürmer Nummer 1, den die Fans wie einen Fußballgott verehren. Und seine Kaltschnäuzigkeit stellte „Vedo” bereits im Pokal (zwei Treffer gegen Rostock) sowie am ersten Spieltag (ein Treffer gegen Bremen) unter Beweis. Den Chancentod-Ibisevic haben die Fans schon lange begraben...

Steckbrief (Quelle: www.transfermarkt.de )

Geburtsdatum: 06.08.1984
Geburtsort: Vlasenica
Alter: 26
Größe: 1,88
Nationalität: Bosnien-Herzegowina und Vereinigte Staaten
Position: Sturm
Debüt 1. Bundesliga: 19.08.2006 für Alemannia Aachen

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