Aachen - Hyballa: „Wir haben ja kein Mau-Mau gespielt”

Hyballa: „Wir haben ja kein Mau-Mau gespielt”

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Als „jung, wild und gut” - so beschreibt Erik Meijer seinen neuen Trainer Peter Hyballa (links) mit Sportchef Christoph Pauli. Foto: Wolfgang Birkenstock

Aachen. Über den Trainer Peter Hyballa kann man noch nicht viel sagen. Er nimmt heute die Arbeit bei Alemannia Aachen auf. Eine Prognose scheint vor dem Saisonstart aber nicht allzu kühn: Es wird temperamentvoller am Tivoli zugehen.

Die Redakteure Klaus Schmidt und Christoph Pauli trafen sich mit dem jungen, „wilden” 34-Jährigen zum Interview.

Wann haben Sie den Berufswunsch Indianer oder Lokführer aufgegeben und sich für den Trainer entschieden?

Hyballa: Ich wollte nie Indianer oder Lokführer werden. Ich weiß gar nicht, was ich werden wollte damals. So mit 22, 23 war ich bei Preußen Münster Jugendtrainer. Da habe ich mal ein Kuvert mit ein bisschen Geld gekriegt und gedacht: Hey, ist ja gar nicht so schlecht. Zudem habe ich gemerkt, dass ich vor einer Gruppe bestehen kann.

Ist das eine konkret geplante Karriere oder basiert wie oft im Fußball vieles auf dem Faktor Zufall?

Hyballa: Ich bin damals von Bocholt nach Münster gegangen, weil ich Sportpsychologie studieren wollte. Bei Preußen Münster habe ich vorgesprochen und bin genommen worden. Ich wollte immer auf einem gewissen Niveau anfangen. Sonst hätte ich vielleicht Fußballcamps in Amerika gemacht, Kellner oder irgendwas anderes. In Münster war ich ein Jahr B-Jugend-Trainer, dann wurde ich von Stefan Grädler, dem damaligen Cheftrainer, gefragt, ob ich Assistenzcoach werden wolle in der Regionalliga Nord. Thorsten Stuckmann war im Team, ich war 23. Hab denen aber auch schon gesagt, wo sie hinlaufen sollen.

Warum verlassen Sie einen Bereich, in dem Sie sehr erfolgreich waren?

Hyballa: Weil ich etwas Neues machen möchte. Ich kenne jeden Jugendtrainer, kenne jedes Jugendturnier, jeden Nebenplatz in Deutschland. Hin und wieder habe ich auch mal einem Profitrainer über die Schulter geschaut und gesagt...

...das kannst du besser.

Hyballa: So würde ich das nicht sagen. Aber ich habe mir gedacht: Warum soll ich da nicht auch hin?

RW Essen in der 4. Liga hätte gepasst, in der 5. Liga wäre unter Wert gewesen?

Hyballa: Als ich im März in Dortmund gesagt habe, dass ich nicht mehr weitermache, gab es Anfragen von vier, fünf Vereinen aus der 3. und der Regionalliga. Für mich war Rot-Weiß Essen so ein Verein, von dem ich dachte: Da könntest du hinpassen. Da kannst du auch mal auf den Zaun springen und den Fans ol ol zurufen. Ich fand den Klub einfach ziemlich cool. 5. Liga, das wollte ich dann aber nicht.

Was trauen Sie sich in der Branche nicht zu?

Hyballa: Manager? Mannschaftsarzt? Spielmacher-Rolle? Ich komme zwar selbstbewusst rüber, aber ich glaube, ohne ein gewisses Selbstbewusstsein hätte ich als Peter Hyballa in diesem Geschäft überhaupt keine Chance. Viele reden über ihre Spieler-Karriere, da kann ich nicht viel zu erzählen. Es gibt Dinge, die ich lernen muss, aber das muss jeder Trainer.

Erik Meijer hat einen Trainer gesucht, der sein verlängerter Arm sein soll. Sind Sie also nur ausführendes Organ?

Hyballa: Erik Meijer hat viel Ahnung von Fußball. Da kann man sich dann austauschen. Aber die Mannschaft stelle ich auf. Ich mag das gerne, wenn Leute sagen, wie sie das Spiel gesehen haben. Vor allem mag ich das, wenn es kompetente Leute sind. Ich hab da kein Problem, auch mal ´ne Kritik zu kriegen.

Laut Meijer sind Sie jung, wild und gut. Jung sieht man, gut kann man an Ihren Erfolgen ablesen. Was bedeutet: wild?

Hyballa: Wild bedeutet, dass ich impulsiv bin. Ich kann einem Spieler in den Hintern treten, da ist mir auch egal, wer da vor mir steht. Ich kann aber auch einen Spieler in den Arm nehmen. Das lernst du als Jugendtrainer, da bist du auch eine Vater-Figur. Ich gehe mit, ich möchte gerne, dass die Mannschaft gewinnt. Ich bin nicht so der Typ, der auf dem Stuhl klebt, mache mir unheimlich viele Gedanken, wie man das Training noch besser zubereiten kann und bin sehr enttäuscht, wenn ich merke, das Training war nicht so gut.

Muss eine Mannschaft Sie auch antörnen?

Hyballa: Na klar. Ich mag zum Beispiel keine faulen Spieler und auch keine Spieler, die ich immer wieder nach vorne treiben muss. Sondern Spieler, die selber etwas machen und nach dem Training noch ein paar Bälle spielen.

Haben Sie nicht eine wunderbare Ausgangslage, weil Sie niemand kennt?

Hyballa: Ja, das ist schön. Die Spieler, die Zuschauer und alle rund um den Verein denken: Was kommt denn da jetzt für ein Vogel? Sie haben keine Fernsehbilder von mir.

Kursiert nicht mal in der Jugendszene ein klitzekleines Vorurteil über Sie?

Hyballa: mhhhh...: wild. Anstrengend, schwierig. Ich hab immer so Schwierigkeiten mit Leuten gehabt, die nicht so leidenschaftlich waren wie ich. Dann werde ich ein bisschen ungemütlich. Im Spiel lege ich mich auch mal mit einem Trainerkollegen an, wenn der meine Mannschaft attackiert. Das mag ich dann nicht. Ich bin da der Anwalt der Mannschaft. Für mich ist Mannschaft ein ganz hohes Gut. Darum lege ich in jede Besprechung volle Leidenschaft rein und in jedes Training.

Wohin möchten Sie die Mannschaft entwickeln?

Hyballa: Dass man meine Handschrift erkennt. Gutes Flachpass-Spiel, gutes Andribbeln der Innenverteidiger, gut in die Box starten, Eins-gegen-Eins-Situationen vor dem Tor lösen, nicht noch mal ´nen Querpass spielen.

Gibt es ein persönliches Ziel?

Hyballa: Ich möchte mich im Profibereich etablieren.

Ist es für Sie eine Hypothek, dass Sie nicht erste, zweite, dritte Wahl waren?

Hyballa: War ich nur vierte Wahl? Nö, ist mir egal, weil jetzt bin ich ja hier und damit die erste Wahl.

Geht man mit Profis anders um als mit 18-jährigen jungen Männern?

Hyballa: Meine bisher einzige Stelle im Seniorenbereich war in Namibia, und das waren auch mehr Kinder, auch wenn sie biologisch alt waren. Als Co-Trainer mit 23 bin ich auch nicht anders umgegangen mit den Spielern. Auch in der A-Jugend war ich sehr respektvoll zu den Spielern. Von den Ansprachen her ist es gar nicht so anders. Wir haben ja kein Mau-Mau gespielt.

Aber außer Thomas Tuchel und André Schubert hat kein Jugendtrainer in den letzten zehn Jahren die Chance bekommen. Der Jugendbereich hat keine Lobby. Das deutsche A-Jugend-Finale sehe ich nirgendwo im Fernsehen.

Arrigo Sacchi hat gesagt: Man muss nicht Pferd gewesen sein, um ein guter Jockey zu werden. Haben es namhafte Ex-Profis leichter in der Branche?

Hyballa: Der war Schuhverkäufer... Die Diskussion ist endlos. Ich finde, Spieler und Trainer sind zwei ganz verschiedene Berufe. In der Vergangenheit war es einfach so, dass ehemalige Spieler die besten Jobs kriegen. Wie viele Fußballlehrer haben letztes Jahr noch ihre Ausbildung gemacht, durften aber schon in der 2. oder 3. Liga Trainer sein? Ich habe einen anderen Weg gemacht, wie Arrigo Sacchi oder Mourinho, Christoph Daum: Alles Trainer, die auch über die Jugend gekommen sind. Letztendlich wird der Trainer am Erfolg gemessen, da interessiert keinen mehr, ob er als Spieler erfolgreich war.

Im August erscheint im Aachener Verlag Meyer & Meyer Ihr Buch „Mythos niederländischer Nachwuchsfußball”. Das war sicher ausschlaggebend für die Verpflichtung durch Erik Meijer?

Hyballa: Es war das Thema meiner Magisterarbeit vor zehn Jahren. Ich hatte zwar eigentlich keine Lust, dieses Buch zu schreiben, aber ich habe dann einen Kollegen gefragt, da haben wir es zu zweit gemacht.

Werden Sie Ihren Kader noch ergänzen?

Hyballa: Für die Offensive werden wir noch ein, zwei Spieler holen.

Aus Dortmund?

Hyballa (lacht): Die haben eine gute Nachwuchsarbeit gemacht, mit einem guten Trainer in der Vergangenheit. Habe ich gehört.
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