Hyballa: „Raus aus der Komfortzone!”

Von: Christoph Pauli
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Richtungsweisend: Alemannias T
Richtungsweisend: Alemannias Trainer Peter Hyballa hat für seine zweite Saison in Aachen einen viel größeren Einfluss auf die Zusammenstellung des Kaders. Foto: Andreas Steindl

Walchsee/Aachen. Für die Schönheiten der Region hatte die Gruppe kaum einen Blick. Der Kaiserwinkl im Bezirk Kufstein verfügt über insgesamt 200 Kilometer markierte Wanderwege, 70 Kilometer Bikerrouten und rund 30 bewirtete Almhütten.

Alemannias Fußballer hatten nur ein Ausflugsziel: den ortsansässigen Sportplatz, auf dem sie etwa 25 Stunden verbrachten. Dazu kamen zwei Testspiele, etliche Besprechungen, und so kehrt heute Abend ein ziemlich müder Haufen aus dem intensiven Trainingslager in Tirol nach Aachen zurück. Trainer Peter Hyballa fasst seine Eindrücke zusammen.

Was ist anders als in der letzten Saison?

Hyballa: Mein Einfluss auf die Zusammenstellung des Kaders war größer: Wir haben viel und intensiv gesichtet, ab Februar festgelegt, wer geht, wer kommen soll. Letztes Jahr kam ich selbst ja erst kurz vor knapp dazu. Die eigene Note ist diesmal stärker.

Neue Spieler wie Reinhold Yabo sind überrascht, dass sie aufgefordert werden, Fehler zu machen.

Hyballa: Sie sollen ins Risiko gehen, die Komfortzone verlassen, damit sind zwangsläufig Fehler verbunden. In der Komfortzone ist es gemütlich, die Jungens wollen aber an die Geldtöpfe, sie wollen weiterkommen. Ich erzähle ihnen: Aus einem kleinen wird ein großer Unternehmer, weil er irgendwann etwas riskiert. Ich bin auch so ein Beispiel. In Dortmund hätte ich noch 30 Jahre Jugendtrainer sein können, wollte aber nach oben.

Neuzugänge wie Hartmann, Erb, Stiepermann, Yabo, Maek oder Bäcker haben sich bislang in ihren zweiten Mannschaften getummelt. Bekommen sie Eingewöhnungszeit, oder müssen sie sofort zünden?

Hyballa: Sie müssen am ersten Spieltag da sein, wir haben keine Zeit. In der Jugend geht es um Aufbau, Aufbau, Aufbau. Nur wenige Trainer werfen diese Spieler mal rein. Sie pendeln zwischen den Teams, haben keine richtige Heimat. Jetzt ändert sich die Lage: Sie gehören zur ersten Mannschaft und müssen sofort da sein. Ich setze sie deswegen unter Druck, mache viele Spielformen mit Zeit- und Raumdruck. Spieler wollen nicht gebremst werden, sie wollen ernst genommen werden.

Sie haben nach dem Test gegen Salzburg die älteren Spieler wie Auer, Achenbach und Stehle kritisiert. War das spielbezogen, oder hatten Sie den Eindruck, die erfahrenen stehen in der Vorbereitung etwas auf der Bremse?

Hyballa: Die Kritik bezog sich auf die Partie, aus allen Dreien lässt sich mehr herauskitzeln.

Sie kritisieren Ihren besten Torschützen häufig.

Hyballa: Die Beziehung zu Benny Auer war im letzten Jahr sehr intensiv. Ich habe ihn zeitweise gereizt, und er hat erstmals 20 Tore gemacht. Also habe ich auch Einiges richtig gemacht. Ein Reizklima ist wichtig.

Ist mit dieser Kritik an den älteren Spielern nicht die Botschaft verbunden, dass Sie keine Rücksicht auf namhafte Spieler nehmen?

Hyballa: Ja. Damit wird auch den Neuzugängen die Angst genommen: Auch junge Spieler dürfen Benny Auer respektvoll kritisieren, wenn es angebracht ist. Und wenn Spieler wie Auer oder Stehle gute Dinge machen, werden sie genauso gelobt wie die jungen Spieler. Bei uns ist es keine Floskel, dass es keine jungen und alten Spieler gibt, sondern nur gute und weniger gute.

Gibt es nach der Inflation an Gegentoren eine Änderung im System, eine Änderung in der Herangehensweise?

Hyballa: Wir haben kräftig das Personal ausgetauscht. Im Training machen wir größere Spielformen, um taktisch weiterzukommen. diese Mannschaft ist fußballerisch besser. Wir wollen weiter so hoch attackieren. Derzeit ist die erste Option ein System mit drei Stürmern.

Braucht man dafür keine putzmunteren Außenstürmer?

Hyballa: Das ist eine Frage der Definition. Wir wollen es nicht klassisch mit zwei Außenstürmern wie in den Niederlanden spielen. Aber wenn wir Tempo auf den Flügeln aufnehmen, mit Radjabali-Fardi, Uludag oder Strifler zum Beispiel, funktioniert es.

Fehlt im großen Kader wirklich kein gelernter Außenstürmer?

Hyballa: Wir überlegen, ob wir vielleicht noch etwas auf der rechten Seite machen.

Im Sortiment sind bereits sechs Innenverteidiger. Wollen Sie immer noch den siebten haben?

Hyballa: Ich habe eine andere Zählweise, Kevin Maek hat zuletzt fast nur auf der Sechs gespielt, Mirko Casper wird uns noch lange fehlen. Die Idee ist, den Konkurrenzdruck auf das Maximum zu erhöhen.

Haben Sie den Eindruck, dass der Substanzverlust durch den Weggang von Stieber, Höger und Arslan kompensiert werden kann?

Hyballa: Wir haben frühzeitig viele gute Transfers gemacht. Während andere Vereine noch suchen, spielt sich unsere Mannschaft schon ein. Es ist eine neue fußballerische Qualität hinzugekommen. Und es sind Spieler da mit dem Anspruch: „Trainer, ich will es richtig gut machen, weil ich nach oben kommen will.” Junge Kerle, die absolut fokussiert sind auf ihren Sport.

Waterman - Strifler, Maek, Erb, Falkenberg - Yabo, Sibum, Hartmann, Korte - Stiepermann, Bäcker: Sie könnten eine komplett neue Mannschaft an den Start bringen. Was bleibt vom Gerüst der letzten Saison?

Hyballa: Mir gefällt der Satz: Keiner ist gesetzt, Profis sollen es nicht gemütlich haben. Da sind gute Talente dazugekommen. Von Uludag, Feisthammel und Kratz erwarte ich einen weiteren Entwicklungsschritt. Die Messlatte wird höher gelegt.

Die Vorbereitung ist zur Hälfte vorbei: Von wem erwarten Sie mehr, wer überrascht Sie positiv?

Hyballa: Ich erwarte von Benny Auer, von unserem Kapitän, mehr. Jonas Strifler macht viele Schritte nach vorne, Mario Erb ist ein sehr interessanter Spieler, weil man seinen Ehrgeiz in die Startelf zu kommen, permanent spürt, Bas Sibum geht vorneweg - ich könnte einige Namen nennen.

Hat sich jemand von den Nachwuchsspielern aufgedrängt?

Hyballa: Narciso Lubasa hat mit seinem Tempo ein Super-Spiel gegen Salzburg gezeigt. Bei Daniel Engelbrecht hätte ich überhaupt keine Bedenken, ihn in der 2. Liga mit auf die Bank zu nehmen.

Die Gruppe ist wesentlich größer geworden. Gibt es wieder die Idee, das Projekt auf möglichst wenigen Schultern zu tragen?

Hyballa: Ich bin kein Rotationstrainer, die besten sollen immer spielen. Dieser Kader hat die angestrebte größere Tiefe, wenn da jemand über die Reling kippt, ist das nicht so dramatisch, weil wir viele gute Transfers gemacht haben. Formkrisen, Verletzungen und Sperren kommen automatisch.

Was wird aus dem System Auer, wie werden Sie die Spielweise verändern, um dessen Fähigkeit wieder zu nutzen?

Hyballa: Er bekommt Vorlagen von allen Seiten: Uludag, Radjabali-Fardi, Strifler können über die Flügel vorlegen, Hartmann und Sibum verfügen über einen guten Steckpass. Wir haben mit dem Weggang von Stieber Qualität verloren, sind jetzt aber nicht mehr so leicht ausrechenbar.

Erik Meijer hat sinngemäß am Ende der Saison gesagt, dass Sie sicher nicht auf eine sofortige Vertragsverlängerung warten. Stimmt das so?

Hyballa: Der Ball liegt beim Klub. Die Alemannia muss wissen, ob sie verlängern will oder nicht. Erik Meijer muss das entscheiden und gegebenenfalls den Zeitpunkt wählen, zu dem er das angeht.

Ist im Laufe der Saison nicht auch die Wertschätzung des Trainers gestiegen, gab es Anfragen?

Hyballa: Kann schon sein. Aber ich habe in keiner Sekunde daran gedacht, die Alemannia zu verlassen. Natürlich will ich mal andere Ziele formulieren können als: Wir wollen besser abschneiden als Platz 10. Ich fühle mich wohl bei Alemannia. Mit diesem Klub kann man richtig Fahrt aufnehmen, ich freue mich total auf die Saison. Können wir wieder einen Stieber oder Höger entwickeln? Das ist doch eine spannende Frage. Wenn uns das gelänge, würde es auch ein Stück weit die Qualität des Trainerteams belegen.

Falkenberg bleibt das einzige Sorgenkind

Kim Falkenberg bleibt Alemannias einziges Sorgenkind. Der Ex-Fürther klagt weiter über Probleme nach einem Fußbruch und kann nur Fahrradfahren. Shervin Radjabali-Fardi (Hexenschuss) und Timo Achenbach (Knöchel) trainierten am Sonntag wieder mit der Mannschaft.

Torhüter Mark Flekken, der bisher einen ausgezeichneten Eindruck hinterließ, hatte leichte Probleme mit dem Finger. Nach der Rückkehr des Teams heute Abend wird Mittelfeldspieler Kevin Kratz (Leisten-Operation) wieder ins Mannschaftstraining einsteigen.

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