Hyballa fordert „jugendlichen Wahnsinn mit wachsender Seriosität”

Von: Christoph Pauli
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SpVgg Greuther Fürth - Alemannia Aachen
Alemannias Marco Höger (rechts) im Duell mit dem Fürther Dani Schahin. Foto: dpa

Aachen. Einen Satz möchte Peter Hyballa am Freitagabend ganz bestimmt nicht loswerden: Er möchte nicht die Fortschritte seines Teams beschreiben, die tolle Entwicklung. Der 34-Jährige hat genug von einer guten B-Note, er will endlich eine gute A-Note analysieren.

„Ich möchte nur über drei gewonnene Punkte quatschen.” Die Sehnsucht ist groß, am 4. Spieltag soll sie gegen die noch unbesiegte Mannschaft von Energie Cottbus gestillt werden. „Das Team hat sich den ersten Sieg schon längst verdient.”

Die Mannschaft drückt weiterhin intensiv die Schulbank. War sie in den ersten Spielen noch feurig, manchmal auch naiv unterwegs, wirkte der Auftritt in Fürth etwas mehr kopfgesteuert. „Wir möchten jugendlichen Wahnsinn mit wachsender Seriosität verbinden”, ist so ein Hyballa-Leitsatz. Diese Kombination trifft auch auf Marco Höger zu, seit Donnerstag 21 Jahre. Am 6. März nahm er bei den Profis die Arbeit auf - in Cottbus, seitdem hat er keine Pflichtminute mehr verpasst.

Sein Spiel ist seit Monaten unglaublich Tüv-sicher, die erwarteten Schwankungen bleiben aus. „Er war in jedem Spiel bei den Besten”, urteilt Hyballa, der Höger, ebenso wie Junglas und Uludag zu früheren Zeiten schon mal in die Dortmunder Jugend locken wollte. Der 21-Jährige gilt als Leistungsträger dieser Bubi-Mannschaft. Er spielt so eiskalt, als habe der Schöpfer vergessen, Nervenbahnen in seinen Körper zu verlegen.

Ab dem 1. August hat er seine Ausbildung zum Industriekaufmann für zwei Jahre unterbrochen, ab sofort läuft ausschließlich die Ausbildung zum Fußballprofi. „Ich will erst einmal Fuß fassen in dieser Liga, dafür muss ich konstant bleiben”, sagt der Mann, der seit Saisonbeginn auf der rechten Seite antreibt. Einen Vertrauensvorschuss gab es schon vor dem Startschuss: Hyballa berief ihn in den Mannschaftsrat, Höger ist das Sprachrohr der jungen Wilden.

Nebenbei ist Höger in dieser Saison auch der einzige Torschütze der Aachener. Drei Spiele, zwei Treffer. Und das zeigt dann auch das Dilemma, das nicht chronisch werden soll. Die Mannschaft geht verschwenderisch mit ihren Möglichkeiten um. Da trifft es sich, dass Benny Auer erstmals seit fünf Wochen mehrere Trainingseinheiten am Stück hat bewältigen können. Der 29-Jährige wäre die einzige personelle Veränderung am Freitagabend - falls ihn die Trainer einen Starteinsatz schon zutrauen.

Es droht der schlechteste Zuspruch seit der Eröffnung der Spielstätte. Nur 13.000 Karten sind bislang vergriffen. Dabei wirbt das Team seit Wochen mit starken Leistungen - grausame Ausnahme: das Spiel in Karlsruhe - für mehr Zuschauer. Vermutlich muss diese Mannschaft nun kitten, was die Vorgängerteams an Porzellan über Jahre zerdeppert haben. „Darüber sind wir nicht so glücklich”, sagt Hyballa. „Leidenschaft und ein gutes Spielkonzept sind immer eingefordert worden. Und wir versuchen es zu zeigen. Dafür brauchen wir aber Unterstützung.”
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