Holzhäuser will am Tivoli einsteigen

Von: Christoph Pauli
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Interesse, bei Alemannia mit einzusteigen: Wolfgang Holzhäuser. Foto: imago/Sven Simon

Aachen. Früher griff Alemannias ehemaliger Geschäftsführer Bert Schütt immer dann zum Telefonhörer, wenn es mal wieder finanzielle Probleme am Tivoli gab. In der Zentrale des Deutschen Fußball-Bundes war ein hilfsbereiter junger Mann sein Ansprechpartner immer dann, wenn es eng wurde.

Wolfgang Holzhäuser ist kein junger Mann mehr, er ist inzwischen 66 Jahre alt, aber vielleicht wird er noch einmal ein wichtiger Gesprächspartner, wenn es wieder mal eng wird für Alemannia. Der ehemalige Geschäftsführer von Bayer Leverkusen jedenfalls gehört einer kleinen Gruppe an, die beim Viertligisten einsteigen und den Verein konsolidieren will. Er ist als Sprecher vorgesehen.

„Ich würde meine Kompetenz und mein Netzwerk mitbringen“, sagt Holzhäuser und betont gleichzeitig, dass er nicht im operativen Teil mitmischen will. „Ich würde nicht den Pseudo-Geschäftsführer geben.“ Aachen hält er immer noch für einen großartigen Standort. „Das ist ein hochinteressanter Klub mit tollen Fans und einem modernen Stadion.“

Michael Kölmel ist mit an Bord

Die Dinge wurden von Michael Kölmel vorangetrieben. Er hat den Investor Florian Meise für Alemannia begeistern können. Sportrechtevermarkter (Sportwelt) Kölmel hat ein originäres Interesse daran, dass der Verein noch einmal Fahrt aufnimmt. Vor ein paar Jahren hat er am Ende eines Gerichtsverfahren mit dem Mutterverein Alemannia Aachen einem Vergleich zugestimmt, der eine Art Wette ist. Zwölf Jahre partizipiert der mehrfache Darlehensgeber an Alemannias TV-Geldern. Die Wette beginnt, wenn Aachen drittklassig werden sollte, gezahlt werden muss aber erst in der 2. Liga.

Mehrfach hat Kölmel sein Interesse am Kauf des neuen Tivoli signalisiert, im Rathaus hat er mit dem Angebot keine offenen Türen eingerannt. Aus unterschiedlichen Gründen haben sich die Verhandlungen mit einer anderen Investoren-Gruppe von Spielerberatern zerschlagen. Unter anderem – so ist zu hören – hat auch die Ablehnung in Fankreisen die potenziellen Interessenten abgeschreckt. Die Hürde ist hoch: Bei einer Mitgliederversammlung müssen sich 75 Prozent der Anwesenden für den Verkauf von Anteilen aussprechen.

Auch die neuen Interessenten bieten dem Vernehmen nach vier Millionen Euro für die Übernahme von 49,9 Prozent. Das ist derzeit die mögliche Obergrenze: Fällt die reglementierende 49 + 1- Regel, sollen weitere Millionen fließen – wenn es denn der Wille des Souveräns ist.

Holzhäuser hat eine bemerkenswerte Fußball-Funktionärskarriere hinter sich. Der diplomierte Betriebswirt arbeitete 23 Jahre beim DFB, dann war er an der Gründung der Deutschen Fußball Liga maßgeblich beteiligt, er wurde Vizepräsident des neuen Verbandes. Der Diplom-Betriebswirt hat sich später beim Verband im neuen Lizenzierungsverfahren mit der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit beschäftigt.

Im Sommer 1998 zog es den Jazzliebhaber nach Leverkusen. Der kaufmännische Geschäftsführer forcierte die Umwandlung der Bayer 04 Leverkusen GmbH. Unterwegs kam dann der gewichtige Manager Reiner Calmund abhanden, 2004 wurde Holzhäuser dann alleiniger Geschäftsführer.

Der „Ehrenangehöriger des Ligaverbandes“ gilt als ausgewiesener (Finanz-)Experte, als streitbar und durchsetzungsstark. „Wir freuen uns sehr über die Bekundung eines dermaßen renommierten Sportmanagers, sich bei der Alemannia zu engagieren. Das unterstreicht nochmals eindrucksvoll die Attraktivität der Marke Alemannia selbst in der Regionalliga“, sagt Christian Steinborn.

Alemannias Aufsichtsratschef macht keinen Hehl aus der „wirtschaftlich schlechten Situation“ des Klubs. „Eine nachhaltige Finanzierung ist mit der bisherigen Einnahmenstruktur nicht zu erzielen. Der Aufsichtsrat arbeitet deshalb seit geraumer Zeit an einer Lösung, um eine Insolvenz, die sonst möglicherweise noch im Laufe dieser Spielzeit droht, zu verhindern.“

Das ist das drohende Szenario. Am Tivoli befürchtet man die nächste Insolvenz. Schon die aktuelle Saison ist trotz reduziertem Etat nicht gedeckt. Der Zuschauerschnitt geht weiter zurück – am Samstag verfolgten nur 4900 Zuschauer den Heimsieg gegen RW Oberhausen.

Der Einstieg eines erfahrenen, gut vernetzten Experten könnte ein Rettungsanker sein. Steinborn will den Mitgliedern ergebnisoffen drei Wege skizzieren. Neben dem Einstieg von externen Investoren besteht immer noch die Hoffnung, dass regionale Firmen und Anhänger bereit sind, Gesellschafteranteile zu übernehmen. Lassen sich beide Lösungen nicht umsetzen, droht eine „Extrem-Spar-Lösung“. Der Sportetat würde etwa halbiert, der so sehnlichst angestrebte Aufstieg in die 3. Liga geriete in weite Ferne.

Das ist die aktuelle Ausgangslage. Noch vor Weihnachten will die neue Investorengruppe ihre Vorstellungen öffentlich konkretisieren und auf die Mitglieder zugehen.

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