Heimkomplex: Alemannia belohnt sich wieder nicht

Von: Christoph Pauli
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Endstation Jan Zimmermann:  An
Endstation Jan Zimmermann: An Darmstadts Keeper scheiterten die Aachener - hier Marcel Heller - regelmäßig. Foto: Martin Ratajczak

Aachen. Angefangen hat es damals unter Jürgen Seeberger am 17. August 2009. Der 47-Jährige war Trainer, als der neue Tivoli eröffnet wurde. Die Geschichte ist bekannt, Alemannia verlor gleich zum Auftakt 0:5 gegen St. Pauli, und man könnte meinen, dass sich die neue Arena von diesem Trauma bis heute nicht erholt hat.

Beim Umzug damals haben sie ein paar schöne Sachen mit in die Moderne gerettet, uralte Stadionuhr, Wellenbrecher, solche Sachen. Aber die alte Heimstärke ist nicht mit umgezogen. Im Gegenteil: Der Verein hat sich im Laufe der Zeit einen ausgewachsenen Heimkomplex herangezüchtet.

Jürgen Seeberger profitierte am Samstag ungemein von dieser Entwicklung. Der Trainer von Darmstadt 98 freute sich über ein 1:1, das unglaublich unverdient war. „Wir hatten keinen Eckball, keinen Standard und machen mit einer Chance einen Treffer. Mit dem 1:1 bin ich hochzufrieden, mit unserer Spielweise natürlich nicht,” räumte er am Ende des Spieltags ein.

Er grinste fröhlich, wie jemand, der sich über einen gelungenen Streich diebisch freut. Sein Gegenüber René van Eck setzte dagegen einen in Essig getränkten Gesichtsausdruck auf. „Ich bin mit der Art und Weise unseres Auftritts sehr zufrieden. Aber die Mannschaft belohnt sich nicht für die Arbeit, das ist enttäuschend.”

Gegner im Schwitzkasten

Alemannia hatte den völlig harmlosen Gegner im Schwitzkasten, lag in allen Unterkategorien meilenweit vorne, ging durch einen phantastischen Treffer in Führung - um am Ende wieder enttäuscht vom Feld zu schleichen. „Das fühlt sich an wie eine Niederlage”, sprach Kapitän Thomas Stehle für die Mannschaft.

Dieser ziemlich verregnete Samstag begann für Alemannia mit ein paar trüben Nachrichten. Ein letzter Belastungstest von Albert Streit fiel negativ aus, die Achillessehne ließ keinen Einsatz zu. Der mögliche Ersatzmann Florian Müller meldete sich mit Adduktorenproblemen ab. Und der mögliche Ersatz des Ersatzmannes, Norikazu Murakami, war gegen Darmstadt 98 noch nicht spielberechtigt. Entsprechend kam die Spielfreude zu kurz, der seifige Platz unterband zudem viele Kombinationen.

Die Genauigkeit im letzten Drittel fehlte den Aachenern. An ihrer Überlegenheit änderte das nichts: In schöner Regelmäßigkeit bekamen die Hausherren ihre Chancen. Meistens war Oguzhan Kefkir beteiligt, der aber bei seinen Versuchen regelmäßig zu hoch zielte. Alemannia arbeitete sich am Darmstädter Sperrriegel ab. Ein paar Mal fanden sie an den Seiten Schlupflöcher in die Festung. Die längst verdiente Führung verpasste Pozder mit dem Pausenpfiff. Sein Kopfball nach einer präzisen Thiele-Flanke verfehlte das Tor nur knapp (45.). Es war die größte Gelegenheit, die Gäste vor immerhin 13 003 Besuchern aus der Reserve zu locken.

Eine gute Stunde dauerte es, bis die überfällige Belohnung anstand. Pozder nahm einen Einwurf auf, hielt den Ball in der Luft, um ihn dann vom Strafraumeck hoch ins lange Eck zu schmettern. Ein Treffer wie ein wärmender Sonnenstrahl an diesem nasskalten Tag. Es war der vierte Treffer des Stürmers, den sie langsam an Team und Liga heranführen wollten.

Der Top-Torjäger hätte sein Konto weiter auffüllen können, wohl auch müssen. Einen Rückpass von Kefkir schob er aus elf Metern aufs leere Tor, Verteidiger Cem Islamoglu wehrte auf der Linie ab, beim Nachschuss kam Thiele in Rücklage. Gespielt waren schon 74 Minuten, und es gab kein Anzeichen, dass die Gäste hier noch aufmucken wollten. Sie stolperten umher, als hätten sie gemeinsam Valium eingeworfen.

Alemannia schuftete konzentriert in der Defensive. Schwertfeger und Brauer wachsen immer besser in ihre Rollen hinein, die Innenverteidiger gewannen alle Zweikämpfe. Und doch machten die „Lilien” am Ende reiche Beute. Darmstadt nutzte die erste und einzige Chance, am Ende eines kollektiven Gestochers schob Kacper Tatara den Ball aus sieben Metern unter Melka ins Netz (76.). „Unmöglich, wie wir uns da verhalten”, schüttelte van Eck den Kopf. „Wir hätten mehrfach klären können.” So trostlos endete dieser Spieltag.

Van Ecks Team bekommt Struktur, spielt kompakter - und verharrt in der unteren Tabellenhälfte. Aachens Trainer wartet immer noch auf seinen ersten Sieg am Tivoli. Die Mannschaft leidet an einem Heimkomplex, der einst mit Seeberger begonnen hatte.
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