Aachen - Hängende Köpfe bei Alemannia Aachen

Hängende Köpfe bei Alemannia Aachen

Von: Christoph Pauli
Letzte Aktualisierung:
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Zum Verzweifeln: Tobias Mohr (links) und Timo Staffeldt nach der Niederlage gegen Wattenscheid. Foto: Wolfgang Birkenstock

Aachen. Am Ende gab es kaum Pfiffe. Das ist bemerkenswert, denn Alemannia verlor nicht nur das dritte Heimspiel in Folge. Beim 2:3 gegen Wattenscheid 09 reichte auch eine 2:0-Führung nicht aus für einen Punktgewinn. Die meisten der Zuschauer gingen nach dem Schlusspfiff still nach Hause.

Das ist vermutlich noch bedenklicher als die üblichen Unmutsbekundungen bei solchen Anlässen. Der Verein weckt derzeit kaum noch Emotionen. Am Ende einer ziemlich missglückten Saison macht sich Gleichgültigkeit breit. Gemeldet wurden am Tivoli 6200 Zuschauer. Darunter sind aber auch die 4200 Dauerkarteninhaber, von denen Hunderte schon seit Monaten an Spieltagen lieber zu Hause bleiben.

Fuat Kilic war „enttäuscht und sauer, weil wir ein Spiel so aus der Hand gegeben haben“. Der Trainer sah dennoch eine Verbesserung zur vorösterlichen Partie gegen Erndtebrück, als sein Team auch dort trotz 2:0-Führung noch gehörig ins Wanken geriet. „Trotz der Niederlage war es eine vernünftige Leistung.“

Aachens Trainer hatte sein Team auf zwei Positionen verändert. Jannik Löhden ersetzte den zuletzt schwächelnden Jerome Propheter. Kurzfristig meldete sich Fabian Graudenz vergrippt ab, so dass auch noch Meik Kühnel auflaufen durfte.

Die erste Viertelstunde ging nach Punkten deutlich an den Überraschungsgast im oberen Tabellendrittel der Liga. Wattenscheid versuchte sich spielerisch auf der Morastwiese, dem ersten Treffer zu nähern. Die erste Gelegenheit bot sich Nico Buckmaier, der einen Eckball übers Tor lenkte. Alemannia überstand die ersten 20 Minuten schadlos. Bei erstbester Gelegenheit ging das Team in Führung. Wieder einmal servierte der starke Tobias Mohr präzise, und Dennis Dowidat war ein dankbarer Abnehmer. Der Mittelfeldspieler knallte den Ball aus zehn Metern in den Winkel, um dann gleich zum Sprint zu seinem Trainer anzusetzen. Ein Zeichen der Dankbarkeit für die Unterstützung in den letzten Wochen.

Aachen legte nach. Dowidat eroberte vor dem Strafraum enorm robust den Ball von Mario Klinger. Der Rest war ein Vergnügen, Pass zu Daniel Engelbrecht, der den Ball locker ins leere Tor zum 2:0 schob (34.). Bis dahin war Aachen zumindest ein sehr effektives Team. Die Mannschaft hätte den Vorsprung weiter ausbauen können. Dowidat traf freistehend nach einer Freistoßvariante den Ball nicht richtig am Strafraum (36.). Der torgefährliche Mittelfeldspieler bekam eine weitere Chance, als Mohr von der linken Seite wieder einmal präzise geflankt hatte (39.). Etwas verdutzt registrierten die Wattenscheider den veränderten Spielfilm. Sie wurden regelmäßig nach Ballverlusten ausgekontert.

Alemannia schenkte die schöne Führung schnell dahin. Ein eigener Freistoß im Mittelfeld wurde überhastet ausgeführt, naiv fingen sich die Hausherren einen Konter. Im Strafraum kam es zum Dreikampf mit Aachens Torhüter Pierre Kleinheider, seinem Verteidiger Nils Winter und Wattenscheids Christopher Braun, der zum 1:2 verkürzte (54.). Winter schied zudem mit einem Muskelverletzung aus. Aachen verlor die Organisation, Chancen erarbeitete sich das Team im zweiten Durchgang nicht mehr. „Wir lassen uns den Schneid wie eine Jugendmannschaft abkaufen. Ich kann es nicht erklären“, war Dennis Dowidat am Ende des Spieltags verwundert. „Wir können uns für die Nicht-Leistung in der zweiten Halbzeit nur entschuldigen.“

Die Niederlage war dennoch nicht zwingend. Jeweils nach Eckbällen gegen die Aachener Abwehrriesen staubten Kaya (62.) und Buckmaier (83.) ab. „Wir verteidigen es naiv, ohne Achtsamkeit und Konsequenz“, beobachtete Kilic verärgert die aufziehenden Nachlässigkeiten. Der Trainer schickte in der Schlussphase seinen Abwehrturm Jannik Löhden und bei Gelegenheit auch noch seinen Keeper in den Angriff, der Wille war groß, aber erwähnenswerte Gelegenheiten ergaben sich nicht mehr.

So war die nächste Niederlage aktenkundig. Die Saison ist überraschend früh für die Aachener gelaufen, die letzten Spieltage sind schon als Vorbereitung auf die nächste Spielzeit ausgerufen. Die Spieler sollen in eigener Sache auf sich aufmerksam machen. Das Team hat spätestens seit Montag noch eine weitere Verpflichtung: gegen die zunehmende Gleichgültigkeit anzuspielen.

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