Bielefeld - Gute B-Note, schlechte A-Note

Gute B-Note, schlechte A-Note

Von: Christoph Pauli
Letzte Aktualisierung:
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Im strömenden Regen auf Biegen und Brechen: Aachens Kapitän Cristian Fiel im Kopfballduell mit dem Bielefelder Daniel Halfar. Foto: Andreas Steindl

Bielefeld. Vor dem Spiel mussten die Gäste sanften Spott ertragen. „Alemannia Aachen zählt zu den Aufstiegsfavoriten, weiß das aber bislang gut zu verbergen”, stand im Stadionheft. Solcher Hochmut hätte an diesem Tag gut bestraft werden können. Das Duell zwischen dem Klassenprimus Arminia Bielefeld und Alemannia Aachen fand mindestens auf Augenhöhe statt.

Am Ende aber feierte Arminia den sechsten Sieg in Folge - 1:0. Alemannia ist in dieser Phase der Saison eine tragische Mannschaft. Die Gruppe fühlt sich besser unter dem neuen Trainer, sie spielt besser, sie erntet viel Lob - aber sie punktet kaum. „Es gibt nichts, was ich mehr hasse als dieses Mitleid”, ärgerte sich Michael Krüger noch eine Stunde nach Spielende, als die Schulterklopfer vorbeischauten.

Der 55-Jährige wartet auch nach vier Spielen noch auf den Sieg. Es ist eine völlig unbefriedigende Situation für die Mannschaft, die für den Aufwand nicht belohnt wird. Der famose Antreiber Cristian Fiel suchte nach Spielende ein Wort für die Stimmung und erfand ein neues: „Wir sind überenttäuscht.”

Trainer Michael Krüger hatte noch einmal den Aufstellungsbogen des Cottbus-Spiels herausgekramt. Identische Aufstellung, identisches 4-2-3-1-System.

Die Gäste meldeten sich deutlich früher an, sie waren aggressiver, präsenter. Auer hätte nach einem Eckball im Fünfmeterraum fast den nächsten Treffer erzielt (7.). Der Klassenprimus wusste seine Aufstiegsambitionen jedenfalls überzeugend zu verbergen. Und zur Qualitätsverbesserung trug auch nicht der arrogant auftretende Fifa-Schiedsrichter Wolfgang Stark mit etlichen eigenwilligen Ideen bei. Die Strafräume wurden kaum benötigt, meistens strandeten die Spielzüge im dichten Mittelfeld. Hier ein Ballverlust, da ein Fehlpass. Und im Zweifel wurde der Rückwärtsgang gesucht, wodurch die Torhüter Dennis Eilhoff und Thorsten Stuckmannn häufiger mit dem Fuß am Ball waren als so mancher Feldspieler.

„Fußarbeit” zählt allerdings nicht zur Kernkompetenz von Aachens Schlussmann, und das machte sich nach 33 Minuten entscheidend bemerkbar. Stuckmann wollte den Ball schnell nach vorne preschen, sein Pass wurde im Mittelfeld abgefangen, zielstrebiger Konter, und Zlatko Janjic vollendete freistehend vor dem geknickten Torwart. 1:0 - und keiner wusste warum. „Ich will schnell nach vorn spielen mit einem Dropkick, bin hektisch am Ball”, urteilte der Keeper. „Ich hätte besser abwerfen sollen.” Eine Partie, die nach keinem Treffer verlangte, hatte einen gefunden.

Die Gastgeber hätten das Spiel entscheiden können, Halfar verweigerte nach schönem Doppelpass das 2:0 (53.), später versuchte Janjic überheblich ein Hackentor (73.). So aber kam der Spitzenreiter noch einmal gehörig in Not. Achenbachs Hereingabe wischte Rüdiger Kauf mit der Hand aus dem Strafraum (55.), Aachen reklamierte, aber das Schiedsrichtergespann verhängte nur einen Eckball.

Drei Minuten später lag der verdiente Ausgleich in der kalten Herbstluft: Schöne Vorarbeit von Milchraum und Auer, Junglas schob aus acht Metern den Ball... eben nicht ins Netz, sondern gegen den Rücken von Abwehrspieler Markus Bollmann. „Uns fehlt einfach dieses Quäntchen Glück”, haderte der junge Angreifer später am Abend. Das ist die Crux der Mannschaft. Endlich stimmt wieder die B-Note für Einsatz, Elan, spielerischen Glanz, da stimmt die A-Note nicht mehr, mit der die Punkte gemessen wird. „Das ist schon bitter”, sagte Krüger. Das hatte er schon vor zwei Wochen gesagt.

Sein Kapitän gab die Parole aus, wie die Mannschaft wieder in die Erfolgsspur zurückkehren soll: „Wir müssen uns das Glück zurück erarbeiten. Wir müssen es einfach zurückholen.”
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