Graudenz sichert der Alemannia den „dreckigen Sieg“

Von: Christoph Pauli
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Der Erlöser: Fabian Graudenz feiert das Tor des Tages. Foto: sport/Eibner
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Aachens Dennis Dowidat (links) im Zweikampf mit Sinan Kurt. Foto: Revierfoto

Wattenscheid. Der Abnutzungskampf hatte Spuren hinterlassen. Marcus Hoffmann kam mit geprellter Nase nach einem fiesen Ellenbogencheck vom Spielfeld, Kevin Behrens stützte sich auf die Betreuer, nachdem er umgeknickt war. Alemannia siegt bei Bochum II mit 1:0.

„Wir machen das abgezockt im Stil einer Klassemannschaft“, fasste Innenverteidiger Peter Hackenberg den zähen Nachmittag zusammen. Das war eher eine gewagte Interpretation des Spiels, denn auch diesmal musste der Tabellenzweite an seine physischen und psychischen Grenzen gehen. „Der Tank ist leer“, räumte Aachens bester, Dominik Ernst, entsprechend nach 90 strapaziösen Minuten auf tiefen Geläuf ein.

Minuten vor Spielende staubte Fabian Graudenz den Sieg ab. Das 1:0 war unstrittig verdient, und dennoch war der Auftritt nicht sonderlich furchteinflößend. Die Ausstrahlung war nicht gut (Peter Schubert: „Da können wir sicher zulegen“), das war nicht der leichtfüßige Erfolg einer Spitzenmannschaft an diesem Tag. „Alles was zählt, sind die drei Punkte“, bilanzierte der angeschlagene Michael Lejan.

Alemannia lässt sich nicht abschütteln im Meisterschaftsrennen, ist seit unglaublichen 20 Spieltagen unbesiegt. „Das ist im Moment die Phase der dreckigen Siege“, urteilte Dennis Dowidat zufrieden nach getaner Arbeit. „Scheißegal, wie er zustande kam.“ Auch der zentrale Mittelfeldspieler verließ das Spielfeld nicht ohne Spätfolgen: Nach der fünften Gelben Karte fehlt er gegen Oberhausen am Montag.

Die Gäste hatten ihre Probleme im Bochumer Morast. Sie hatten viel Ballbesitz, aber sie beschleunigten ihr Spiel zu selten. Die langen Ballpassagen halfen den ohnehin sehr defensiv eingestellten Bochumern, sich immer wieder einzuigeln. „Wir haben nicht die richtige Balance zwischen Ballbesitz und Balltempo gefunden“, beobachete Dominik Ernst.

Die Aachener waren ohne große Überzeugung gegen einen Gegner unterwegs, der seit dieser Woche als freiwilliger erster Absteiger feststeht, weil der Verein die Mannschaft zurückzieht. Alemannia will auch die Liga verlassen, aber durch die andere Luke. Davon war nur selten etwas zu spüren. „Es war wie erwartet schwer, weil die Bochumer im Schaufenster stehen und sich für einen Arbeitgeber empfehlen wollen“, analysierte Trainer Peter Schubert.

Chancen ergaben sich nach seltenen Tempoverschärfungen. Einmal eilte Kevin Behrens allen Widersachern auf dem rechten Flügel davon, seine Flanke fand keinen Kollegen (13.). Dann zeigte Bastian Müller einen vollendeten Fallrückzieher, der bei Torwart Felix Dornebusch endete (19.). Die beste Gelegenheit landete an der Latte, nachdem sich Viktor Maier im Strafraum durchgesetzt hatte (36.). Mehr Aachener Offensive war nicht, im Gegenteil: Der Tabellenzweite hatte Glück, als Sinan Kurt nach vier Minuten das leere Tor aus 18 Metern nach einer zu kurzen Faustabwehr von Frederic Löhe verpasste.

Es gab viel zu korrigieren zu Halbzeit. Aachen wurde zupackender, rückte weiter raus, und attackierte nach der Einwechslung Itos energischer schon in vorderster Linie. Dowidat hätte nach einem klugen Rückpass von Ernst die ersehnte Führung erzielen können (75.), der Mittelfeldspieler schoss übers Tor. Löhe musste noch einmal bei einem abgefälschten Schuss von Kevin Brümmer zupacken (80.). Schubert holte die Brechstange heraus, Abwehrspieler Kris Thackray rückte ins Zentrum (81.). Der gelernte Angreifer Sahin Dagistan stand nicht im Kader. „Er kämpft sich gerade aus einem körperlichen Loch heraus“, sagt Schubert.

Das gilt im gleichen Maße für Fabian Graudenz, der seit Wochen immer wieder unter kleinen Blessuren leidet. Der eingewechselte Stürmer sicherte auf Vorarbeit Thackrays schließlich den verdienten Erfolg. Schubert hatte den Erfolg eingewechselt. Und mit ein bisschen Glück kann er am Mittwoch im Pokalspiel gegen Freialdenhoven sogar auf seine Patienten Lejan, Behrens und Hoffmann zurückgreifen.

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