Aachen - Gekündigter Markus Daun: „Habe für den Verein gelebt“

Gekündigter Markus Daun: „Habe für den Verein gelebt“

Von: Klaus Schmidt
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Das Tischtuch ist zerschnitten: Ex-Profi Markus Daun in der Saison 2011/12 als Interimstrainer des NRW-Ligisten Alemannia II. Eine der vielen Rollen des 32-Jährigen im Verein. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Am Mittwoch ist der Lehrgang beendet, Markus Daun wird nach der Abschlussprüfung in der Sportschule Hennef die Trainer-A-Lizenz in der Tasche haben. Am 1. Juli beginnt dann ein neues Kapitel, der 32-Jährige übernimmt im Nachwuchsbereich des 1. FC Köln als hauptverantwortlicher Coach die Top-Talente, quer durch alle Altersklassen.

Daun, der ehemalige Fußballprofi von Bayer Leverkusen, Werder Bremen, des 1. FC Nürnberg, MSV Duisburg und von Alemannia Aachen, freut sich auf die neue Aufgabe. Auch wenn alles anders gekommen ist als gedacht. „Ich leide darunter. Die Geschichte hat mich gekränkt. Ich habe für den Verein gelebt. Und nun wird es noch so hingestellt, als hätte ich mangelhafte Arbeit abgeliefert. Das lasse ich mir nicht bieten!“

Der Verein, das ist Alemannia, wegen einer irreparablen Knieverletzung vor vier Jahren musste der Stürmer seine aktive Laufbahn beenden. Und dann kam dieser Tag Mitte Januar 2013, als Uwe Scherr den Rauswurf mitteilte. „Er wurde immer lauter, hat geschrien: Pack deine Sachen!“

Markus Daun hat noch Vertrag am Tivoli bis zum Monatsende und ist offiziell freigestellt. Seit Januar 2010 war der gebürtige Eschweiler in verschiedenen Funktionen für die Schwarz-Gelben unterwegs: Trainer der U 16 (Wiederaufstieg in die Mittelrheinliga), federführend im Projekt „Bildungszugabe“ zur Förderung Jugendlicher in der Städteregion, Praktikant im Rahmen seines Sportmanagement-Studiums.

Zum Zerwürfnis mit Manager Scherr kam es unter anderem, nachdem Daun weit vor der Insolvenz bei Mitgliedern des Aufsichtsrats vorgesprochen und ein paar kritische Fragen gestellt hatte. „Bei Michael Nobis stieß ich auf offene, bei Helmut Kutsch auf taube Ohren. Ich habe mich als fachliche Kompetenz für den Aufsichtsrat angeboten und wäre nach der Insolvenz auch bereit gewesen, umsonst zu arbeiten. Ich habe eine Struktur vermisst. Dinge, die angekündigt waren, wurden nicht umgesetzt. Und dann kam der Vorwurf von Uwe Scherr, ich hätte hinter seinem Rücken über ihn geredet.“

Merkwürdiges geschah in der Folge. „Mir wurde vorgehalten, dass ich an Spieltagen der Profis auf einem falschen Parkplatz geparkt hätte. Es wurde kontrolliert, wann ich beim Training bin. Scherr behauptete, ich hätte ihn auf dem Gang nicht gegrüßt. Alles an den Haaren herbeigezogen.“ Markus Daun wurde die Video-Analyse für die Erste Mannschaft entzogen, „wo ich eine Reputation hatte“, aus dem E-Mail-Verkehr genommen, zu Strategiegesprächen des Nachwuchsleistungszentrums nicht mehr eingeladen, als Koordinator für U 16/U 17 abgesetzt.

„Ich habe das alles mit Leidenschaft betrieben. Von den vielen Dingen blieb mir nur noch der Job als U 16-Trainer – ohne vorherige Gespräche.“ Sagt einer, der am Tivoli im Rahmen seines Praktikums auch den Eventbereich unterstützte und dort „Bons für die Ü 30-Party verkauft und die Logen gesaugt“ hat. „Ich wollte alle Bereiche von der Pike auf lernen. Vielleicht habe ich diese Einstellung einigen Leuten voraus.“

Goldener Jahrgang

Markus Daun forderte eine schriftliche Begründung für seinen Rauswurf. Zehn Wochen lang gab es keine Antwort, „ich habe dann Michael Mönig und Rolf-Dieter Mönning angeschrieben“, den Interims-Geschäftsführer und den Sachwalter. „Es ging ja auch um 80.000 Euro jährlich für Alemannia mit dem Projekt der Städteregion. Aber Terminvereinbarungen waren mir nicht mehr möglich.“

Eine Woche nach Absenden des Briefes fand ein Gespräch mit Alemannias Anwältin statt, in dem Daun um eine schriftliche Begründung für seine Kündigung bat. „Außer dem Vorwurf, dass ich den Herrn Scherr mal kritisch hinterfragt hatte, wusste ich ja nichts.“ Am Ende stand die Erkenntnis: „Scherr hatte gar nicht die Befugnis, mich zu entlassen.“ Und: Daun wäre wohl „an seinen Ecken und Kanten gescheitert“.

Das Tischtuch war längst zerschnitten, Dauns Position anderweitig vergeben, und sein Praktikumsziel (Einblick in alle Bereiche) aus Vereinssicht schon erreicht. „Aber ich war hier noch nicht fertig. Ich hatte bis dahin, wie mir auch viele Leute sagen, sehr gute Arbeit gemacht und Dinge auf die Beine gestellt. Aber zum Schluss hat man meinen Plänen gar nicht mehr zugehört.“ Er, der „auch heute noch Gesprächspartner für viele Spieler und Eltern“ ist, sich zum Beispiel um Termine bei Ärzten kümmert, wollte den 97er-Jahrgang zusammenhalten, „einen goldenen Jahrgang, von dem der Verein in ein paar Jahren enorm profitiert hätte. Leider gehen viele jetzt zu Bundesligisten.“

Wie er sich eine gute Zusammenarbeit vorstelle, hatte Uwe Scherr einst Markus Daun gefragt. „Ich sagte: Das sollte mit einer ordentlichen Kommunikation beginnen. Seine Antwort: Ich rede nicht mit meinen Trainern.“

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